Acht Beine für DiePresse.com
Die DiePresse.com-Staffel trainiert für den Vienna City Marathon.
Mit 11 km/h auf der Überholspur
Am Sonntag gibt es nur zwei Dinge, die mich dazu bringen in aller Früh das Bett zu verlassen: Frühdienst und Sportwettbewerbe. 9:00 Uhr Marathonstart klingt eigentlich harmlos, aber man sollte ja kurz vor dem Rennen nichts mehr essen (das bedarf kaum einer Erklärung, denn jeder kann sich vorstellen, was mit dem Mageninhalt passiert, wenn man ihn 16 Kilometer auf- und abschüttelt). Also: Um 6:00 Uhr raus aus den Federn, ein schmackhaftes, leicht verdauliches, kohlehydrathaltiges Frühstück (trockenes Toastbrot, Wasser mit Magnesium). Dann ab zum Start. Vor der Reichsbrücke haben sich um 8:30 Uhr längst mehr als 20.000 Laufwillige eingefunden. Schwer also, den richtigen Startblock zu finden. "Ganz hinten", höre ich auf die Frage, wo denn die Staffel-Läufer hingehören. "Aber, pssst, wennst schnell bist, stell dich lieber vorne hin, sonst musst dann an allen vorbei". Gesagt, getan.
Um Punkt 9:00 Uhr beginnt sich die Masse in Stopp-And-Go-Manier Richtung Start zu wälzen. Überraschenderweise genügte der Schritt auf die Startmatte, um die undurchdringbare Menge aufzulockern. Überholmanöver waren also ab Start eigentlich kein Problem. Aber die Kälte: In freudiger Erwartung eines sonnigen Tages hatte ich mich in ein knappes Laufdress geworfen und fror daher bis mindestens zum fünften Kilometer. Die einzige Lösung: Ein herzerwärmendes Lächeln und mehr Tempo. Bei Kilometer 9 war mir bereits wohlig warm, aber ein Blick auf die Uhr löste wieder einen kleinen Schock aus: 9 Kilometer und schon 9:45 Uhr? (Ich wusste ja nicht, dass ich erst acht Minuten nach 9:00 Uhr über die Startlinie gelaufen bin).

Bis zum 14 Kilometer habe ich mich problemlos auf der "Überholspur" (ganz links am Randstein) an den gemächlichen 42-Kilometer-Kämpfern vorbeigeschoben. Kilomter 14: Ich verspüre ein schmerzhaftes Pulsieren meiner Beinmuskulatur, beide Füße dürften Blasen haben und das 100-Kalorien-Sport-Gel hat einen widerwärtigen Spülmittelgeschmack hinterlassen. Ein Endspurt war trotzdem noch drinnen - wie von selbst ist mein Körper nochmal schneller geworden. Dafür hätte ich beinahe das Ziel verpasst. Am linken Rand waren plötzlich kleine Tafeln mit Nummern zu sehen. Eine Art Countdown? Nein: Die Übergabestelle. Mein ganzer Stolz: 16 Kilometer, durchschnittliche 11 km/h und rund 1 Stunde und 26 Minuten Durchhaltevermögen.
Von Sara Gross | 0 Kommentare