Bundesheer

Bei den Panzergrenadieren in Österreichs "Wüste"

In Großmittel im südlichen NÖ ist eines von zwei Bataillonen mechanisierter Infanterie des Heeres stationiert: das Panzergrenadierbataillon 35. Wegen der ungewöhnlich trockenen Gegend spricht man auch von der "Wüstengarnison" der "Wüstensöhne". "Die Presse" schaute vorbei.

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Es gibt im Bezirk Wiener Neustadt (NÖ), zwischen Felixdorf und Sollenau an der Südautobahn im Westen und Ebenfurth im Osten, eine gut neun Kilometer lange Landesstraße, die L159. Sie führt über weite Strecken fast kerzengerade und durch spröde, dunkle Wälder. Bisweilen ist's fast unheimlich.

VON WOLFGANG GREBER

Wir sind hier im lila Kreis auf der Karte. (ACHTUNG: Am Schluss der Show ist ein Link zu Videos)

Bing Maps/Screenshot

Es wirkt hier, nicht nur im Sommer, sehr steppenhaft und trocken. Die Gegend ist auch etwas abseits vom Schuss, doch mittendrin taucht plötzlich etwas auf.

Eine Kaserne. Benannt nach Feldmarschallleutnant Alfred Jansa (1884-1963). 1935-38 Generalstabschef, er schuf den Jansa-Plan gegen eine deutsche Invasion. Da wäre die Masse der Armee längs Traun und Enns aufmarschiert, mit vorgeschobenen Einheiten für Verzögerungskampf im Innviertel und in Salzburg.

Drinnen merkt man die neuzeitlich-österreichische Kasernenarchitektur und eine scheinbar entspannte Atmosphäre. Mir kam das im Bundesheer Ende der 1990er in Tirol (Landeck, Innsbruck) etwas anders vor. Aber egal.

Bisweilen taucht eine Marschformation mit schwarzen Baretten auf. Meines war grün, Infanterie, in Österreich auch "Jäger" genannt. Schwarz ist die Farbe einer etwas "härteren" Truppe.

Ja, die hat einen Speisesaal, der wie viele andere aussieht. Das Essen ist meist sehr okay. In der jüngeren Militärgeschichte hat Österreichs Heer den Ruf, überdurchschnittlich gut aufzukochen. Nur Wohlstandsverwahrloste und Nahrungsneurotiker jammern.

Nun aber geht ein Tor auf. Und es erscheint...

...ein Stahlkoloss. Ein Panzer. Genauer, ein Kampfschützenpanzer "Ulan". Der Boden vibriert und es ist nicht ganz erholungszentrumsgemäß still, denn das Ding wiegt 28 Tonnen und in ihm wummert ein 720-PS-Dieselmotor.

Ulanen waren mit Lanzen bewaffnete Reiter. Sie wurzelten im polnischen Militär des 15./16. Jhdts. mit Vorgängern bei Mongolen und Tataren. Bei letzteren und anderen Turkvölkern heißt Ulan soviel wie "tapferer Krieger" oder "junger Mann".

Auch Länder wie Preußen, Bayern, Sachsen, Frankreich und eben Österreich-Ungarn stellten Lanzenreitereinheiten auf. Bei Briten und Australiern hießen sie "Lancers". Und jetzt rollen in Österreich die Ulanen eben im Stahlgewand.

112 Ulans übernahm das Heer Anfang der 2000er von "Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeuge". In einem haben drei Crewmitglieder plus acht Infanteristen Platz. Die werden ins oder ans Gefechtsfeld geführt bzw. durchgeführt. An sich kämpfen Panzergrenadiere aber zu Fuß.

Die 30-mm-Maschinenkanone von Rheinmetall liefert bis auf zweieinhalb Kilometer wirksame, unter Umständen panzerbrechende Unterstützung. Munitionsvorrat: ca. 400 Schuss. Zudem gibt es ein MG sowie defensive Granatwerferbatterien mit Rauch- und Splittergeschossen. Panzergrenadiere operieren oft im Verein mit Kampfpanzern, um deren Geländegewinn zu sichern.

Die Ulans waren in den 1980ern von Steyr als Ersatz für die "Saurer"-Schützenpanzer entwickelt worden. Anfangs gab es Gespräche mit der Schweiz, Norwegen und Griechenland; 1988 ging man mit Spanien zusammen und schuf "ASCOD" (Austrian Spanish Cooperative Development): Eine Mehrzweck-Plattform, auf deren Basis etwa auch leichte Kampf-, Flak- und Granatwerferpanzer machbar sind.

1991 wurde ein Prototyp in Sevilla vorgestellt. Spanien kaufte 261 ASCODs unter dem Namen "Pizarro". Das spanische Partnerunternehmen "Santa Bárbara Sistemas" ist indes seit 2001 im Besitz des US-Konzerns "General Dynamics", Steyr-Spezialfahrzeuge ebenso, nämlich seit 2003.

In Österreich begann die Beschaffung 1999 und dauerte bis 2004/05. Dass an den komplexen Gefährten, die schon ob des Gewichts und der auftretenden Kräfte starker Abnutzung unterliegen, immer was zu machen ist, ist klar. Daher sind stets nur etwa 60 bis 85 Prozent in perfektem Zustand einsatzbereit, wobei das auch von der Art des Mangels abhängt: Nicht jeder, der im Frieden gerichtet gehört, etwa ein kaputtes Licht, behindert die Nutzbarkeit im Ernstfall.

Heute sind die 112 Ulans im wesentlichen den zwei Panzergrenadierbataillonen der 4. Panzergrenadierbrigade des Heeres ("Schwere Brigade") in OÖ und NÖ zugeteilt: dem Panzergrenadierbatallion 13 in Ried im Innkreis und dem PzGrenB35 in Großmittel/Felixdorf bei Wiener Neustadt. Bei letzterem hat sich die "Presse" umgeschaut.

Standorte der Schweren Brigade: die PzGren-Bataillone 13 und 35 (Ried im Innkreis, Großmittel), das Aufklärungs- und Artilleriebataillon 4 in Allentsteig und Horn, das Panzerbataillon 14 in Wels, das Panzer-Stabsbataillon 4 und das Brigadekommando am Fliegerhorst Vogler (Linz-Hörsching).

Bundesheer

Die Anlage Großmittel ist etwa 23 km2 groß, umfasst neben Kaserne und dem engeren Übungsgebiet (10 km2) einen auch von Firmen genutzten Schießplatz, die Heeresmunitionsanstalt Großmittel, Forschungseinrichtungen des Heeres, eine Zweigstelle des Entminungsdienstes des Innenministeriums. Rund 1000 Sprengungen von Blindgängern gibt es angeblich im Jahr.

Major Phillip Michel (*1979, Wiener) ist Vize und effektiv "Feldkommandant" des PzGrenB35. Kommandeur ist seit 2015 Oberstleutnant Reinhard Janko (*1973, NÖ, MilAk-Jahrgang 1996 "Wellington"). Major Michel (Jg. 2008 "Colloredo-Mansfeld", nach Hieronymus Colloredo-Mansfeld [1775-1822], österreichischer General in den Napoleonischen Kriegen) führt uns durch sein stählernes Reich.

Etwa zum Kanonensimulator. Das PzGrenB35 entstand in Großmittel 1957 als "Panzerschützen-Schulbataillon" und erhielt 1960 den heutigen Namen. Das Militärareal an sich wurde 1939 von der Wehrmacht unter anderem Namen auf dem Gelände eines Pulver- und Munitionsdepots ausgebaut.

Waffenschau inkl. MG, Panzerabwehrrohr - und mit Geräten zur "riot control", etwa Tränengaswerfer, Schlagstock, Schutzschild: Es wird auch für Einsätze in zivilen Unruheumfeldern ausgebildet. Auf dem Wappen steht "Dampièrre-Kürassiere" und "1619". Dazu später.

Zuletzt (Ende Frühjahr) dienten fünf Frauen im PzGrenB35, darunter auch diese junge Wienerin bei der Kampftruppe im engsten Sinne. Sie komme aus einem sportlichen Umfeld, sagt sie, und habe mit Burschen immer schon "besser gekonnt". 

Die Aktivstärke des Bataillons betrug laut Oberstleutnant Janko zuletzt 450 Mann, bzw. rund 700 im Fall der Mobilmachung. Unterteilt ist es in eine Stabskompanie und drei Kampfkompanien mit je 14 Ulans und vielen anderen Fahrzeugen.

Ausstieg in minenverseuchtem Gebiet. Die 1. Kompanie (Berufs- und Zeitsoldaten) übt für den Einsatz in einer "EU-Battlegroup" mit Deutschen und Beneluxern 2018. Die 2. Kompanie diente zuletzt zur Ausbildung von Grundwehrdienern und Unteroffizieren, die 3. (Grundwehrdiener) für den Assistenzeinsatz Migration (Grenzüberwachung) und zur Botschaftsbewachung in Wien.

Helme ausfassen für eine kleine Rundfahrt. Innen schaut der Ulan schon deutlich kleiner aus. Dürfte ungemütlich werden.

Der Ulan gilt als modernster Kampfschützenpanzer, er sei besser als der "Bradley" der Amerikaner, sagt Major Michel. Der Ulan hat aber noch kein echtes Gefecht gesehen. 

Und ab ins Gelände! Großmittel wird wegen des regionalen Klimas "Wüstengarnison" genannt. Es ist auffallend trocken und oft windig. Wolken regnen sich meist im Gebirge westlich davon ab, der Boden aus Sand und Schotter hält Wasser kaum zurück. Die ganze Region heißt "Steinfeld".

Und wie es staubt! Ein Zugskommandant soll einmal gesagt haben: "Willkommen in Großmittel: im Winter Schneesturm, im Sommer Sandsturm". Gras- und Buschland sowie die Föhren- und Kiefernwälder sind recht feuergefährdet. Obwohl Übungen mit scharfer Munition in der Regel anderswo abgehalten werden, gibt es ab und zu Wiesenbrände.

Rund 70 km/h wird der Panzer schnell, kann 2,30 Meter breite Gräben überschreiten, 1,20 m tiefe Wasser furten, über 95 cm hohe Mauern klettern. Er packt Steigungen von 75 Prozent und Querhänge von 40% Neigung und fährt mit einem Tank 400 bis 500 Kilometer weit.

Die Panzerung aus Verbundstahl schützt gegen Beschuss aus den meisten Infanteriewaffen und Artillerie-Naheinschläge, weniger indes gegen Panzerfäuste und Raketen. Stellenweise lassen sich Zusatzelemente aus Kompositmaterial (etwa Kevlar, Keramik) montieren. Reaktivpanzerung ist beim Ulan nicht vorhanden, beim Pizarro stellenweise schon.

Die ASCODs sind nicht auf Österreich und Spanien beschränkt: Thailand hat von General Dynamics 15 Stück als leichte Kampfpanzer mit 105-mm-Kanone geordert. Der große Klotz sind aber 589 ASCOD 2, die demnächst im Rahmen des "Ajax"-Programms in mehreren Varianten unter Namen wie Ajax, Ares und Athena an die Britische Armee gehen.

Das PzGrenB35 steht in einer komplizierten Traditionslinie, die unter anderem über das k.u.k. Böhmische Dragonerregiment "Graf Montecuccoli" Nr. 8 bis 1619 reicht, als in den Niederlanden und den habsburgischen Kernlanden 500 Mann als Gewehrschützen und Kürassiere (gepanzerte Reiter) angeheuert wurden und das Regiment "Dampièrre-Kürassiere" bildeten.

Dessen "Inhaber" war Heinrich Duval von Dampièrre (1580-1620), ein aus der Champagne stammender Feldmarschall in habsburgischen Diensten. Er hatte 1616 in Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain, Küstenland) schon ein Arquebusier- (Schützen-)Regiment seines Namens anwerben lassen.

Matthäus Merian/gemeinfrei

Als niederösterreichische Protestanten im Juni 1619 angesichts des Böhmischen Aufstands Erzherzog Ferdinand (ab August Kaiser Ferdinand II.) in Wien im Zuge der "Sturmpetition" zwingen wollten, mit den Böhmen Frieden zu schließen und die Protestanten zu dulden, setzten sich Reiter und Schützen Dampièrres in Krems (NÖ) in Boote und fuhren nach Wien.

In der Hofburg ging's wild zu, Gewalt drohte. Da erschienen Dampièrres Truppen, worauf sich die Lage beruhigte. Ferdinand gewährte beiden Regimentern bzw. deren Nachfolgeverbänden ewige Privilegien: Bis 1918 durften etwa die Kommandeure unangemeldet den Kaiser besuchen.

S. L. Allemand/austria-forum.org

Der Kommandant des Ulans hatte noch gefragt, ob man leicht seekrank werde. Wirklich: Als Grenadier sitzt man innen wie in einem Schiff bei schwerer See, man sieht nicht raus und weiß nicht, welche Bewegung, welcher Stoß als nächstes kommt. Und es ist seeehr laut.

"Uff!" ächzten auch Kollegen. Nun: Heinrich von Dampièrre ist schon im Oktober 1620 beim Versuch gefallen, das aufständische Pressburg (Bratislava) zu erobern. Die Verteidiger machten einen Ausfall, bekamen den Feldherrn zu fassen und köpften ihn.

Im Dunkel des Ulan sieht man bisweilen nur ein helles Licht von oben wie durch einen Tunnel strömen...

Und wenn der Fahrer richtig Gas gibt, die Bude zittert, das Gelände böse ist und alles hüpft und schwankt, ist's einfach nur so.

Danach erst mal eine pofeln.

Ja auch wieder schön aufs Gerät schauen...

...säubern, schmieren, Systemtests, die Kanone hübsch nachjustieren...

... sonst geht's wieder zu Fuß durch die Wüste! Hier der Link zu den Videos

U.S. Army/K. Russell

Es gibt im Bezirk Wiener Neustadt (NÖ), zwischen Felixdorf und Sollenau an der Südautobahn im Westen und Ebenfurth im Osten, eine gut neun Kilometer lange Landesstraße, die L159. Sie führt über weite Strecken fast kerzengerade und durch spröde, dunkle Wälder. Bisweilen ist's fast unheimlich.

VON WOLFGANG GREBER

Wir sind hier im lila Kreis auf der Karte. (ACHTUNG: Am Schluss der Show ist ein Link zu Videos)

Bing Maps/Screenshot

Es wirkt hier, nicht nur im Sommer, sehr steppenhaft und trocken. Die Gegend ist auch etwas abseits vom Schuss, doch mittendrin taucht plötzlich etwas auf.

Eine Kaserne. Benannt nach Feldmarschallleutnant Alfred Jansa (1884-1963). 1935-38 Generalstabschef, er schuf den Jansa-Plan gegen eine deutsche Invasion. Da wäre die Masse der Armee längs Traun und Enns aufmarschiert, mit vorgeschobenen Einheiten für Verzögerungskampf im Innviertel und in Salzburg.

Drinnen merkt man die neuzeitlich-österreichische Kasernenarchitektur und eine scheinbar entspannte Atmosphäre. Mir kam das im Bundesheer Ende der 1990er in Tirol (Landeck, Innsbruck) etwas anders vor. Aber egal.

Bisweilen taucht eine Marschformation mit schwarzen Baretten auf. Meines war grün, Infanterie, in Österreich auch "Jäger" genannt. Schwarz ist die Farbe einer etwas "härteren" Truppe.

Ja, die hat einen Speisesaal, der wie viele andere aussieht. Das Essen ist meist sehr okay. In der jüngeren Militärgeschichte hat Österreichs Heer den Ruf, überdurchschnittlich gut aufzukochen. Nur Wohlstandsverwahrloste und Nahrungsneurotiker jammern.

Nun aber geht ein Tor auf. Und es erscheint...

...ein Stahlkoloss. Ein Panzer. Genauer, ein Kampfschützenpanzer "Ulan". Der Boden vibriert und es ist nicht ganz erholungszentrumsgemäß still, denn das Ding wiegt 28 Tonnen und in ihm wummert ein 720-PS-Dieselmotor.

Ulanen waren mit Lanzen bewaffnete Reiter. Sie wurzelten im polnischen Militär des 15./16. Jhdts. mit Vorgängern bei Mongolen und Tataren. Bei letzteren und anderen Turkvölkern heißt Ulan soviel wie "tapferer Krieger" oder "junger Mann".

Auch Länder wie Preußen, Bayern, Sachsen, Frankreich und eben Österreich-Ungarn stellten Lanzenreitereinheiten auf. Bei Briten und Australiern hießen sie "Lancers". Und jetzt rollen in Österreich die Ulanen eben im Stahlgewand.

112 Ulans übernahm das Heer Anfang der 2000er von "Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeuge". In einem haben drei Crewmitglieder plus acht Infanteristen Platz. Die werden ins oder ans Gefechtsfeld geführt bzw. durchgeführt. An sich kämpfen Panzergrenadiere aber zu Fuß.

Die 30-mm-Maschinenkanone von Rheinmetall liefert bis auf zweieinhalb Kilometer wirksame, unter Umständen panzerbrechende Unterstützung. Munitionsvorrat: ca. 400 Schuss. Zudem gibt es ein MG sowie defensive Granatwerferbatterien mit Rauch- und Splittergeschossen. Panzergrenadiere operieren oft im Verein mit Kampfpanzern, um deren Geländegewinn zu sichern.

Die Ulans waren in den 1980ern von Steyr als Ersatz für die "Saurer"-Schützenpanzer entwickelt worden. Anfangs gab es Gespräche mit der Schweiz, Norwegen und Griechenland; 1988 ging man mit Spanien zusammen und schuf "ASCOD" (Austrian Spanish Cooperative Development): Eine Mehrzweck-Plattform, auf deren Basis etwa auch leichte Kampf-, Flak- und Granatwerferpanzer machbar sind.

1991 wurde ein Prototyp in Sevilla vorgestellt. Spanien kaufte 261 ASCODs unter dem Namen "Pizarro". Das spanische Partnerunternehmen "Santa Bárbara Sistemas" ist indes seit 2001 im Besitz des US-Konzerns "General Dynamics", Steyr-Spezialfahrzeuge ebenso, nämlich seit 2003.

In Österreich begann die Beschaffung 1999 und dauerte bis 2004/05. Dass an den komplexen Gefährten, die schon ob des Gewichts und der auftretenden Kräfte starker Abnutzung unterliegen, immer was zu machen ist, ist klar. Daher sind stets nur etwa 60 bis 85 Prozent in perfektem Zustand einsatzbereit, wobei das auch von der Art des Mangels abhängt: Nicht jeder, der im Frieden gerichtet gehört, etwa ein kaputtes Licht, behindert die Nutzbarkeit im Ernstfall.

Heute sind die 112 Ulans im wesentlichen den zwei Panzergrenadierbataillonen der 4. Panzergrenadierbrigade des Heeres ("Schwere Brigade") in OÖ und NÖ zugeteilt: dem Panzergrenadierbatallion 13 in Ried im Innkreis und dem PzGrenB35 in Großmittel/Felixdorf bei Wiener Neustadt. Bei letzterem hat sich die "Presse" umgeschaut.

Standorte der Schweren Brigade: die PzGren-Bataillone 13 und 35 (Ried im Innkreis, Großmittel), das Aufklärungs- und Artilleriebataillon 4 in Allentsteig und Horn, das Panzerbataillon 14 in Wels, das Panzer-Stabsbataillon 4 und das Brigadekommando am Fliegerhorst Vogler (Linz-Hörsching).

Bundesheer

Die Anlage Großmittel ist etwa 23 km2 groß, umfasst neben Kaserne und dem engeren Übungsgebiet (10 km2) einen auch von Firmen genutzten Schießplatz, die Heeresmunitionsanstalt Großmittel, Forschungseinrichtungen des Heeres, eine Zweigstelle des Entminungsdienstes des Innenministeriums. Rund 1000 Sprengungen von Blindgängern gibt es angeblich im Jahr.

Major Phillip Michel (*1979, Wiener) ist Vize und effektiv "Feldkommandant" des PzGrenB35. Kommandeur ist seit 2015 Oberstleutnant Reinhard Janko (*1973, NÖ, MilAk-Jahrgang 1996 "Wellington"). Major Michel (Jg. 2008 "Colloredo-Mansfeld", nach Hieronymus Colloredo-Mansfeld [1775-1822], österreichischer General in den Napoleonischen Kriegen) führt uns durch sein stählernes Reich.

Etwa zum Kanonensimulator. Das PzGrenB35 entstand in Großmittel 1957 als "Panzerschützen-Schulbataillon" und erhielt 1960 den heutigen Namen. Das Militärareal an sich wurde 1939 von der Wehrmacht unter anderem Namen auf dem Gelände eines Pulver- und Munitionsdepots ausgebaut.

Waffenschau inkl. MG, Panzerabwehrrohr - und mit Geräten zur "riot control", etwa Tränengaswerfer, Schlagstock, Schutzschild: Es wird auch für Einsätze in zivilen Unruheumfeldern ausgebildet. Auf dem Wappen steht "Dampièrre-Kürassiere" und "1619". Dazu später.

Zuletzt (Ende Frühjahr) dienten fünf Frauen im PzGrenB35, darunter auch diese junge Wienerin bei der Kampftruppe im engsten Sinne. Sie komme aus einem sportlichen Umfeld, sagt sie, und habe mit Burschen immer schon "besser gekonnt". 

Die Aktivstärke des Bataillons betrug laut Oberstleutnant Janko zuletzt 450 Mann, bzw. rund 700 im Fall der Mobilmachung. Unterteilt ist es in eine Stabskompanie und drei Kampfkompanien mit je 14 Ulans und vielen anderen Fahrzeugen.

Ausstieg in minenverseuchtem Gebiet. Die 1. Kompanie (Berufs- und Zeitsoldaten) übt für den Einsatz in einer "EU-Battlegroup" mit Deutschen und Beneluxern 2018. Die 2. Kompanie diente zuletzt zur Ausbildung von Grundwehrdienern und Unteroffizieren, die 3. (Grundwehrdiener) für den Assistenzeinsatz Migration (Grenzüberwachung) und zur Botschaftsbewachung in Wien.

Helme ausfassen für eine kleine Rundfahrt. Innen schaut der Ulan schon deutlich kleiner aus. Dürfte ungemütlich werden.

Der Ulan gilt als modernster Kampfschützenpanzer, er sei besser als der "Bradley" der Amerikaner, sagt Major Michel. Der Ulan hat aber noch kein echtes Gefecht gesehen. 

Und ab ins Gelände! Großmittel wird wegen des regionalen Klimas "Wüstengarnison" genannt. Es ist auffallend trocken und oft windig. Wolken regnen sich meist im Gebirge westlich davon ab, der Boden aus Sand und Schotter hält Wasser kaum zurück. Die ganze Region heißt "Steinfeld".

Und wie es staubt! Ein Zugskommandant soll einmal gesagt haben: "Willkommen in Großmittel: im Winter Schneesturm, im Sommer Sandsturm". Gras- und Buschland sowie die Föhren- und Kiefernwälder sind recht feuergefährdet. Obwohl Übungen mit scharfer Munition in der Regel anderswo abgehalten werden, gibt es ab und zu Wiesenbrände.

Rund 70 km/h wird der Panzer schnell, kann 2,30 Meter breite Gräben überschreiten, 1,20 m tiefe Wasser furten, über 95 cm hohe Mauern klettern. Er packt Steigungen von 75 Prozent und Querhänge von 40% Neigung und fährt mit einem Tank 400 bis 500 Kilometer weit.

Die Panzerung aus Verbundstahl schützt gegen Beschuss aus den meisten Infanteriewaffen und Artillerie-Naheinschläge, weniger indes gegen Panzerfäuste und Raketen. Stellenweise lassen sich Zusatzelemente aus Kompositmaterial (etwa Kevlar, Keramik) montieren. Reaktivpanzerung ist beim Ulan nicht vorhanden, beim Pizarro stellenweise schon.

Die ASCODs sind nicht auf Österreich und Spanien beschränkt: Thailand hat von General Dynamics 15 Stück als leichte Kampfpanzer mit 105-mm-Kanone geordert. Der große Klotz sind aber 589 ASCOD 2, die demnächst im Rahmen des "Ajax"-Programms in mehreren Varianten unter Namen wie Ajax, Ares und Athena an die Britische Armee gehen.

Das PzGrenB35 steht in einer komplizierten Traditionslinie, die unter anderem über das k.u.k. Böhmische Dragonerregiment "Graf Montecuccoli" Nr. 8 bis 1619 reicht, als in den Niederlanden und den habsburgischen Kernlanden 500 Mann als Gewehrschützen und Kürassiere (gepanzerte Reiter) angeheuert wurden und das Regiment "Dampièrre-Kürassiere" bildeten.

Dessen "Inhaber" war Heinrich Duval von Dampièrre (1580-1620), ein aus der Champagne stammender Feldmarschall in habsburgischen Diensten. Er hatte 1616 in Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain, Küstenland) schon ein Arquebusier- (Schützen-)Regiment seines Namens anwerben lassen.

Matthäus Merian/gemeinfrei

Als niederösterreichische Protestanten im Juni 1619 angesichts des Böhmischen Aufstands Erzherzog Ferdinand (ab August Kaiser Ferdinand II.) in Wien im Zuge der "Sturmpetition" zwingen wollten, mit den Böhmen Frieden zu schließen und die Protestanten zu dulden, setzten sich Reiter und Schützen Dampièrres in Krems (NÖ) in Boote und fuhren nach Wien.

In der Hofburg ging's wild zu, Gewalt drohte. Da erschienen Dampièrres Truppen, worauf sich die Lage beruhigte. Ferdinand gewährte beiden Regimentern bzw. deren Nachfolgeverbänden ewige Privilegien: Bis 1918 durften etwa die Kommandeure unangemeldet den Kaiser besuchen.

S. L. Allemand/austria-forum.org

Der Kommandant des Ulans hatte noch gefragt, ob man leicht seekrank werde. Wirklich: Als Grenadier sitzt man innen wie in einem Schiff bei schwerer See, man sieht nicht raus und weiß nicht, welche Bewegung, welcher Stoß als nächstes kommt. Und es ist seeehr laut.

"Uff!" ächzten auch Kollegen. Nun: Heinrich von Dampièrre ist schon im Oktober 1620 beim Versuch gefallen, das aufständische Pressburg (Bratislava) zu erobern. Die Verteidiger machten einen Ausfall, bekamen den Feldherrn zu fassen und köpften ihn.

Im Dunkel des Ulan sieht man bisweilen nur ein helles Licht von oben wie durch einen Tunnel strömen...

Und wenn der Fahrer richtig Gas gibt, die Bude zittert, das Gelände böse ist und alles hüpft und schwankt, ist's einfach nur so.

Danach erst mal eine pofeln.

Aber Achtung!

Ja auch wieder schön aufs Gerät schauen...

...säubern, schmieren, Systemtests, die Kanone hübsch nachjustieren...

... sonst geht's wieder zu Fuß durch die Wüste! Hier der Link zu den Videos

U.S. Army/K. Russell