Acht Beine für DiePresse.com
Die DiePresse.com-Staffel trainiert für den Vienna City Marathon.
Für die letzten beiden Wochen vor dem Marathon habe ich mir vorgenommen, (fast) täglich laufen zu gehen. Das hieße entweder früh aufstehen oder nach der Arbeit loszutraben. Da ich seit frühester Kindheit als Anti-Frühaufsteher gelte, wird es im Normalfall wohl letzteres werden.
Als ich am Montag kurz nach halb sieben heimkomme, geraten diese guten Vorsätze gleich mal ordentlich ins Wanken. Der Montag verlief nämlich nicht nach meinem Geschmack. Musste mich über einen geplatzten Termin und noch ein paar Sachen ärgern. Zum Beispiel, dass meine Kaffeevorräte in der Redaktion zu Neige gehen und Nachschub noch nicht in Sichtweite ist. Oder dass ich schon wieder vergessen habe, mir einen Termin beim Augenarzt auszumachen und ich mit meiner eingeschränkten Sicht wohl damit rechnen muss, dass ich bei der Staffel dann meine Vor/Nachläufer nicht finden werde.
Keine guten Voraussetzungen fürs Laufen. Denn - so hat mir eine Freundin erzählt - es bringt gar nichts, wenn man losläuft mit Wut im Bauch oder wenn man sich selbst zwingen muss. Heißt das also, man muss entspannt sein, wenn man laufen gehen will, um sich zu entspannen? Ich ignoriere das mal, denn meine (negative) Energie will abgebaut werden, drum geht es dann doch raus auf die Straße und in den Park. Die ersten zwei Runden sind mühsam. Es rattert im Kopf. Er will nicht loslassen, die Gedanken kreisen um immer und immer wieder die gleichen Dinge und ich ärgere mich über mich selbst.
Als ich einigermaßen in einen Rhythmus komme, verlasse ich den Park und renne den Hügel hinauf, zwischen den Villen hindurch. Ich bin allein. Billy Talent schreien mir ins Ohr und treiben mich an. Langsam löst sich in mir etwas und es geht leichter. Weiter, sagen meine Beine, da geht noch mehr. Dann bin ich plötzlich an dem Park, zu dem ich es zuvor noch nie geschafft habe. Die Sonne steht schon ziemlich tief, also beschließe ich umzukehren. Als es bergab geht, schalte ich de iPod aus. Die Vögel zwitschern. Frühling ist geil.
Zurück in Park Nummer eins laufe ich noch zwei Runden mit ein paar kurzen Sprints dazwischen. Ich schaue auf die Uhr. 50 Minuten war ich unterwegs. Mehr als 5 Kilometer bin ich gelaufen, 5,7 ist meine Distanz beim Marathon. Ich taste mich heran. Und als ich nach Hause gehe im letzten Abendlicht, da fühle ich mich erstaunlich entspannt.
Heide Rampetzreiter
Von Heide Rampetzreiter | 0 Kommentare