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ÖVP-Rufe: Volk zu Uni-Gebühr befragen

06.09.2012 | 18:28 |   (Die Presse)

ÖVP-Obmann Michael Spindelegger hat eine Volksbefragung zum Thema Studiengebühren zuletzt beim Ministerrat vor den versammelten Medienvertretern ausgeschlossen. Doch nicht alle in seiner Partei stehen hinter ihm.

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Wien/Thea/J.n./Beba/Chs. Schon bei der Wehrpflicht musste er sich dem niederösterreichischen Landeschef Erwin Pröll beugen; bei der Gesamtschule macht ihm derzeit der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter das Leben schwer – und jetzt droht ÖVP-Obmann Michael Spindelegger auch noch in Sachen Studiengebühr Widerstand aus der eigenen Partei: Im Gespräch mit der „Presse“ sprach sich der Wiener ÖVP-Landeschef Manfred Juraczka am Donnerstag für eine Volksbefragung zum Thema Studiengebühren aus. Man solle, sagt Juraczka, „das Volk darüber entscheiden lassen, ob man Studiengebühren einführen soll oder nicht“.

Das Pikante daran: Spindelegger verlautete nur zwei Tage zuvor das genaue Gegenteil. Eine Befragung zu den Studiengebühren stehe „nicht zur Debatte“, verkündete er beim Ministerrat vor den versammelten Medienvertretern.

Juraczka ist unterdessen nicht der Einzige, der seinem Parteiobmann in den Rücken fällt. In der ÖVP mehren sich die Stimmen derer, die trotz der Festlegung Spindeleggers einer Abstimmung nicht abgeneigt wären: „Die Volksbefragung ist für das Thema Bildung geeignet“, sagt etwa ÖVP-Wissenschaftssprecherin Katharina Cortolezis-Schlager. Und: „Studiengebühren gehören da selbstverständlich auch dazu.“ Auch die Salzburger ÖVP ist nicht abgeneigt: „Warum nicht“, fragt Klubobfrau Gerlinde Rogatsch. Sie bevorzuge eine Entscheidung im Parlament. Sollte eine solche nicht zustande kommen, könne man aber das Volk befragen. „Die Lunte brennt, die Unis bräuchten dringend Geld. Deshalb brauchen sie eine rasche Entscheidung“, so Rogatsch.

 

Abtausch mit SPÖ möglich

Auch innerhalb des schwarzen Regierungsteams sind nicht alle auf Linie: Karlheinz Töchterle, der zwar kein Parteimitglied ist, aber für die ÖVP das Wissenschaftsressort leitet, zeigt sich nicht von vornherein abgeneigt. „Grundsätzlich ist die ÖVP und bin auch ich für die Instrumente der direkten Demokratie und deren Stärkung“, sagt Töchterle. Er schränkt jedoch ein: „Ich bin mir nicht sicher, ob sich Studienbeiträge für eine allgemeine Befragung eignen.“ Er habe einen konkreten Gesetzesvorschlag vorgelegt.

Die Haltung der ÖVP-Funktionäre ist wenig verwunderlich. Ganz neu ist der Vorschlag, zur Studiengebühr das Volk zu befragen, nämlich nicht. Als SPÖ-Geschäftsführerin Laura Rudas Mitte August in der „Presse“ laut über eine mögliche Befragung zu einer Gesamtschule für alle Zehn- bis 14-Jährigen nachdachte, signalisierte die Volkspartei bereits leise Zustimmung. Die Bedingung damals: Auch Uni-Zugang und Studiengebühren müssten in den Fragenkatalog. Es scheint, als wollten sich – anders als Spindelegger – nicht alle von dieser Idee verabschieden.

Umzusetzen wäre eine Befragung zu Bildungsthemen relativ rasch. Rein rechtlich wäre es möglich, das Bildungsthema gemeinsam mit der Wehrpflicht bereits Anfang 2013 abzufragen. Es spräche einiges für diese Lösung: Nach langer Blockade kommt in den Bildungssektor derzeit generell Bewegung. Bei den Verhandlungen zu einer Beschränkung des Uni-Zugangs befindet sich die Koalition bereits auf der Zielgeraden.

 

Pühringer will AHS bewahren

Geeint scheint die ÖVP unterdessen übrigens in einer anderen Frage. Mit seinem Vorstoß zu einer Gesamtschul-Modellregion dürfte Tirols Landeshauptmann Günther Platter mittlerweile ziemlich allein dastehen. Nach dem klaren Bekenntnis Spindeleggers zum Gymnasium im ORF-Sommergespräch stärken ihm die anderen Landeschefs den Rücken. „Das Gymnasium ist im Aufwind. Wir werden eine begehrte Schulform sicherlich nicht abschaffen“, sagt Oberösterreichs Landeschef Josef Pühringer. Auch in Niederösterreich spricht man sich für den Verbleib der AHS aus. Die Salzburger und die Vorarlberger ÖVP wollen Platters Schulversuch jetzt „genau beobachten“. Nachziehen will man nicht. Noch nicht, zumindest.

Auf einen Blick

Studiengebühren werden derzeit von acht der 21 Unis autonom eingehoben. Das bevorzugte Modell des Wissenschaftsministers: Die Unis sollten (anders als derzeit) auf rechtlich sicherer Basis autonom Gebühren bis zu 500 Euro pro Semester einheben. Die Bundes-SPÖ ist dagegen. In den Ländern ist man offener. Der steirische Landeschef Franz Voves sprach sich für sozial gestaffelte Gebühren aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2012)

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34 Kommentare
 
12
Gast: mut zur bildung
07.09.2012 12:53
0 0

warum nicht schulgebuehren?

bestrafen wir alle die sich (weiter-)bilden. als land der bauern werden wir schon mit der globalisierung schritt halten. die intelligenz lagern wir wie sonst alles nach china aus.

Gast: jajajaja
07.09.2012 12:51
0 0

das auto muss gratis vor der tuere stehen, aber bildung muss kosten

soviel zur wiener oevp und der zukunft oesterreichs.

0 0

Noch ein paar wichtige Fragen...


...brauchen wir 770 Abgeordnete?
...brauchen wir die Zwangsmitgliedschaft bei den Kammern?
...brauchen wir 9 Landesgestzgebungen?

Das wären Themen die unsere werten Politiker kontinuierlich vernachlässigen.

Gast: Bergbauer
06.09.2012 22:30
0 0

Politiker sollten 98% Ihres Einkommens als Steuer abliefern

Dazu sollte das Volk befragt werden.

0 0

Unverbindliche Volksbefragungen für ALLE!!!

Die ÖVP ist schon voll auf Wahlkampfkurs.

Gast: Gast01
06.09.2012 20:48
0 0

ÖVP

UNWÄHLBAR!

(Und bitte nicht polemisieren! Ich rede hier von der ÖVP, nicht von anderen Parteien.)

Gast: b745
06.09.2012 20:25
1 1

wozu eigentlich hochbezahlte politiker

wenn jetzt eh immer das volk entscheiden muss

Antworten Gast: Lukas
06.09.2012 23:29
0 0

Re: wozu eigentlich hochbezahlte politiker

vielleicht weil unsere hochbezahlten Politiker geistig unterbelichtet und in ihrem Job völlig überfordert sind...?

Antworten Gast: jcfjm
06.09.2012 21:48
0 0

Re: wozu eigentlich hochbezahlte politiker

Sie sehnen sich wohl nach einer Monarchie ?!? o.O

Solange uns nicht so horrende Studiengebühren wie in den USA und GBR auf den Kopf fallen, die fast den gesamten Mittelstand in Schulden treiben,...

...kann man noch froh sein. Obwohl die bürgerlichen bzw. kapitalistischen Parteien auch in Europa mit ganzer Kraft daran arbeiten, ähnlich hohe Studiengebühren zu bekommen.

Dabei gäbe es eine ganz einfache Formel, halbwegs gerechte Studiengebühren festzulegen:

Familieneinkommen MINUS der notwendigen Ausgaben für den Lebensunterhalt der Familie. Und dann die Höhe der Studiengebühren DIREKT PROPORTIONAL zum übrig bleibenden Geld einheben!!!

Was übrigens so genannte Experten machen könnten. Leider sind aber die so genannten Experten meisten völlig ahnungslos und hilflos. Siehe deren Vorausschau auf Krisen und Zahlungsunfähigkeiten anderer Ländern, deren Schwierigkeiten aber andererseits sogar Ottakringer Hausmeister schon vor Jahrzehnten besser voraussagen konnten.


Aber eine Festlegung der Studiengebühren direkt proportional zum übrig bleibenden Familieneinkommen ginge sicher nur über die Leiche der christlichen bzw. bürgerlichen Parteien und deren Anhänger in anderen Parteien. Z.B. Gabi Burgstaller und gleich Gesinnte! Es wäre nämlich einfach total unchristlich, Studiengebühren nach den Möglichkeiten der Familien festzulegen.

Da würden ja die Absahner und Großverdiener, aber auch etliche gut verdienende Politiker wesentlich mehr zum Wohle der Unis(!!!) zahlen müssen, als ihnen derzeit mit ihrem ziemlich verkümmerten Gerechtigkeitssinn vorschwebt.

Übrigens: Wer lesen kann, wird feststellen, dass Voves keineswegs auf Linie der ÖVP und Gleichgesinnter liegt

Antworten Gast: Gast yxyx
07.09.2012 12:26
0 0

Re: Solange uns nicht so horrende Studiengebühren wie in den USA und GBR auf den Kopf fallen, die fast den gesamten Mittelstand in Schulden treiben,...

Und Sie sind in der Lage, die "notwendigen Ausgaben für den Lebensunterhalt der Familie" zu berechnen?
Ich wehre mich auch dagegen, dass es schon wieder mit dem Schröpfen der "Besserverdiener" anfangen soll. Damit straft man nicht nur die Abzocker und Absahner, sondern auch die, die mehr gelernt habe, fließiger arbeiten und ihr Einkommen nicht an der Steuer vorbeschleusen.

Gast: plebs potus
06.09.2012 05:18
1 0

wie hoch ist eigentlich die miete

die die BIG für die Unis verlangt?

Re: wie hoch ist eigentlich die miete

zwischen 8€ und 14€ pro m2

Wenn man sich anschaut, welche Gestalten auf den Unis

herumlaufen - Stichwort "Cafe Rosa" oder "Audimax Besetzung", dann kann man eine Beschränkung nur herzlichst begrüßen!

Gast: bobo
05.09.2012 13:43
3 0

warum studiert man eigentlich?...

mir scheint, viele studieren ein fach aus persönlichem wissensinteresse und sind auf der uni des wissenszugangs und nicht des titels & der jobgarantie wegen.

stellt für diese leute einen großteil des wissens anhand von vorlesungen gratis ins netz und ihr seid sie auf der uni vielleicht los...

es könnte natürlich aber auch sein, dass plötzlich mehr interesse geweckt wird, aber das weiß man erst NACH dem versuch, nicht davor...

Antworten Gast: 66v
05.09.2012 22:00
2 10

Re: warum studiert man eigentlich?...

mMn sollte wes verboten und aufs drakonischste bestraft werden, wenn leute bloß aus interesse (!) studieren. ist doch lächerlich, wir brauchen ARBEITSKRÄFTE, die titel & jobgaranntie auch umzusetzen wissen und kein bildungsproletariat aus faulen, linkslinken obdachlosen mit doktortitel! persönliches interesse sollte daher gar keine rolle spielen bei der studienwahl, eher die frage: was braucht die wirtschaft, wieviel verdient man da?

0 0

Re: Re: warum studiert man eigentlich?...

Oho! Ein Befürworter der Planwirtschaft!

Antworten Antworten Gast: Balta
06.09.2012 11:01
0 0

Re: Re: warum studiert man eigentlich?...

Ich denke, Ihr Kommentar ist zynisch? Weil wenn nicht, dann klingt Ihr Kommentar eher nach Neid und Missgunst bzw. Wunschdenken. Kennen Sie viele dieser "armen" Doktoren, die sich mit dem Begriff "Bildungsproletarier" belegen (bezeichnet ohnehin etwas Anderes).

Aus meiner Sicht haben heute viele diesen Titel, die es sich leisten können - aus welchen Gründen auch immer. Stichwort: Berufstätigkeit, Stipendium, Erben, wohlhabende Eltern...

Antworten Antworten Gast: Gast yxyx
06.09.2012 06:32
1 1

Re: Re: warum studiert man eigentlich?...

Sie sind von der Möglichkeit einer akademischen Ausbildung jedenfalls meilenweit entfernt.

2 0

wenn studium voll zu bezahlen ist

gibt es diese debatte nicht. dann kann jeder studieren was er will und warum er will. einschraenkung gibt es dann nur ueber akademische leistung (abgesehen von diversen foerder-und alumniprogrammen der lerninstitute).

Re: Re: warum studiert man eigentlich?...

Du hast nicht mal im Ansatz verstanden, wozu man überhaupt studiert.

Antworten Antworten Gast: Gast01
06.09.2012 00:01
0 0

Re: Re: warum studiert man eigentlich?...

Primitivling! Tiefer gehts nicht mehr.

Antworten Antworten Gast: punktausendefertig
05.09.2012 23:32
0 0

Re: Re: warum studiert man eigentlich?...

Ja, richtig: wir brauchen Arbeitskräfte - aber sicher keine unmotivierten, die es nur machen, weil Mama (oder Papa, oder beide) es wollen. "Solche werden gebraucht" ist nur dann ein Argument, wenn man sich in diesem Bereich wohlfühlt und die Aufgaben immer schaffbar sind. Anders hat es keinen Sinn.

Antworten Antworten Gast: blossso
05.09.2012 23:29
0 0

Re: Re: warum studiert man eigentlich?...

Was heißt "bloß aus Interesse"? Wer nicht an dem Fachgebiet interessiert ist, ist unmotiviert und damit eine Platzverschwendung für die anderen Studierenden und eine Energieverschwendung für den Lehrenden!

Antworten Gast: Rufumleitung heute
05.09.2012 16:03
2 0

Re: warum studiert man eigentlich?...

Bei vielen Studien gibt es schon Lernplattformen (z.B.WU). Was nützt es aber, wenn man mit dem Bachelor u Master eine Verschulung der Unis betreibt und verpflichtende Lehrveranstaltungen mit anwesenheitspflicht, Mitarbeit u Zwischentests (prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen) einführt?
Welche Studien bitte eine Jobgarantie??

Antworten Antworten Gast: bobo
06.09.2012 14:04
0 0

mit jobgarantie

meinte ich nur, dass einige studierende (z.b. zweitstudien, human/sozialwissenschaften) nicht unmittelbares interesse daran haben das gelernte auch in der arbeitswelt anwenden zu können.

es gibt auch studien in denen einem ausdrücklich zu beginn gesagt wird, dass was gelernt wird für die arbeitswelt sehr wahrscheinlich keine rolle spielen wird und man davon ausgehen kann, nach dem studium arbeitslos zu sein, sofern man nicht zudem noch "was gscheits" studiert ;)

jobgarantie gibts natürlich nie... aber sehr wohl titel die "status" haben

 
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