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Verbund: Zurück an den Start

02.09.2012 | 18:25 |  von Matthias Auer und Jakob Zirm (Die Presse)

Österreichs größter Stromkonzern "Verbund" steht vor dem Ende seiner missglückten Expansion ins Ausland. Künftig konzentriert er sich wieder auf das, was er kann - Wasserkraft im Inland.

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Wien. Am 17.September wird der Prunksaal des Rogner Hotels in Tirana gut gefüllt sein. Der heimische Stromkonzern Verbund wird an diesem Tag die Eröffnung des Wasserkraftwerks im albanischen Ashta feiern. Tags darauf kommen auch der albanische Präsident Sali Berisha und die österreichische Nationalratspräsidentin Barbara Prammer an den Drin-Fluss, um das Kraftwerk zu bewundern.

Doch eigentlich ist das nicht gerade der ideale Moment, um das Auslandsengagement des Konzerns in die Auslage zu hängen. Denn zu dieser Zeit kommt auch ein Geschäft in die heiße Phase, das den Anfang vom Ende des Abenteuers Ausland für den Verbund bedeuten könnte.

Schon seit Längerem verhandelt Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber mit dem deutschen Energiekonzern E.On über den Verkauf des Verbund-Anteils am türkischen Joint Venture Enerjisa – „Die Presse“ berichtete. Im Gegenzug sollen die Deutschen Inn-Kraftwerke an den Verbund abgeben. Wenn nicht in letzter Minute etwas passiert, sollten die Verträge Ende September unterschriftsreif sein. Damit würde sich der Verbund von seinem großen Hoffnungsmarkt im Ausland trennen. Denn die Beteiligung in Frankreich wurde zu großen Teilen bereits wieder abgegeben, und auch das Engagement in Italien steht seit Längerem auf der Abschussliste.

 

Kapitalmarkt sieht das positiv

Der Verbund würde sich nach dem Rückzug in den Heimmarkt wieder auf das konzentrieren, was er kann: Wasserkraft im Inland. Ein Schritt, der auch auf dem Kapitalmarkt positiv beurteilt wird. Allerdings bedeutet eine Beendigung der Auslandsengagements auch, dass der Stromkonzern wieder dort stünde, wo er vor rund 15Jahren war. Und er muss froh sein, wenn er nicht mit allzu großen finanziellen Blessuren nach Hause zurückkehrt.

„Wir investieren nur dort, wo es sich rechnet“, sagte der ehemalige Verbund-Chef Hans Haider vor zehn Jahren, als die Expansion des Verbund ins Ausland noch am Anfang stand. Zuerst steckten die Österreicher ihr Geld in das italienische Joint Venture Energia, die 1999 unbenannte heutige Sorgenia. Anfangs brachte dieses Engagement gute Gewinne, weshalb der Einstieg in Frankreich (Poweo) und schlussendlich in der Türkei vollzogen wurde.

Doch seit einiger Zeit läuft das Geschäft im Ausland nicht mehr rund. Frankreich sorgte im Halbjahr für 34,1Mio. Euro Miese, Italiens Sorgenia drückte mit 30,5Mio. auf die Bilanz. Die Türkei brachte zwar wieder ein Plus von 12,2Mio. Euro, im Vorjahr musste jedoch noch ein Verlust von 47,3Mio. Euro hingenommen werden.

Zieht Anzengruber nun also die Reißleine? Am diesjährigen Europäischen Forum in Alpbach war der Manager redselig wie eh und je. Nur als die Rede auf die Türkei kam, wurde er wortkarg. Offiziell will der Konzern „sommerliche Marktgerüchte“ nicht kommentieren – aber auch nicht dementieren.

Doch warum ist das Abenteuer Ausland für den teilstaatlichen Verbund eigentlich schiefgelaufen? Und wer trägt die Verantwortung? Ein Problem zieht sich durch alle drei Auslandsbeteiligungen: Der Verbund hat überall stark auf Gaskraftwerke gebaut. Das Management habe dadurch nur auf eine Karte gesetzt, heißt es aus dem Unternehmen.

Unter den gegenwärtigen Bedingungen sind die Gaskraftwerke jedoch nicht rentabel (dies gilt auch für das neu errichtete Kraftwerk im steirischen Mellach). Der Strompreis ist seit der Krise im Keller. Gleichzeitig hat der Verbund Gaslieferverträge abgeschlossen, die sogenannte „Take or Pay“-Klauseln beinhalten. Der Stromkonzern muss also eine bestimmte Menge Gas kaufen, egal ob er es braucht oder nicht. Da der in diesen Verträgen festgelegte Gaspreis aufgrund der Ölpreisbindung zudem sehr hoch ist, verliert der Verbund mit jeder produzierten Kilowattstunde Strom bares Geld.

Doch auch abseits des operativen Geschäfts agierte der Verbund nicht immer ganz glücklich, unken Analysten. In Frankreich wartete der Konzern jahrelang vergebens auf die Liberalisierung des Strommarktes. In der Türkei wiederum „vergaß“ der Verbund im Vorjahr einfach, sich ausreichend gegen Währungsverluste in der Türkei abzusichern – und stieg mit einem Minus von Millionen aus.

Einige der Probleme – etwa die Grundsatzentscheidung für den Einstieg im Ausland – hat Anzengruber von seinen Vorgängern geerbt. Doch auch unter seiner Führung wurden noch neue Kraftwerke gebaut und Gasverträge abgeschlossen. Und die mangelnde Währungsabsicherung fiel ganz in seine Verantwortung.

 

Abschreibungen drohen

Entscheidet sich der Verbund nun für den Rückzug auf den Heimmarkt, dürfte es noch einmal teuer werden. Die türkische Enerjisa könnte zwar mit einem kleinen Plus abgegeben werden. Und auch in Frankreich stehen die beiden verbliebenen Gaskraftwerke bereits mit null in den Büchern – hier mussten bereits Verluste von fast einer halben Mrd. Euro hingenommen werden.

Allerdings könnte die Beteiligung in Italien noch ein tiefes Loch in die Bilanz reißen, sind sich Beobachter einig. Die Tochter Sorgenia steht mit 700Mio. Euro in den Büchern und macht keinen Gewinn. Wenn ein Käufer gefunden wird, dürfte dieser deutlich weniger zahlen wollen. Dann stünde dem Verbund eine weitere Abschreibung in dreistelliger Millionenhöhe ins Haus.

Auf einen Blick

Strategiewechsel beim Verbund. Der heimische Stromkonzern bereitet den Rückzug aus dem Ausland vor. Die Beteiligung in der Türkei steht vor dem Verkauf, auch die verlustreichen Töchter in Italien und Frankreich würde im Verbund niemand vermissen. Viele Baustellen hat Verbund-Chef Anzengruber geerbt. Unschuldig an der gescheiterten Internationalisierung des Staatskonzerns ist er aber nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2012)

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12 Kommentare
Gast: Franz Huber
04.09.2012 19:02
1 0

Warum ist die Presse so milde ?

das wir es mit einem durch und durch korrupten Management zu tun haben ist ja jedermann klar, man braucht ja nicht zu glauben, dass alle diese schwachsinnigen Auslandsbeteiligungen gemacht wurden weil sie so wirtschaftlich interessant waren, die Frage ist zu stellen, wieviel ist in die diversen Parteikassen oder an die beteiligten Personen geflossen ? Warum kauft die Verbund jetzt einen Windpark in Deutschland und hat ueber den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart - eine Unverschaemtheit fuer eine oeffentliche Aktiengesellschaft, noch dazu da man weiss und es Branchenbekannt ist, dass sich diese Windparks langfristg kaum rechnen und enorme Provisionen bei den Verkaeufen gezahlt werden. Es ist zu hoffen, das es bei der Presse langsam zu einen Umdenken kommt und man beginnt die Dinge beim Namen zu nennen, und man seinen journalistischen Aufgaben gerecht wird, auch wenn man das eine oder andere Inserat dann nicht bekommt.

Gast: Hubertus
03.09.2012 22:05
1 0

Ich sehe das anders

Mit seinen weitgehend abgeschriebenen Donaukraftwerken wäre der Verbund für seine Aktionäre eine Geldmaschine. Oder die enormen Gewinne hätten in Form von Preissenkungen an seine Kunden in Österreich weitergegeben werden können und volkswirtschaftliche Multiplikatoreffekte ausgelöst. Nun, die jeweiligen Vorstände des Verbund haben mit Zustimmung der ÖIAG (mit Michaelis an der Spitze und Willy Molterer als Finanzminister) beschlossen dieses Geld durch Fehlinvestitionen im Ausland zu vernichten.Wenn das keine Empfehlung für den Weiterbestand der ÖIAG ist. Dafür gebührt diesen Vorständen ein Bonus. Sie haben beschlossen: Warum einfach (dh hohe Gewinne erzielen), wenn es kompliziert auch geht(Geld im Ausland vernichten). Es ist nicht leicht mit so einer geborenen cash cow solche mickrigen Ergebnisse zu erzielen. Simple Inkompetenz reicht dafür nicht aus. Dazu bedarf es besonderer Fähigkeiten. Diese Managementtechniken kann man natürlich nicht im Wirtschaftsleben erwerben. Dazu ist eigentlich der Besuch von Parteihochschulen erforderlich. Ein
anschauliches Beispiel bietet der nunmehrige GD der ÖBB, Kern, der seine Managementtechniken im Verbund vervollkommnet hat. Er kann daher auch für die ÖBB keinen Schaden erkennen, wenn zB früher das Bundeskanzleramt Werbung in genehmen Printmedien für Rechnung der ÖBB geordert und erst danach den Vorstand der ÖBB , der eigentlich für die Geschäftsführung des Unternehmens ermächtigt ist ,davon in Kenntnis gesetzt hat.

Gast: DatenverarbeiterWie
03.09.2012 16:21
1 0

Staatsunternehmen stehen Österreich in der Pflicht und haben im Ausland gar nichts verloren!

Beim Verbund haben die Parteibonzen viel mehr als 1 Mrd. Euro in den Sand gesetzt. Das waren Gelder der Österreicher, welche die Parteibonzen im Ausland verwirtschaftet haben. Die Verantwortlichen sind dafür zur Verantwortung, auch zur Schadenswiedergutmachung, heranzuziehen.
 
Das Gleiche gilt natürlich auch für die Versager bei der EVN, bei der Hypo Tirol, der HGAA, der Telekom Austria, der ÖBB (MAV Cargo vom korrupten Inseratenkanzler), dem ORF u.v.m.
 
Die Österreichischen Parteibonzen, egal auf welchem Amterl- oder Posterl, die können die Verantwortung auch nicht im Ansatz begreifen. Diese kranken Typen spielen mit dem Geld (=der Leistung!) der Österreicher Kapitalisten!?
 
Der Wahnsinn ging soweit, dass die Stadt Wien zum Verwirtschaften eine "staatliche Privatstiftung!?! gegründet hat.
 
Bei der Hypo Tirol musste die Bank schon 2x vom den Zahler von Zwangsabgaben gerettet werden und Keiner der Grausiger sitzt ein!
 
Wenn diese kranken Planwirtschafter beim Kapitalistenspiel dann scheitern, dann haben diese kranken Typen selber schon voll abkassiert (teilweise eine schöne Pensi oder Ruhegenuss) der Schaden bleibt aber bei den anderen Österreichern, den Steuerzahlern und den zukünftigen Steuerzahlern. Das kann doch unmöglich Recht sein, wenn die Typen
Volksvermögen verschleudern.

genauso wie Wien Energie

die haben in osteuropa auch millionen in den sand gesetzt!

interessant wäre, ob zwischen den beiden debakeln irgendein zusammenhang besteht!

1 0

60000 Euro Jahresgage

Naja, für 60 000 Euro Vorstandsgage kann man nicht mehr erwarten. Wie war das?: wer peanuts zahlt bekommt apes!!!

Dake an die Herren Politiker in den Aufsichtsräten die den unfähigenb Günstlingen solch Gagen in den Rachen stecken. 60000 Euro verdient im Schnitt ein Verbund Vorstand!! Ein Wahnsinn. Nachzulesen im Geschäftssbericht 2011!!!

Danke!

Haben wir ein Glück

das einem der Politmanager dort nicht auch noch eingefallen ist: "wie gehen nach China".

Gast: Frag an alle
03.09.2012 06:34
5 0

War nicht der ÖBB Wunderwuzi Kern damals für das Auslandageschäft zuständig?


Antworten Gast: ÖBBLER
03.09.2012 17:34
0 0

Re: War nicht der ÖBB Wunderwuzi Kern damals für das Auslandageschäft zuständig?

Schwingt hier etwa unterschwellig leichte
Kritik mit dem äußerst erfolgreichen Topmanager/Sanierer Hr. GD Kern mit ?
Dies würde dann wohl auch den zweiten
Experten Hr. VD Erik Rekter treffen.
Lesen Sie bitte die Presseaussendungen -
RCA war ein Sanierungsfall und hätte beinahe den gesamten ÖBB-Konzern in die Insolvenz geführt.
Ausschließlich auf Grund des nahezu übermenschlichen Kraft-/managmentaktes der beiden Herren konnte dies gerade noch verhindert werden.
Für den Verbund dürften die beiden Topmanager nicht ganz so erfolgreich gearbeitet haben - Sie haben Recht die beiden Herren waren von ca. 2007 bis ca. 2010 wesentliche Entscheidungsträger bei den Auslandsengagements Poweo (=Frankreich) bzw. Baskent Elektrik (=Türkei)

juhuuu

endlich wird Gas & Strom wieder teurer!
Danke, danke, danke, danke.......

Gast: Halbwissen
02.09.2012 22:20
2 0

Ist halt schwer ohne schützende Hand !

Anders audgedrückt, die Protektionskinder sind einfach nur Wappler die in der freien Welt nichts auf die Reihe bekommen.


Gast: Wosaman
02.09.2012 20:34
6 0

Potential

Obwohl es in Österreich noch viel ungenutztes Wasserkraftpotential gibt, konzentriert man sich auf sinnlose Projekte in Entwicklungsländern mit absoluter Rechtsunsicherheit.

Daneben investiert man in Frankreich, das mit Atomenergie bestens versorgt ist. Und dann baut man trotz der Versorgungslage noch ein Mega-Gaskraftwerk.

Der Verbund ist wie alle Staatsunternehmen. Ein Privilegienstadl mit Versorgungsposten für absolute Nieten. Management by Jeans: an jeder Stelle eine Niete.

Wurscht. Der österreichische Konsument wird's schon zahlen. Wie üblich.

inkontinenz der inkompetenz

ahnungslose deppen, die ohne wissen und kenntnis aus politischen gründen und kalkül in positionen gehoben werden.

wien energie, verbund, tiwag, etstag, bewag und EVN verblasen im ausland in summe wohl so gute 3.000.000.000 euro.
3 milliarden!

bei in etwa 3mio haushalten, die für den verlusts über höhere preise aufkommen und bereits aufkamen, hätten wir uns entsprechend ca 1.000 euro sparen können!

noch fragen?

unfreundlichst, ihr
eco


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