Öko-Öko

Ein Blog von Michael Lohmeyer

Freitag, 12.Dezember 2008

Peinlich, peinlich

Der Verhandlungssaal leert sich, die Delegationen sind am Flughafen oder schon abgehoben - oder beides. Die Klimakonferenz in Polen ist zu Ende, herausgekommen ist wenig bis nichts. Wie schon so oft. Als Berufs-Beobachter derartiger Events überrascht mich das nicht weiter - derartige Ergebnisse gehören zum Alltag. Leider, sag ich dazu.

Auch wenn die Nebelschwaden tief hängen und die Klimapolitik derzeit keinen guten Stand hat, so gibt es doch auch Hoffnungsschimmer.

Der kommt von weit her: aus Kalifornien und Asien. Im größten US-Bundesstaat und in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern haben sich die Regierungen zu Zielen verpflichtet, Treibhausgase zu reduzieren.

Sie sind stärker von einer Klimaänderung betroffen als Industriestaaten. Offenbar werden in diesen Ländern allerdings die Chancen einer Klimapolitik weit stärker eingeschätzt. Da geht's nicht nur um Ökologie, sondern vor allem um Ökonomie - weniger Abhängigkeit von Öl, bessere Handelsbilanz, mehr Jobs und all das nachhaltig.

Dort, wo die Hauptverursacher des Problems sitzen - im so genannten Norden der Erde - haben sich angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen, nun offenbar wieder die Bremser durchgesetzt: "Klimaschutz - na gut, aber nicht zuviel!" Obwohl sich diese Staaten am ehesten Klimaschutz leisten und gute Geschäfte mit ihm machen  können.

Dass jetzt ausgerechnet jene Länder, die die höchste Zeche für versäumte Klimapolitik zahlen müssen, obwohl sie am wenigsten davon verursacht haben, ist für die Industrieländer beschämend.

Weiter so - dann können die selbst ernannten Erfinder des Umweltschutzes abdanken.

Peinlich, peinlich.

Kommentare:

Und dass man sich bei den Rueckziehern auf die derzeitige Wirtschaftskrise ausredet ist nicht nur peinlich, sondern auch besonders kurzsichtig. Hat eigentlich irgend jemand in den Regierungen den Stern-Report gelesen? Anscheinend nicht... oder nicht ernst genug genommen.

karinsg, Freitag, 12. Dezember 2008 #

Die Chancen, die in der gleichzeitigen Klima- und Wirtschaftskrise liegen, bleiben offenbar bei vielen Funktionären unerkannt – statt nach vorne zu denken, werden alte Muster reaktiviert („wir können uns Umweltschutz derzeit nicht leisten“). Gerade die Gleichzeitigkeit der beiden Krisen würde aber Raum schaffen für positive Änderungen, sind doch gerade jene Bereiche von der ökonomischen Krise betroffen, die auch klimarelevant sind. Mit der notwendigen Wirtschaftsankurbelung ließen sich solche Ziele einbringen: ein stärker an Nachhaltigkeit denn an Spekulation orientiertes Kreditsystem, spritsparende Fahrzeuge seitens der Automobilindustrie, an Nachhaltigkeit orientierte Bauprojekte. Oft scheint es, dass viele nachhaltige Maßnahmen gar nicht so sehr an ökonomischen Unmöglichkeiten scheitern, sondern an einer Funktionärs- und Interessensvertreterkultur, der jeglicher Innovationsgeist und Mut zu Herausforderungen abzugehen scheint.

GAST:Erik Bauer, Donnerstag, 18. Dezember 2008 #

Schauen Sie mal auf http://co2weblog.wordpress.com. Da werden Tipps gegeben um mehr CO2 zu erzeugen!!

GAST:Peter Steinmeier, Freitag, 23. Januar 2009 #

klimaschutz, was ist das bitte?
ich kenne umweltschutz und dieser ist in vielen fällen angebracht, wenn nicht wichtig.
als meteorologe darf ich sagen, dass klimaschutz ein vorwand ist, welcher sich gerne mit umweltschutz verschmelzen mag um viele anhänger zu finden und nicht gefahr läuft, viel schneller unter zu gehen als die ach so bedrohten küsten des planeten.
man sollte immer wieder sagen, dass am konstrukt des sg. weltklimarates (ipcc) zwar ein durchdachtes konzept, aber keine einzige schlüssige begründung hinter dem athropogenen klimawandel steckt. die (noch) verbliebene "freie wissenschaft" schreit nach jedem zustandbericht des ipcc laut auf, wird aber selten gehört. schreien sie zu recht? aus meiner sicht ja, nur noch zu leise. immerhin handelt es sich nach den unterzeichnungen um mehrere tausend naturwissenschafter, welche den ipcc folgerungen nicht folgen wollen. aber, der weltklimarat sagt: wir sind uns einig! aha

GAST:wettercafe, Freitag, 27. Februar 2009 #

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Über den Autor

Michael Lohmeyer (milo) ist seit Beginn der 1980-er Jahre journalistisch tätig, seit 1989 als Redakteur bei der „Die Presse“ in Wien. Einer der Schwerpunkte von Anfang an: Ökologie und Nachhaltigkeit.

Direkte mails an milo können an diese Adresse gesendet werden.

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