London/JK. George Osborne war die Erniedrigung anzusehen: Minutenlang wurde der Finanzminister diese Woche bei einer paralympischen Siegerehrung im Olympiastadion ausgebuht – lauter Protest gegen den Sparkurs der Regierung. Um seiner Koalition mit den Liberaldemokraten (an deren Überleben nur noch 16 Prozent der Briten glauben) eine Energiespritze zu verpassen und seine verunsicherte konservative Basis zu beschwichtigen, hat Premier David Cameron am Dienstag sein Kabinett umgebildet. Fast 20 Minister und Staatssekretäre mussten ihre Sessel räumen oder tauschen. Wobei Osborne wie die übrigen Minister in den Schlüsselressorts bleiben dürfen: Der Premier will den Eindruck vermeiden, dass der bisherige Regierungskurs nicht haltbar ist.
Prominentes „Opfer“ ist Justizminister Kenneth Clarke. Der letzte bekennende (und innerparteilich unbeliebte) Europafreund der Konservativen bleibt zwar Minister, jedoch ohne eigenes Ressort. Gesundheitsminister Andrew Lansley musste wegen der verpatzten Reform des Gesundheitssystems seinen Posten räumen. Sein Nachfolger wurde überraschend der Medien- und Kulturminister Jeremy Hunt: Wegen dessen Verbindungen zum Medienmogul Rupert Murdoch war bis zuletzt mit seiner Entlassung gerechnet worden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2012)
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