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Töchterle: Ohne Zugangsregeln keine Koalition mit der SPÖ

23.08.2012 | 18:24 |  von Bernadette Bayrhammer und Christoph Schwarz (Die Presse)

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle will mit der SPÖ die Zahl der Studienplätze auf dem Ist-Stand festschreiben. Rektorenchef Heinrich Schmidinger fürchtet hingegen den GAU.

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Die Presse: Das Wissenschaftsministerium hat der Wirtschaftsuniversität aktiv vorgeschlagen, den Antrag auf Zugangsbeschränkung nach dem „Notfallparagrafen“ zu stellen. Wie groß muss Ihre Verzweiflung sein, wenn Sie zu solchen Mitteln greifen, um durch die Hintertüre Druck auf den Koalitionspartner SPÖ auszuüben?

Karlheinz Töchterle: Warum sollen wir eine Uni, die ein Problem hat, nicht auf einen Passus hinweisen, der das Problem lösen könnte? Ich weiß beim besten Willen nicht, was Sie daran eigenartig finden.

Wir finden eigenartig, dass der „Notfall“, den der Paragraf bekämpfen soll, nur besteht, weil sich die Koalition zu keiner Lösung durchringen kann.

Der Notfallparagraf ist, was sein Name sagt. Eine Notlösung. Aber mehr war mit der SPÖ damals nicht machbar. Ich habe zwar gelernt, dass der Minister für alles verantwortlich gemacht wird, was nicht funktioniert. Aber wir alle wissen, dass es die SPÖ ist, die sich traditionell gegen Zugangsregeln wehrt. Man kann natürlich sagen, dass die Regierung hier nichts zusammenbringt. Aber diesen Vorwurf muss man dann bitte an die Regierung adressieren – nicht nur an mich.

 

Sehen Sie das so? Dass die Regierung nichts zusammenbringt?

Ja, wir haben uns in diesem Punkt bisher nicht einigen können. Man muss aber dazu sagen, warum. Die ÖVP ist für Zugangsregeln, die SPÖ dagegen. Wobei jeder weiß, dass es gerade in den Massenfächern ohne nicht geht. Eigentlich ist es zu trivial, um es ständig zu argumentieren. Ich muss es trotzdem tun.

Das Thema scheint Ihrer Partei nicht wichtig genug zu sein, um es zu einer entscheidenden Bedingung für die Koalitionszusammenarbeit zu machen.

Man wird deswegen keine Neuwahl vom Zaun brechen. Dafür ist das Thema zu klein. Aber sollte ich einmal in Regierungsverhandlungen eingebunden sein, dann würde ich das festschreiben wollen.

Also Zugangsregeln oder keine Koalition mehr mit der SPÖ.

Sie spitzen es sehr, aber nicht unzutreffend zu.

 

Beim Europäischen Forum Alpbach ist das Thema Wissenschaft zentral. Ist es in der ÖVP noch nicht so wirklich angekommen?

Die ÖVP schätzt und stützt meine Arbeit. Aber Wissenschaft ist angesichts der Themenfülle nicht das zentralste Thema.

Zuletzt gab es Hoffnung, dass die SPÖ sich beim Uni-Zugang bewegt.

Sollten das Indizien sein, dass wir über diesen Berg kommen, freut es mich. Die SPÖ hat sich die Wanderschuhe angezogen. Losgegangen ist sie noch nicht.

Wie müsste ein Angebot an die SPÖ aussehen, das diese annehmen kann?

Wir verhandeln mit SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl. Die Gespräche laufen langsam, aber sie laufen. Kuntzl hat für Zugangsregeln eine gewisse Akzeptanz. Aber sie will, dass es nicht weniger Studienplätze gibt als bisher. Das ist für mich akzeptabel. Bei diesem Punkt treffen wir uns.

Sie wissen doch gar nicht, wie viele gut finanzierte Studienplätze wir haben.

Wir rechnen mit der Zahl der Studienanfänger.

 

Die Zahl der Erstsemestrigen, die eine Uni künftig aufnehmen muss, soll also der Zahl der Anmeldungen entsprechen, die es dieses Jahr gibt.

Wir verhandeln noch, ich gehe daher nicht ins Detail. Aber: Die Inskriptionen der vergangenen Jahre sind eine wichtige Bezugsgröße. Es kann sein, dass wir die Platzverteilung adaptieren. Dass also in manchen Studien Plätze an einer Uni reduziert, woanders aber ausgebaut werden. Einen Teil des Budgets erhalten die Unis dann entsprechend der Studierendenzahl.

Die Unis schaffen das mit den vorhandenen Mitteln im Hochschulbudget?

Ja. Durch die Hochschulmilliarde haben wir zusätzlich 750 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren. Es geht zudem um eine schrittweise Einführung.

 

Können Sie sich vorstellen, eine weitere Legislaturperiode lang Minister zu sein?

Ja. Wiewohl die Sehnsucht nach Tirol oft groß ist.

 

Würde Sie, wenn die ÖVP Sie fragt, das Amt des Tiroler Landeshauptmanns interessieren?

Die ÖVP wird mich nicht fragen.

Zu den Personen

Karlheinz Töchterle (63) ist seit April 2011 auf einem Ticket der ÖVP Wissenschaftsminister. Zuvor war er Rektor der Uni Innsbruck.
Heinrich Schmidinger
(58) ist seit 2001 Rektor der Uni Salzburg. Im Vorjahr wurde er zum Vorsitzenden der Universitätenkonferenz gewählt. Die Gespräche fanden beim Europäischen Forum Alpbach statt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2012)

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53 Kommentare
 
12
Gast: Bettelstudent
26.08.2012 09:39
0 0

Zugangsregeln "NEU":

Jede Bildungseinrichtung einer PArtei veegibt die Studienplätze entsprechend ihrere Stärke nach der letzten Wahl.
Hier stellt sich die Frage ob dann nicht gleich die Bildungseinrichtungen der Parteien zu Universitäten werden? Prinzipiell fördert das ein politisches Engagement, dem wichtigsten Bildungsziel unserer Tage.

Visionen

Warum rege ich mich über BM Töchterle ständig auf ? Vielleicht hab ich grosse Hoffnungen in ihn gesetzt, die er in keiner Art und Weise erfüllt hat, oder musste ich als Funktionär der Hochschullehrergewerkschaft erfahren, dass er vom UG2002 wenig Ahnung hat - aber letztendlich ist es das völlige Fehlen von Visionen in seiner Herangehensweise an das Thema "Zukunft der Universitäten". Studiengebühren sind keine Vision - Überlegungen zur Regelung des Universitätszugangs schon - nur das hat er seinen Lieblingsfeinden vom der SPÖ überlassen.

Antworten Gast: Karlson
26.08.2012 11:05
2 0

Re: Visionen

Ja, damals als Rektor an der Uni Innsbruck, das waren noch Zeiten!

Re: Re: Visionen

das war ja der Fehler, dass Aussenstehende dachten der Mann ist gut - erst später ist man dahinter gekommen, was er alles dort "verbockt" hat - z.B. Dinge versprochen, die er vom Gesetzt her nie und nimmer halten konnte. Dass er einen Mittelbauer als Vizerektor für Personalangekegenheiten eingesetzt hat stand auf seiner Positivseite

Antworten Antworten Antworten Gast: Verbocker
26.08.2012 14:42
3 0

Re: Re: Re: Visionen

Der "Mittelbauler" auf der Positivliste? Das sieht man in Innsbruck anders. Nur weil jemand Mittelbauler ist, ist er noch lange nicht "gut" bzw. für den Job geeignet. Es kommt noch dazu, dass er nicht habilitiert ist. Bitte, mich nicht falsch zu verstehen: Das allein macht ihn gewiss nicht schlecht, aber verwundbar gegenüber autoritären Kräften, für die akademischer Status alles ist.
Und dann kann sich ein einst konsequenter Mittelbauvertreter rasch ins Gegenteil verwandeln...

Re: Re: Re: Re: Visionen

geb ich zu - diese Tatsache hab ich positiver gesehen, als sich das dann später in der universitären Realität zeigte.

Aber provokant gefragt - kann ein Alt-Philologe visionäre Gedanken haben. Ist Töchterle's wissenschaftliches Arbeitsgebiet für die Entwicklung von Neuem nicht schon ein Widerspruch

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Progressiver Altkonservativer
26.08.2012 20:36
2 0

Re: Re: Re: Re: Re: Visionen

Das würde ich überhaupt nicht ausschließen. Es ist doch vielmehr so, dass gerade die Juristen an den Universitäten (an bestimmten Universitäten), die doch von der beruflichen Materie her nur in der Gegenwart leben, die beharrendsten, oft die rückschrittlichsten, um nicht zu sagen die reaktionärsten Kräfte sind.

Zu Töchterle: Er hat das Rektoratsamt in Innsbruck in einer sehr schwierigen Zeit übernommen. Da war "Nichthandeln" geradezu eine notwendige liberale Gegenreaktion. Natürlich ist das kein Patentrezept für dauerhaften Erfolg.
So ist es in der Politik: Charaktereigenschaften, die heute wertvoll und richtig sind, sind es in einer veränderten Konstellation nicht mehr. Und die Konstellationen ändern sich in der Politik dauernd.

"Also Zugangsregeln oder keine Koalition mehr mit der SPÖ."

An der Uni Innsbruck konnte Töchterle vielleicht noch wie ein Monarch regieren, aber in einer Koalition muss man bereit sein, Kompromisse einzugehen. So Fragen wie Studiengebühren oder Zugangsbeschränkungen wird man nun mal nicht mit einem einfachen ja oder nein beantworten können.

Antworten Gast: Wissili
27.08.2012 08:03
2 0

Re: "Also Zugangsregeln oder keine Koalition mehr mit der SPÖ."

Sie sprechen den wunden Punkt an. Genau aus diesem Grund muss Töchterle seine Politik radikal ändern, wenn er nicht völlig scheitern will. Aber wahrscheinlich ist es ohnehin schon zu spät. Er hat seine Chance gehabt und sie vertan.

Gast: Gastttt
24.08.2012 22:39
6 0

Nicht vergessen: Es gibt schon eine Zugangsbeschränkung,

und die nennt sich Matura. Wenn die zu leicht ist, gehört zuerst da dran geschraubt und nirgendwo sonst.

Re: Nicht vergessen: Es gibt schon eine Zugangsbeschränkung,

Den deutschen Studenten wird es ziemlich egal sein wie schwer die österreichische Matura ist.

Antworten Gast: Barrier
25.08.2012 07:29
5 0

Re: Nicht vergessen: Es gibt schon eine Zugangsbeschränkung,

Sehr richtig! Und Töchterle sollte sich in erster Linie um das Qualitätsproblem an den Universitäten kümmern. Genügen denn die dramatischen Ergebnisse der letzten Rankings nicht, um endlich eine Universitätsreform anzugehen?

Gast: JOSEF HALLER
24.08.2012 13:29
7 1

Vergleich TU Wien mit TU München und EHT Zürich

Das Wissenschaftsbudget ist eine Schande

Für die TH München stellt der Bund bei vergleichbaren Studentenzahlen das doppelte (!!) Budget zur Verfügung, in der Schweiz zahlt der Bund für die EHT Zürich sogar das 4fache Budget (!!!).
Das weiß der herr Töchterle und die gesamte Regierung natürlich und verschweigen es.

Aber für die Griechen haben wir gleich Milliarden zum Verprassen.

So wird die österreichische Wertschöpfung immer schlechter und die Steuern immer höher.

5 1

hochgradiger Schwachsinn

Ja, es gibt sie die Bildungsexplosion!
Viele Maturanten können heute kaum noch richtig schreiben! Das Niveau der Handelsschüler von anno dazumal war diesbezüglich weit höher!
Nahezu jeder zweite junge Mensch hat heute eine Reifeprüfung abgelegt. Zu meiner Zeit war es nur jeder zehnte. Bei zwei Beistrichfehlern war früher die Maturaarbeit bereits nicht genügend!
Akademiker gibt es heute wie Mücken im Sommer (viele davon haben Philosophie studiert, was dem Staat wenig bzw. kaum Nutzen bringt). Damit nicht jeder Hausmeister als Magister angesprochen wird, wurde offensichtlich als Tarnung der MA eingeführt!
Es wäre doch hoch an der Zeit, diese schwachsinnige Bildungsexplosion zu stoppen und das Budget (Steuermittel) ausschließlich für Forschungszwecke zu verwenden (Medizin, Naturwissenschaften).

Re: hochgradiger Schwachsinn

bin ihrer meinung.es ist nicht einzusehen,daß studien mit einer sehr geringen berufsaussicht vom staat finanziert werden.wenn absolventen in ihrem fach keinen job finden sind sie frustriert und zusätzlich müssen sie umgeschult werden,was wieder geld kostet.was wir brauchen sind techniker und facharbeiter.

Re: hochgradiger Schwachsinn

österreich hat eine der geringsten Akademikerquoten in der gesamten EU

Antworten Antworten Gast: pol Beobachterin
26.08.2012 09:32
1 0

Re: Re: Österr. Akademikerquote gering,

weil eine ganze Anzahl an Berufen in Österreich nicht den akadem. Berufen zugerechet wird, im Ausland aber wohl.
(zB im med.techn. Bereich.)

Re: hochgradiger Schwachsinn

hallo @delta
Dein Posting ist endlich einmal sehr real!
Kann mir auch gut vorstellen (bitte, habe nichts gegen den ehrwürdigen Beruf der Hausmeister),
dass zukünftig viele Hausmeister (Jargon: Hausmasta) mit Master (Masta) angesprochen werden. Eine verrückte Zeit in der wir leben! Wer bezahlt diesen Unsinn?

Antworten Gast: asu
24.08.2012 13:28
1 4

stoppen und das Budget (Steuermittel) ausschließlich für Forschungszwecke zu verwenden (Medizin, Naturwissenschaften)....

...und die akademiker für diese forschungen aus dem ausland holen?!

ob es besser ist, dass nur jeder 10. schüler die matura schafft, bezweifle ich doch stark.
das matura nivea war bei mir damals nicht so schlecht (2009), aber von den fast 50 schülern die in den 5 jahren in meiner klasse waren haben 12 andere mit mir maturiert (also bei weitem keine 50%)

Re: stoppen und das Budget (Steuermittel) ausschließlich für Forschungszwecke zu verwenden (Medizin, Naturwissenschaften)....

hallo @asu
Bei nivea meinten sie wohl niveau!
Das andere können sie sich ins Gesicht schmieren!

Antworten Antworten Antworten Gast: morten
24.08.2012 14:43
0 2

Re: Re: stoppen und das Budget (Steuermittel) ausschließlich für Forschungszwecke zu verwenden (Medizin, Naturwissenschaften)....

um eine sachliche diskussion geht es Ihnen offenbar nicht

Antworten Antworten Antworten Gast: asu
24.08.2012 14:31
0 1

Re: Re: stoppen und das Budget (Steuermittel) ausschließlich für Forschungszwecke zu verwenden (Medizin, Naturwissenschaften)....

Sie akzeptieren wohl die Erfahrungen anderer nicht?!
ich habe mal einen blick auf statistik austria.at geworfen.

2011 sind 8,3% aller schüler aus schulen ausgetreten
1995 waren es 13,6%

ich weiß ja nicht wann Sie zur schule gegangen sind, oder woher Sie Ihre Zahlen haben, das scheint mir jedoch eine sehr subjektive Meinung zu sein.
ich hätte da gerne eine quelle zu Ihren behauptungen.

ps: ja, ich meine niveau... und ja ich weiß dass man das auch groß schreibt

Gast: JOSEF HALLER
24.08.2012 12:49
2 2

Das Wissenschaftsbudget ist eine Schande

Für die TH München stellt der Bund bei vergleichbaren Studentenzahlen das doppelte (!!) Budget zur Verfügung, in der Schweiz zahlt der Bund für die EHT Zürich sogar das 4fache Budget (!!!).
Das weiß der herr Töchterle und die gesamte Regierung natürlich und verschweigen es.

Aber für die Griechen haben wir gleich Milliarden zum Verprassen.

So wird die österreichische Wertschöpfung immer schlechter und die Steuern immer höher.

Antworten Gast: Hermann vom Gipfel
24.08.2012 13:14
5 2

Re: Das Wissenschaftsbudget ist eine Schande

Richtig. Es sind Leute wie der Töchterle, die nichts erreichen werden und glauben wissenschaftliche Innovationskraft erhöht sich mit Zugangsbeschränkungen , obwohl nachgewiesenermaßen das Gegenteil der Fall ist.

Töchterle will die Universitäten und den guten Ruf der österreichischen Universitäten ruinieren. Er kann sich nur halten, weil im Korruptionssystem der ÖVP alle Rektoren blind nach seiner Pfeife tanzen müssen. Ein Armutszeugnis für die Universitäten. Die Basis sind vermutlich schon wieder irgendwelche Korruptionsaffären, die noch nicht ans Tageslicht gelangt sind.

Gast: Rating Agent 007
24.08.2012 10:33
7 5

Die ÖVP hat mit Wissenschaft nichts gemeinsam.

Sie ist eine Partei der KorruptionärInnen. Wie so jemand Minister werden konnte sagt eigentlich eh schon alles.

Antworten Gast: Hermann vom Gipfel
24.08.2012 13:15
4 0

Re: Die ÖVP hat mit Wissenschaft nichts gemeinsam.

Die ÖVP ist eine Lobby von Korruptionären, die sich aus Bauern und Ausbeutern zusammenrotten.

 
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