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Zögerlicher Präsident: Barroso, der zu spät Gekommene

26.07.2012 | 20:16 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Zu lange hängte der Präsident der Kommission, José Manuel Barroso, in der Eurokrise sein Fähnchen nach dem Wind aus Berlin und Paris. Dabei behielt die EU-Behörde in wichtigen Fragen letztlich doch recht.

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Brüssel. Knapp vor 16 Uhr traf José Manuel Barroso am Donnerstag auf dem Athener Flughafen ein. „Sehr heiß“ sei es, klärte einer der zahlreichen Sprecher des Präsidenten der Europäischen Kommission über Twitter die interessierte Öffentlichkeit auf.
So ist es in der Tat. Noch nie war Griechenland derart nahe daran, die Eurozone verlassen zu müssen. Die US-Bank Citigroup meint, die Wahrscheinlichkeit eines solchen „Grexit“ in den kommenden zwölf bis 18 Monaten liege bei 90 Prozent. Hellas' Wirtschaft schrumpft seit fast einem halben Jahrzehnt, ein Aufschwung ist nicht in Sicht. Wer angesichts einer Arbeitslosenrate von bald 30 Prozent, der Wahltriumphe des linken Populisten Alexis Tsipras und des erstmaligen Einzugs der Neonazi-Partei „Chrysi Avgi“ ins Parlament gehofft hat, dass die politische Klasse des Balkanlandes den Ernst der Lage erkannt hat, wurde bisher enttäuscht.

Der Mann, der in fünf Sprachen nichts sagt

Mitten in diesem Schlamassel landet nun Kommissionspräsident Barroso. Und er landet mit reichlicher Verspätung: Zum letzten Mal war der Portugiese vor drei Jahren und zwei Monaten in Athen, seit Ausbruch der Krise kein einziges Mal. Nach einem Treffen mit Premier Samaras ließ er die erwarteten Durchhalteparolen verlauten: Die Kommission werde Griechenland die Treue halten, für Griechenland sei der Verbleib in der Eurozone das Beste, Athen müsse sich aber an die Verträge halten.


Wenn der Besuch eine PR-Aktion sein soll, um gleichzeitig europäische Solidarität wie die Wichtigkeit von Vertragstreue zu demonstrieren, ist sie misslungen. Barrosos Handeln wirkt nicht zum ersten Mal verspätet und zögerlich; seine Ankündigungen sind wortreich, doch immer öfter vergaloppiert er sich in seinen Reden, trifft nicht den richtigen Ton. Vor drei Wochen zum Beispiel, im nagelneuen Konferenzzentrum von Nikosia, das Zyperns Regierung anlässlich seiner sechsmonatigen EU-Präsidentschaft errichtet hat. Während Zypern seit mehr als einem Jahr nur dank eines Kredits der russischen Regierung vor dem Bankrott bewahrt wird und die Verhandlungen mit der Kommission über ein Hilfsprogramm Mal um Mal verzögert, verstieg sich Barroso zu der wirren Formulierung, die EU wolle „gemeinsam mit Zypern zu einem besseren Europa segeln“. Nicht von ungefähr kursiert in Brüssel der böse Spruch über den polyglotten Portugiesen, er sei einer, der auf fünf Sprachen nichts sage.
Es rächt sich, dass Barroso sich zu lange vom Wohlwollen der Regierungen Deutschlands und Frankreichs abhängig gemacht hat. Wer dachte, der frühere Regierungschef Portugals würde seine Anfang 2010 begonnene zweite Amtszeit mutiger angehen, wurde enttäuscht. Barroso streckt vor Berlin und Paris stets rasch die Waffen, wenn sich Streit anbahnte: in der Frage der Ausweisungen rumänischer Roma aus Frankreich ebenso wie nach dem starken Widerstand der deutschen Autohersteller gegen den Vorschlag für strengere Abgasvorschriften.

Verzweifelte Suche nach Volkes Zuspruch


Dabei liegt die Kommission gerade in den Fragen der Reform der Währungsunion und der Aufsicht über die Finanzmärkte oft punktgenau richtig. So schlug sie schon im Juni 2010 eine Verschärfung des Stabilitätspaktes vor. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy killten die Ideen bei ihrem berüchtigten Strandspaziergang von Deauville im Oktober 2010. Ein Jahr später trat die Reform als „Sixpack“ von sechs Reformgesetzen dennoch in der Ursprungsform in Kraft. Ebenso richtig lag und liegt die Kommission in der Frage der Bankenaufsicht und Einlagensicherung: Entsprechende Vorschläge liegen teils seit Jahren vor, werden aber von den nationalen Regierungen abgelehnt – noch.

Doch das alles nutzt Barroso nichts. Die Bürger Europas nehmen ihn kaum wahr, und wenn, dann ist ihre Meinung selten schmeichelhaft. Und so zerbricht man sich im Kabinett des Präsidenten die Köpfe über ein Leitmotiv, mit dem er im September im Europaparlament bei seiner Rede zur Lage der Union das Volk für sich einnehmen kann. „Wir geben Spaniens Banken 100 Milliarden Euro, aber was sehen die Menschen davon?“, grübelte neulich ein Mitarbeiter Barrosos. „Das ist viel zu technisch, viel zu kalt.“

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20 Kommentare

Wer hat den denn gewählt?

Außerdem, wer bezahlt bestimmt!
Und zahlen tun PIIGS nicht, nur kassieren. Aber wehe man macht Vorschläge, dann sind sie beleidigt.
Und da dieser Baroso aus Portugal stammt macht er da keine Ausnahme! Ich erinnere mich, dass er Zahlungen ohne jegliche Konditionen an PIIGS verlangt hat als es offensichtlich wurde, dass Portugal zu den "Schuldensündern" gehört!

Er hat keine demokratische Legitimation, ist höchstens ein Beamter, und sollte daher den Mund nicht zu voll nehmen, nach Beamtenrecht darf er das nämlich nicht!

Wahrheit

Warum werden hier Beiträge zensiert, die im Internet frei abrufbar sind und die im britischen Fernsehen von den Fox News ausgestrahlt wurden? Liegt es daran, dass jemand seine Meinung oder schlimmer noch, die Wahrheit sagt wie z.B. Nigel Farage:

http://www.youtube.com/watch?v=OuxfwPTZJYs

Gast: Hellboy
28.07.2012 10:19
1 0

eine reine Nullnummer der Typ...


Gast: Lukas
27.07.2012 18:40
1 0

es ist zu spät - laßt den Teuro sterben!

das ist die einzige Möglichkeit in Europa auch weiter Frieden zu haben. Die verantwortungslosen Politiker, allen voran Barroso, die sich an ihre eigenen Verträge nicht gehalten haben, haben den Euro eigenhändig zur Strecke gebracht. Mittels ESM helfen sie nur dem Geldadel, der Mittelstand und damit die wirtschaftliche Zukunft der Euroländer sind auf diese Art dem Untergang geweiht.

Gast: Warth
27.07.2012 16:48
2 0

Was soll das Herr Grimm?

Österreich und Deutschland soll das Geld genommen werden. In den Südstaaaten sind große Fehler in der Wirtschaftspolitik gemacht worden. Statt die Probleme zu lösen werden Forderungen an die "reichen" Staaten gestellt. Die Staaten lügen uns an. Es wird sich nichts ändern. Barroso sollte sich lieber das Innenleben der Staaten ansehen. Da wird ein Schuh daraus. Das hat er nicht getan.

Gast: hk1190
27.07.2012 13:26
1 0

Zu spät

Ob "er" zu spät kommt spielt keine Rolle. Europa ist - insbesondere bei Griechenland - zu spät dran. Um viele Jahre. Denn schon beim EU-Beitritt und nicht erst beim Euro-Beitritt mußte es den politisch Verantwortlichen klar sein, welche politische Kultur in diesem Land herrschte und weiterhin herrscht. Wie das wohl bei Kroatien, Mazedonien etc etc ist???
Die dzt. Amtsinhaber müssen sich mit dem Angerichteten nun plagen und da nützt eine Reise irgendwohin gar nichts. Der Wurzelmangel in der Union muß erst einmal beseitigt werden - und das ist wohl die Unkultur, die nun überall herrscht, nämlich, Verträge nicht mehr einzuhalten. Ausgerechnet die Politgrößten, denen diese Misere mit den Vertragsbrüchen zuzuordnen ist, bezeichnen Kritker gern als EU-Gegner. Wenn die Situation und das Verhalten der Verantwortlichen sich nicht radikal bessern, dann sehe ich mich sehr bald auch als EU-Gegner.

Gast: bärle
27.07.2012 11:50
3 0

Sinnlos

Der Typ ist sowas von sinnlos und unfähig. Kein Wunder, dass in Portugal aus dem eigenen Land "weggelobt" hat. Ein teuer bezahlter "Lusche", für dessen Unfähigkeit wir alle zahlen müssen. Er gehört vor ein Volksgericht.

Gast: Widleu09
27.07.2012 08:50
2 0

Barroso ...

Das ist doch derjenige, der in seiner Antrittsrede mal gesagt hat "I need more time"

Gebt sie ihm. Am besten dort, wo er keine Entscheidungen treffen muss.

6 0

unsinn

Es ist ein linksbureaukratischer sesselkleber . Ein Dolm der stolz verkuendigte es gaebe keinen Alternativplan zur Griechenlandstrategie. Ein Monster der Nomenklatura , ein Schaden,eine Last.

Re: unsinn

Sie sollten sicheinmal erklären lassen was links und rechts in der Politkist!

UNTERZEICHNEN

Bitte jetzt für eine Europäische Verfassung der Bürger und Bürgerinnen unterzeichnen:

http://www.avaaz.org/de/petition/For_a_European_Constitution_for_and_of_the_European_Citizens_Fur_eine_Europaische_Verfassung_der_Burger/

Antworten Gast: Auf gar keinen Fall!
27.07.2012 01:33
6 1

Ich bin für Einzelstaaten

und dafür, dass jeder Staat sein eigenes Geld hat – gegen die Industrie!

Wer sagt, das sei der Abgrund, lügt. Vorher ist es auch gegangen und war überall besser. Wer es bestreitet, ist selber schuld. Natürlich würden die Märkte versuchen, den Kampf auszuweiten, damit man als Rechtfertigung sagen kann, wir seien selber schuld, weil wir zurückgegangen sind in alte Zeiten. Und es würde funktionieren bei all der Dummheit. Käme aber ein Kluger auf, funktionierte das Gegenteil viel besser. Nur, dass es offensichtlich keine klugen Leute mehr gibt. Allein das unversteuerte Geld von 32 Bio. Dollar aufgeteilt auf alle Bürger ergäbe pro Kopf € 3755. Man stelle sich vor, dieses Geld in die Forschung für eine gerechte Verteilung von Lebensmitteln und Wasser zu stecken, wobei weitere hunderte Milliarden ausgeklammert blieben.

Antworten Antworten Gast: Auf gar keinen Fall!
27.07.2012 05:13
3 0

"… auf alle Erden-Bürger ergäbe pro Kopf € 3755 …"

"… wobei weitere hunderte Billionen …"

Allein das Vermögen der Roth… soll über einhundert Billionen US-Dollar ausmachen. Dagegen sind die Forbes-Listen-Führenden wie zum Beispiel Carlos Slim Helú und Bill Gates arme Schlucker.

Was hat Barosso für eine Qualifikation?...


....eija, er ist ein gescheiterter Politiker, der in der EU gut versorgt wird.

Da braucht man sich nicht wundern, dass dieser Eurokraten-Haufen den Bach runtergeht.

5 1

barosso

was soll man da noch sagen zu der flasche einmal zu spaet immer zu spaet!! man koennte meinen er ist absichtlich zu spaet gekommen

Der Baroso kann nichts dafür, dass das einzige Auswahlkriterium ...

für einen Nominierung als Kommissionspräsident die Passgenauigkeit in den kleinsten gemeinsamen Nenner an Persönlichkeit, Polithandwerk und Anständigkeit ist.

So wie das EU-Parlament vornehmlich als im jeweiligen Mitgliedsland ausgemusterte Mandatare, die Kommission aus politgemauschelte kleinste gemeinsame Nenner rekrutiert wird, sind die höchsten Repräsentanten eben aus dem Bad der Befindlichkeiten insbesondere der großen EU-Länder gezogen worden.

Ist doch ein Auswahlverfahren, das wirklich das Mittel- bis Mindermass fördert. Genau so funktioniert dann auch die EU.

Ich möchte einmal erleben, dass ein intellektueller Querkopf die Strukturen mehr aufrüttelt als einschläfert. Vielleicht im nächsten Leben aber sicher nicht im der bisherigen Parteienwelt am Ruder.

Antworten Gast: Vogel Strauss
26.07.2012 19:59
8 0

Re: Der Baroso kann nichts dafür, dass das einzige Auswahlkriterium ...

Der intellektuelle Querkopf kann höchstens gegen eine Wand rennen ... die die etablierten Politiker ihm aufstellen. Eine Hauptvoraussetzung für diesen Beruf ist ein gutes Sitzfleisch und wenig intellektuelle Vorbelastung. Sonst überlebt man die end- und sinnlosen Sitzungen nicht ...

Wer hat diesen Menschen gewählt?

Er sitzt seit gefühlten 100 Jahren in Brüssel, immer wieder hört man von ihm, machen tut er ohnehin nichts was dem Volk nützlich wäre und keiner hat ihn gewählt.
Allein der Wortlaut im Artikel von wegen das die Menschen von seiner Arbeit sehen und "eingenommen" werden sollen; Die Menschen haben selbst genug Arbeit und andere Sachen um die Ohren und wissen schon lange, dass die EU nichts bringt und schon gar nichts gibt, also was soll uns verkauft werden?

Re: Wer hat diesen Menschen gewählt?

Über diesen Kerl gibt es noch ganz andere Geschichten, wenn man ein Bisschen im Netz recherchiert.

Aber das darf ich hier nicht schreiben...

Gast: Defender
26.07.2012 19:02
10 0

Der Kerl ist

wie die ganze EU - kein Ziel, kein Plan, keine Zukunft.


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