Es war nicht das 200-Meter-Finale, wie es sich Südafrikas beidseitig unterschenkelamputierter Sprintstar Oscar Pistorius vorgestellt hatte. Pistorius, der als erster Sportler sowohl bei den Olympischen Spielen als auch bei den Paralympischen Spielen antritt, verpasste am Sonntag die von ihm erhoffte Goldmedaille. Sein brasilianischer Bezwinger Alan Fonteles Cardoso Oliveira war um sieben Hunderstel schneller. Oliveira, der zunächst weit zurücklag, legte auf den 60 Metern einen beeindruckenden Sprint hin und überholte den Favoriten kurz vor dem Ziel.
Unmittelbar nach der Niederlage am Sonntag in London erwies sich Pistorius als schlechter Verlierer. In einem Fernsehinterview beschwerte er sich, dass der Brasilianer sehr lange Unterschenkel-Prothesen benutzt und sich so einen Vorteil verschafft habe. "Ich kann mit seiner Schrittlänge einfach nicht mithalten", sagte Pistorius. Er sprach von einem unfairen Rennen. "Das ist lächerlich." Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) erklärte aber umgehend, Oliveira habe keine der bestehenden Regeln gebrochen.
Pistorius beharrt auf Kritik
"Ich wollte niemals den Moment des Triumphes eines anderen Athleten schmälern", sagte Pistorius in einem Statement, das er am Montag über die britische Nachrichtenagentur PA veröffentlichte. "Das war die Stunde von Alan und ich möchte deutlich machen, welchen Respekt ich vor ihm habe", sagte er über den Goldmedaillen-Gewinner über 200 Meter.
Pistorius erklärte aber, er glaube weiterhin, dass die Länge der Prothesen ein Thema ist und er würde sich über eine Möglichkeit freuen, dies mit dem IPC generell zu diskutieren. Auch der sechstplatzierte Schweizer Christoph Bausch und der Deutsche David Behre stimmten in die Kritik des Südafrikaners ein. "Da gibt es einige Dinge, die extrem fragwürdig sind - lange Unterschenkel, lange Feder", sagte Behre.
Pistorius und das "Techno-Doping"
Pistorius selbst musste sich jahrelang gegen den Vorwurf des "Techno-Dopings" wehren, wie auch "Die Presse" berichtete. Durch die hochmodernen Prothesen, sagen einige Mediziner, laufe er geschmeidiger. Der Vorwurf: Sie verursachten beim Sprint weniger Reibung als echte Beine - die Karbon-Prothesen seien ein Hilfsmittel.
2008 entschied allerdings der internationale Sportgerichtshof CAS zu seinen Gunsten. Seitdem darf er sich offiziell mit den schnellsten Sprintern der Welt messen.
(APA/dpa)















