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Donnerstag, 05.November 2009

In der Kindergarten-Uni

Der Student Markus A. Wohlrab schrieb heute in einem Gastkommentar in der "Presse" über das "Lebensgefühl der 2009er-Generation". Die Essenz des Ganzen: Die Studenten wollen Bildung statt Ausbildung. Das Studium solle keine Berufsvorbereitung sein, Studenten sollen sich auf der Uni lieber mit dem beschäftigen, was sie selbst für spannend erachten. Tja. Hält sich der Staat wirklich eine Universität zur Selbstverwirklichung der Studenten? Oder ist es doch nicht eher so, und schon immer so gewesen, dass eine Universität schon auch vorrangig der Ausbildung dient?

Dabei ist Herrn Wohlrabs Ansatz eh noch nachvollziehbar - die Wissenschaft soll im Zentrum stehen und diese braucht eben Freiheiten, darf weder vom Staat gegängelt, noch von der Wirtschaft für kommerzielle Zwecke missbraucht werden. Nicht mehr nachvollziehbar sind allerdings die Forderungen, welche die Audimax-Besetzer aufstellen. Einige Beispiele gefällig? "Freie Gestaltung des Studiums", "Studiengangsphasen nicht als Verpflichtung, nur als Empfehlung", "Temporär müssen Budgetdefizite in Kauf genommen werden", "Controlling an den Unis einschränken, dieses darf nur noch beratende Funktion haben", "Selbstorganisation des universitären Lebens". Und ganz besonders nett: "Zu Zeiten, in denen Räume nicht genutzt werden, muss Platz für selbstverwaltetes und -gestaltetes Programm der Studierenden sein."

Willkommen in der Kindergarten-Uni! Jeder darf spielen, was er will und wo er will.

Sollte eine Uni nicht vielleicht doch auch ein wenig auf das Berufsleben vorbereiten? Dort kommt man mit "Selbstverwaltung" allerdings nicht sehr weit. Außer man wird Unternehmer. Aber mit dem Kapitalismus haben es die Audimaxisten ja nicht so wirklich.

Kommentare:

"Oder ist es doch nicht eher so, und schon immer so gewesen, dass eine Universität schon auch vorrangig der Ausbildung dient?"

Na den Satz haben Sie sich ja gerade noch getraut, hinzuschreiben. Ansonsten würde er nicht so viele Einschränkungen ("eher", "schon auch",...) aufweisen. In Bezug auf die Freiheit der Wissenschaft und der drohenden Kommerzialisierung der Studiengänge gehe ich absolut mit Wohlrab konform. Allerdings auch mit Ihnen, wenn es um die teils grotesken Forderungen der Audimax-Besetzer geht. Aber kann man Ihnen diese Verblendetheit bzw. mangelnde Kompromissbereitschaft/Lösungsvorschläge tatsächlich zum Vorwurf machen? Sie schreiben ja auch über Politik, Herr Pink, von Ihnen wird auch nicht erwartet, politische Probleme zu lösen, sondern sie zu thematisieren, zu analysieren... Ansonsten wären Sie ja Politiker. Genauso ist es mE bei den rebellierenden Studierenden.

jorgejosefstadt, Donnerstag, 05. November 2009 #

Nur zur Klarstellung: es sind Unmengen an Studenten in diesem Land, für die Herr Wohlrab nicht spricht. Die auch nicht wollen, dass er für sie spricht. Die sich durch die Audi-Max Besetzer ganz und gar nicht vertreten fühlen. Das sind meist diejenigen, die dieser Tage für Prüfungen aller Art lernen, die ihre Seminare vor- und nachbereiten, die ihre Referate vorbereiten - sprich: die, die STUDIEREN. Von denen, die zusätzlich noch arbeiten ganz zu schweigen.
Und noch etwas: mit dem Slogan "Bildung statt Ausbildung" attestiert man den ca. 250.000 Studenten in diesem Land zu viel des Idealismus. Wieso studiert Herr Wohlrab denn am Juridicum? Weil er das Geld, das er als erfolgreicher Anwalt/Verwaltungsbeamter/Steuerberater/Richter etc. einmal verdienen wird, umgehend spenden will? Wieso tun sich jedes Jahr tausende junge Menschen die Aufnahmeprüfungen für das Medizinstudium an? Wieso kann die WU Jahr für Jahr tausende Studienbeginner begrüßen? Nicht vielleicht auch deswegen, weil sich Studenten vom Abschluss etwas mehr erwarten als "nur" Bildung? Dass noch so viele junge Menschen so "alt" denken, ist schlicht unglaublich. Man könnte auch sagen: heuchlerisch. mit besten Grüßen, ein ausbildungsinteressierter Student.

Gast: Anti-Fundis, Donnerstag, 05. November 2009 #

Schon richtig, auf den ersten Blick klingt es nach Kindergarten. Doch ist es nicht so, dass es mittlerweile genug Absolventen gibt, die das studierten, was Vater Staat ihnen aufertragen hat, sich durchs Studium gequält haben, und heute keinen sicheren Arbeitsplatz haben, weil ihre Studienrichtung obsolet wurde?
Es machen nicht immer nur die Dinge Sinn, die mit hohem Aufwand und großer Überwindung zu erreichen sind. Es genügt nur, den richtigen Riecher zu haben. Unsere Gesellschaft braucht Veränderung um langfristig überleben zu können. Und die Kraft für Veränderung traue ich jungen Menschen eher zu als alten Wissenden, die nur auf ihren Machterhalt aus sind. Ich erachte es als fahrlässig, Studierende als kindergärtig zu bezeichnen.

Gast: squeak squeaker squeaken, Donnerstag, 05. November 2009 #

"Sollte eine Uni nicht vielleicht doch auch ein wenig auf das Berufsleben vorbereiten? Dort kommt man mit "Selbstverwaltung" allerdings nicht sehr weit. Außer man wird Unternehmer. Aber mit dem Kapitalismus haben es die Audimaxisten ja nicht so wirklich."

Durch die Verschulung (Bologna-Prozess) bildet eine Uni eben NICHT für ein Arbeits- und Berufsleben aus. Denn grad in der Privatwirtschaft fällt man ohne "Selbstverwaltung" schnell mal auf die Nase.

Und sich selbstverwaltende Unternehmen (KMUs) prägen seit jeher die Unternehmenslandschaft in Österreich.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Selbstverwaltung gemacht?

Milchleber, Donnerstag, 12. November 2009 #

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