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Energieverbrauch: Keine reine Formsache

07.09.2012 | 17:27 |  Von Stephanie Dirnbacher (DiePresse.com)

Teil IV: Klassisches Architektenhaus, innovativer Passivbau, schnelles Fertigheim: Bei der Entscheidung für einen bestimmten Typus Haus spielt der Energieverbrauch eine immer größere Rolle.

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Passiv- oder Plusenergiehaus? Architektenvilla oder Fertigbau? Geht's an die Planung, haben Bauherrn die Wahl zwischen unterschiedlichsten Haustypen. Eine grundlegende Regel gibt ihnen Baumeister und Planer Julian Schmid als Entscheidungshilfe mit: „Nicht zu groß bauen.“ Denn jeder gebaute Quadratmeter würde zwischen 1600 und 2000 Euro kosten. Wichtig sei auch, flexibel zu planen, sodass Räume später einmal ohne große Kosten umgebaut werden können. „Man sollte Wasser- und Stromleitungen so legen, dass sie auch in Zukunft nützlich sind, zum Beispiel, wenn aus dem oberen Stock, nachdem die Kinder ausgezogen sind, eine abtrennbare Wohnung werden soll“, führt Schmid aus.

Besonders im Hinblick auf das Alter haben Bungalows wegen der Barrierefreiheit einen gewissen Reiz. Der Nachteil: „In Bungalows entstehen zur Raumtrennung oft Gänge, die eigentlich nutzlos sind“, sagt Schmid. Auch bei der Umweltbelastung ist es um die ebenerdigen Gebäude nicht gut bestellt. „Wegen der Geometrie haben sie schlechte Energiekennzahlen, man hat einen höheren Energieverbrauch und bekommt weniger Förderungen.“
Der Energieverbrauch spielt bei den Gebäudetypen eine immer größere Rolle. Neubauten, die die Standards von Niedrigenergiehäusern nicht erfüllen, sind laut Architekt Georg W. Reinberg zunehmend verboten. Gute Dämmung, richtige Verglasung und optimale Ausrichtung sind heute ein Muss. „Passivhäuser sind Standard, Niedrigenergiehäuser schon unter dem Standard“, versichert Herwig Holler, Sachverständiger für Immobilien und Bauwesen. Im Gegensatz zum Niedrigenergiehaus verfügt ein Passivhaus neben einer luftdichten Konstruktion und einer optimalen Wärmedämmung auch über eine spezielle Wohnraumlüftungsanlage. Eine aktive konventionelle Heizung wird obsolet. „Die Wärme kommt zu einem Drittel vom Inneren des Hauses, also den Menschen und den elektrischen Geräten wie etwa Computer, ein weiteres Drittel wird durch die Sonne gedeckt“, erläutert Reinberg. Der restliche Heizbedarf wird über die Lüftungsanlage reguliert. Diese saugt die verbrauchte Luft heraus und verwendet sie, um die Zuluft zu erwärmen.

Dass im Passivhaus die Fenster zu bleiben müssen, bezeichnet der Architekt als „falsches Gerücht“. Sehr wohl könne man wegen der kontrollierten Lüftungsanlage „beliebig oft die Fenster aufmachen, ohne dass man viel Energie verliert“, behauptet er.

Unsummen und Haustechnik

Wer das Passivhaus mit Fotovoltaik, Solarthermie und Wärmepumpen zum Aktiv- oder Plusenergiehaus umrüstet, kann sogar mehr Energie produzieren als gebraucht wird. Holler warnt jedoch vor übertriebener Ausstattung. Aus Angst, dass das Haus kalt bleibt, würden sich Hauseigentümer alles Mögliche andrehen lassen, meint der Sachverständige über schwarze Schafe in der Haustechnik-Lobby. „Wo man nur 5000 bis 7000 Euro in eine Heizung investieren müsste, werden einem 30.000 Euro aufgeschwatzt“, kritisiert er manche Vertreter der Branche. Die Folge: Statt Energie zu sparen, verbrauchen die Bewohner mehr. Die Situation würde dadurch verschlimmert, „dass man fast keinen Berater hat, der objektiv ist“. Hollers Tipp: „Besser weniger einbauen lassen als zu viel.“

Viel getan hat sich bei der Optik von Passivhäusern und ihren Verwandten: Die Schuhschachtel hat ausgedient. „Man kann all diese Energiestrategien auch bei einem traditionellen Haus verwirklichen“, sagt Reinberg. Allerdings sei zu bedenken, dass die architektonische Gestaltung der „Schlüssel für die Kosten“ ist. „Das Motto lautet ,Form follows Energy‘. Wenn man das Haus gut ausrichtet und die thermischen Kollektoren in die Gebäude integriert, ist man viel effektiver und kostengünstiger“, erklärt der Architekt. „Die Planung ist teurer, dafür gibt es aber auch weniger Baumängel“, meint Reinberg. Andererseits winken hohe Förderungen.

Ebenfalls im Trend liegen Fertighäuser, die ab Bestellung in nur wenigen Monaten bezugsfertig sind. Laut dem Österreichischen Fertighausverband ist jedes dritte neu gebaute Eigenheim mittlerweile ein Fertighaus, was Franz Stadlhofer von Haas Fertigbau als Zeichen dafür deutet, „dass die Qualität passt“. Abgesehen von der kurzen Bauzeit sieht er den fixen Preis als Vorteil. Wer ein Fertighaus bestellt, erspart sich nicht nur Architekt und Baumeister, sondern auch lästige Behördenwege. „Wir kümmern uns um die Einreichung und begleiten das Projekt, bis das Haus bezugsfertig ist. Das ist alles im Preis inkludiert“, sagt Andreas Toifl, Marketingleiter der Elk Fertighaus AG. Dabei muss es nicht unbedingt das Haus aus dem Katalog sein. „Man kann auch mit einem individuellen Plan zu uns kommen“, betont Toifl. Schmid rät hier aber zur Vorsicht: „Wenn man ein individuelles Haus möchte, sind regionale Baumeister meist billiger als Fertighäuser.“ Von allzu günstige Anbietern rät er ab. „Billige Fertighäuser haben oft zu wenig Speichermasse. Das führt im Sommer zu Überhitzung.“

("Die Presse" Printausgabe vom 31.8.2012)

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