Peking/ag. Für Ling Jihua ist der Unfalltod seines Sohnes nicht nur eine persönliche Tragödie – das Unglück, das Ling Gu am 18. März auf einer Stadtautobahn in Peking ereilte, hat für den kommunistischen Spitzenfunktionär auch berufliche Konsequenzen: Der 55-Jährige wurde am Wochenende vom Posten des Leiters des Generalbüros des Zentralkomitees entfernt. Ling, der unter anderem für die Sicherheit der KP-Elite zuständig war, galt bis zuletzt als möglicher Kandidat für den Einzug in den Ständigen Ausschuss des Politbüros – die neunköpfige Schaltstelle der Macht in der Volksrepublik, die bis Jahresende neu besetzt werden soll.
Der Grund für Lings Demontage dürften die Todesumstände seines Sohnes gewesen sein: Ling Gu fuhr einen schwarzen Ferrari und war in Begleitung von zwei nackten Frauen, die bei dem Unfall schwer verletzt wurden. Dass der Fall erst jetzt thematisiert wird, liegt daran, dass zunächst alle Berichte der Zensur zum Opfer gefallen waren und erst über Umwege ihren Weg an die Öffentlichkeit fanden. Für die KP ist der Zeitpunkt alles andere als günstig, denn der Mord- und Korruptionsfall um ihren einstigen Hoffnungsträger Bo Xilai überschattet bereits den bevorstehenden Machtwechsel. Kein Wunder also, dass die Partei den jüngsten Skandal im Eiltempo abwickeln will.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2012)
















