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Israels Sicherheitskräfte räumen illegalen Siedlervorposten

02.09.2012 | 18:23 |  Von unserer Korrespondentin SUSANNE KNAUL (Die Presse)

Die Bewohner der jüdischen Siedlung Migron müssen ihre Häuser verlassen. Weil die 50 Häuser von Migron nämlich auf privatem Land stehen, sollen sie abgerissen werden.

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Jerusalem/Migron. Es gab zunächst kaum Widerstand. Nur einige Siedler hatten sich auf Hausdächern oder in Gebäuden verschanzt und mussten weggeschleppt werden. Israels Sicherheitskräfte begannen am Sonntag damit, den Siedlervorposten in Migron nahe der Stadt Ramallah im Westjordanland zu räumen. Migron ist einer der größten sogenannten Vorposten, die von Israels Regierung nie legalisiert worden sind, und hätte laut der 2003 mit der „Palästinensischen Befreiungsorganisation“ PLO unterzeichneten „Roadmap“ längst abgerissen werden müssen.

Israel ist den Verpflichtungen nie nachgekommen, doch im Jänner 2011 entschied ein Gericht im Sinne der israelischen Friedensbewegung „Peace now“ und palästinensischer Grundbesitzer, die Klage eingereicht hatten. Weil die 50 Häuser von Migron nämlich auf privatem Land stehen, sollen sie abgerissen werden. Vor einigen Tagen hatte Israels Oberster Gerichtshof einen letzten Einspruch von Siedlern abgewiesen.

 

„Land gehört dem Volk Israel“

Für Aviela Deitsch hat das keinen Sinn. Die 40-Jährige, die erst vor ein paar Jahren aus den USA eingewandert ist und sechs Kinder in Migron aufzog, trägt ein buntes Kopftuch. Sie zählt sich, wie alle in Migron, zum national-religiösen Lager. „Das Land Israel gehört dem Volk Israel“, ist ihre Devise. Völlig unverständlich ist für sie deshalb das Gerichtsurteil, das das Land den beiden palästinensischen Dörfern Burka und Deir Dibwan zuspricht.

Israels Regierung sorgt dafür, dass niemand aus der geräumten Siedlung obdachlos wird. Etwa einen Kilometer südlich von Migron legen palästinensische Arbeiter letzte Hand an die Fertigteilhäuser an, in die die Siedler umziehen sollen. Givat HaJekew heißt das neue Viertel, das an die „legale Siedlung“ Psagot grenzt.

Ganz so idyllisch wie in dem auf einem Hügel gelegenen Migron ist es hier unten nicht. Die Häuser stehen enger beieinander. Für die Siedler heißt es Abschied nehmen von ihren grünen Vorgärten und den Ziegen im Kinderzoo.

Der Schrecken von Amona, einem „Vorposten“, der vor sechs Jahren geräumt wurde, ist allen hier noch lebhaft in Erinnerung. 4000Siedler waren damals angereist, um den Abriss von ganzen neun Häusern zu verhindern. Bei heftigen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften gab es zahlreiche Verletzte.

Die Menschen aus Migron hatten schon vor der Räumung versprochen, sich mehr oder weniger friedlich von den Sicherheitskräften aus ihren Häusern holen zu lassen. Dabei hatten radikalere Siedler zuletzt versucht, die Bewohner des Außenpostens aufzuhetzen. „Ihr müsst euch tapfer zur Wehr setzen“, riet Dov Lior, Chefrabbiner in Hebron und Kirjat Arba. „Dieser Ort gehört keinem Effendi“, polemisierte er und sprach dem Gericht, „das sein Urteil nicht auf die Thora stützt“, jede Zuständigkeit ab. Rabbi Eliakim Levanon, Bezirksrabbiner für Samaria drohte gar: „Wer die Hand gegen Migron erhebt, dem soll die Hand abgeschlagen werden.“

 

Nachbarsiedlung wird ausgebaut

Unter dem Strich ist der Handel zwischen Siedlern und Regierung gar kein so schlechtes Geschäft für das rechte Lager: Zusätzlich zu dem Neubauviertel in Givat HaJekew versprach Premier Benjamin Netanjahu neue Häuser in der benachbarten Siedlung Adam. „Das Baugelände östlich von Adam ist das größte im Westjordanland“, meint Dror Etkes, einst Initiator der Abteilung „Settlement watch“ von „Peace now“. Seit Jahren dokumentiert er illegalen Siedlungsbau im Westjordanland. Die Verlegung der Siedler von Migron zum Givat HaJekew bezeichnet er als einen „Witz“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2012)

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