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Reporter'10-Blog: Milchflut in Indien
Besuch in der Aftabachi-Schule
Seargant Kaufman hat den Lehrern der Aftabachi-Schule Radios mitgebracht: Klein, kompakt und mit Kurbel ¿ Strom ist keine Selbstverständlichkeit, Batterien sind teuer, also heißt es, selbst Hand anlegen, wenn man Musik oder Nachrichten hören will. Die Direktorin ist eine resolute Frau, sie bedankt sich bei der US-Soldatin für die Mitbringsel, sie hat aber eine ganze Liste an Wünschen: Schuluniformen, Bücher, Hefte, Stifte und einen Zubau zur Schule, die aus allen Nähten platzt. Einige Klassen werden in Zelten im Hof unterrichtet.
Die Ankunft der Amerikaner macht den Gedanken an weiteren Unterricht unmöglich. Die Mädchen wagen sich aus den Klassen auf den Gang, um die Soldaten, die mit ihren Kevlar-Helmen und kugelsicheren Westen, mit ihren Handschuhen und Splitterschutzbrillen auf die Schülerinnen wirken müssen, als kämen sie direkt von einem anderen Stern. Die älteren Schülerinnen, die für Disziplin sorgen müssen, sind jedenfalls völlig überfordert und mit den Nerven am Ende.
"Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals einen so großen Wirbel bei unseren Besuchen hervorgerufen haben. Ich glaube nicht, dass die Mädchen heute noch etwas lernen", meint Hauptmann Ferrin.
Der Zustand der Mädchenerziehung hat sich jedenfalls seit dem Ende des Taliban-Regimes spürbar verbessert.
Nach einer repräsentativen Umfrage im Land nimmt das Bewußtsein für die Notwendigkeit von Bildungschancen für Mädchen - auch in konservativen Regionen - stetig zu:
| 2007 | 2009 | Männer | Frauen | |
| in Prozent | in Prozent | in Prozent | in Prozzent | |
| volle Unterstützung | 60 | 68 | 59 | 77 |
| teilw. Unterstützung | 29 | 24 | 29 | 18 |
| teilweise dagegen | 7 | 5 | 7 | 3 |
| völlig dagegen | 4 | 2 | 3 | 1 |
| keine Meinung | 1 | 1 | 1 | 0 |
Die Schule wurde vom Provincial Reconstrucion Team (PRT) der US-Armee renoviert, zur Strategie der Militärs gehört es, mit Wiederaufbauprojekten guten Willen zu demonstrieren und Allianzen mit der lokalen Bevölkerung zu schmieden.
Der Bedarf an Bildung ist nach wie vor enorm: Der Schildermaler der das Schild für die Schule gemalt hat, ist der beste Beweis dafür: "Construction of Aftabachi School", steht da, "Donated by Bagram PRT teem (sic!) of united state (sic!) of America".
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Thomas Seifert bereiste als Reporter u.a. Tschetschenien, Sudan, Irak, Kosovo oder Nordkorea. Für "Die Presse" berichtet Seifert seit Jänner 06 aus aller Welt.
Ursula Bittner ist eine der beiden Siegerinnen von Reporter'10. Sie ist 25 Jahre alt und hat soeben ihr Studium „Internationale Entwicklung“ an der Uni Wien abgeschlossen.