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Unis: Kampfabstimmung beim SPÖ-Parteitag

07.09.2012 | 18:44 |  CHRISTOPH SCHWARZ UND REGINA PÖLL (Die Presse)

Die roten Studentenvertreter machen Stimmung gegen die Salzburger SPÖ-Chefin Gabi Burgstaller. In einem Gegenantrag werden sie beim Bundesparteitag ein Grundstipendium für alle Studierenden fordern.

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Wien/Salzburg. In der Öffentlichkeit erntet Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller für ihren Reformeifer in Sachen Studiengebühren Zustimmung – innerhalb ihrer eigenen Partei, der SPÖ, formiert sich aber Widerstand: Beim SPÖ-Bundesparteitag am 13. Oktober, bei dem Burgstaller ihr Studiengebührenkonzept vorlegen will, droht nun gar eine Kampfabstimmung.

Als Widerpart Burgstallers, die entgegen der Parteilinie auf die Studiengebühr drängt, positionieren sich die Studierendenvertreter des Verbands Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ). Sie werden auf dem Parteitag einen Gegenantrag zur Uni-Finanzierung einbringen. Kernelement des Antrags, der der „Presse“ vorliegt: die Ablehnung von Studiengebühren und die Einführung eines Grundstipendiums für ausnahmslos alle Studenten. Die beiden Konzepte stehen einander damit diametral gegenüber.

Burgstallers Modell sieht vor, dass 60 Prozent aller Studierenden eine Studiengebühr in der Höhe von 363,36 Euro bezahlen sollen. Das sei jedoch „nur eine Seite der Medaille“, so Burgstaller zur „Presse“. Viel wichtiger sei ihr der Ausbau des Stipendienwesens. Jene 40 Prozent, die keine Gebühren zahlen, sollen von Beihilfen profitieren. Zudem sollen sie ein Uni-Startgeld von 1000 Euro erhalten.

Wie Burgstaller auf das Verhältnis 40 zu 60 kommt? „Der Wert ist nicht zufällig gewählt.“ Internationale Studien im OECD-Raum hätten bewiesen, dass so „die soziale Durchmischung am besten ist. Damit haben wir am ehesten einen sozial gerechten Uni-Zugang“, sagt Burgstaller. Erreichen könne man die 40 Prozent, indem man die Einkommensgrenze von Familien bzw. Eltern, bis zu derer Studenten Beihilfen beziehen können, um rund 5000 Euro im Jahr anhebt. Das hätten Berechnungen von Wirtschafts- und Steuerexperten ergeben.

 

Stipendien um 1,7 Milliarden Euro

Kosten soll der Ausbau der Beihilfen jährlich 120 Millionen Euro. Die Einnahmen durch die Studiengebühr sollen sich auf 140 Millionen Euro belaufen. In Summe brächte das Modell den Unis somit jährlich (nur) 20 Millionen Euro ein.

Der Gegenantrag der Studentenvertreter ist deutlich kostenintensiver: Sie veranschlagen jährlich 1,7 Milliarden Euro für das Grundstipendium. Jeder Studierende soll laut Konzept monatlich rund 815 Euro erhalten – das entspricht der Höhe des Ausgleichszulagenrichtsatzes. Erhalten soll das Stipendium jeder, unabhängig von Alter und Staatsangehörigkeit. Und auch unabhängig vom Einkommen der Eltern. Entscheidend ist das Einkommen des Studenten selbst: Wer jährlich mehr als 10.000 Euro verdient, dem wird der überschüssige Betrag vom Stipendium abgezogen.

Sobald das Grundstipendium eingeführt ist, sollen alle anderen Beihilfen – also die Familienbeihilfe für Studenten, die Studienbeihilfe und auch Leistungsstipendien – abgeschafft werden (Details s. Faktenkasten). Finanziert werden soll das Modell etwa über Vermögensteuern, Erbschaftssteuer und Börsenumsatzsteuer: Bis zu vier Milliarden Euro könne man so lukrieren. Als „Übergangslösung“ fordert der VSStÖ unter anderem die sofortige Erhöhung der derzeitigen Beihilfen. Die Familienbeihilfe solle nicht mehr an das Lebensalter, sondern an die Studiendauer geknüpft sein. Für Teilzeitstudenten fordert man eigene Regelungen.

Burgstallers Vorschlag sei nur eine „Augenauswischerei“, sagt Angelika Gruber, die für den VSStÖ im ÖH-Vorsitzteam ist. Für Studierende bringe er keine Verbesserungen. „Die SPÖ-Mitglieder dürfen sich nicht von den schön geschmückten Zahlen täuschen lassen“, sagt Gruber. Offiziell hat Burgstaller derzeit auch die meisten SPÖ-Landesparteien gegen sich. Oberösterreich, Wien und Vorarlberg lehnen Gebühren ab, im Burgenland nennt man eine Reichensteuer als Bedingung. Niederösterreich und Kärnten wollen eine Akademikersteuer. Auch Steiermarks Franz Voves, der für Gebühren ist, will sich nicht zu Burgstallers Modell äußern. Nur die Tiroler SPÖ spricht von einem „willkommenen Vorschlag“.

Die Uni-Chefs zeigen sich vorsichtig positiv. Ebenso wie – wenig überraschend – Uni-Minister Karlheinz Töchterle (ÖVP). Er will mit Burgstaller das Gespräch suchen.

Die Finanzierungsmodelle im Vergleich

Gabi Burgstaller will 60 Prozent aller Studierenden mit 363,36 Euro pro Semester zur Kasse bitten. Die restlichen 40 Prozent sollen Stipendien erhalten (derzeit: 17 Prozent). Zudem gäbe es ein „Startgeld“ von 1000 Euro. Für die Unis ergäbe sich ein Plus von 20 Mio. Euro jährlich.

Die roten Studentenvertreter sind gegen Studiengebühren. Sie fordern ein Grundstipendium für alle Studierenden an heimischen Hochschulen. Auch Österreicher, die im Ausland studieren, sollen gefördert werden. Höhe des Stipendiums: 815 Euro im Monat, mit jährlichen Indexanpassungen. Wer vor seinem Studium berufstätig war, kann mehr erhalten. Wer neben dem Studium mehr als 10.000 Euro verdient, dessen Stipendium verringert sich. Höchststudiendauer ist die durchschnittliche Studiendauer im Fach; pro Jahr sind acht Semesterwochenstunden (bzw. 16 ECTS-Punkte) zu erbringen. Mit einer Reichensteuer sollen die Ausgaben von 1,7 Mrd. Euro finanziert werden.

Uni-Minister Karlheinz Töchterle will Unis autonom über Gebühren von bis zu 500 Euro im Semester entscheiden lassen. Der Betrag kann gestundet werden. Stipendien will er ausbauen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2012)

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32 Kommentare
 
12
Gast: servas
05.10.2012 17:37
0 0

intelligenztest für politiker

es sollten jedes jahr nur die 100 intelligentesten politiker in die politik einsteigen dürfen - ähnlich den beschrankungen im medizinstudium !!!

0 0

Mein Vorschlag.

Die besten 33% studieren frei
die mittleren 33% bezahlen Gebuehren
die letzten 33% bezahlen doppelt.Fuer sie ist es besser sie suchen sich eine Arbeit.
Leistung muss die Grundlage sein.

Gast: lx0012
08.09.2012 11:57
0 0

Beides

sind völlig hirnrissige Vorschläge. Ich bin gegen Studiengebühren, aber auch deutlich gegen einen 1000€ Freibrief. Als Student kann man ruhig daneben auch was arbeiten und wenn man sich ehrlich ist, dann sind 1000€/Kopf einfach eine gigantische Geldverschwendung.
Und Burgstallers Vorschlag bringt, neben gigantischem Verwltungsaufwand, der auch was kostet, den Unis genau gar nichts, sondern führt zu einer sozialen Auslese und hat mit "gerechtigkeit", wie es von der restlichen SPÖ propagiert wird mal überhaupt nichts zu tun.

Gast: DI
08.09.2012 11:29
1 0

Was nix kostet, ist nix wert.

So einfach ist das.

Antworten Gast: lx0021
08.09.2012 12:00
0 1

Re: Was nix kostet, ist nix wert.

Straßen, Schulen, Parks, Freundschaft, Liebe, Luft, ... Alles wertlos :(

Gast: Reformgeist
08.09.2012 11:17
0 0

OECD-Studie: PolitikerIn zu dick & profilierungssüchtig

Reichlich kompliziert der Vorschlag aus dem Salzburger Saustall: viel Bürokratie - geringe Einnahmen. Ein einmaliger sozialer Ausgleich (ob es den nun schon gibt oder was auch immer) über Steuern wäre einfacher als mit x verschiedenen Anträgen an x verschiedenen Stellen. Aber der roten Gabi mit dem schwarzen Herzen und den Lobbys hinter ihr geht es ohnehin um etwas anderes: Den Menschen - in diesem Fall den Studenten - soll das Leben nicht zu leicht gemacht werden. Die Uni-Misere wird so nicht gelöst. Studiengebühren hatten wir ja schon einmal - und? Das Geld ist prompt versickert, u. a. für "Beraterkosten".

Naja die Frau will sich halt mit Uni-Themen profilieren...


...aber außer heisser Luft ist bei Burgstaller nicht viel drin.

z.B. Presse vom 13.10.2011

Burgstaller: Herkunftsländer sollen für ausländische Studenten zahlen.

Typische Ankündigungspolitikerin, die in Salzburg nichts weiterbringt und in mehrere Skandale verwickelt ist.


0 1

es geht um die Inhalte, nicht um ihr Foto...

fällt manchen nichts besseres ein als das Foto zu bemäkeln ? *kopfschüttel*

Ich denke Frau Burgstaller hat mit ihrem Gebührenansatz recht und hat meinen Respekt schon deshalb, weil endlich einmal wer auch GEGEN die Parteilinie mitdenkt. Allein das gefällt mir geundsätzlich, weil mir da gebetsmühlenartige abqualifizieren von Aussagen des politischen Gegners ziemlich am Keks geht.

im Vergleich dazu ist die "Forderung" der soz. Studenten selten absurd ....

I have a dream...

Gabi Burgstaller hält einen 1-wöchigen Kurs für SPÖ Frauen.
Teilnehmer:
Laura
Heinisch-Hosek
Claudia Schmied
--Themen--
* Was ist Hausverstand? Und ist er
wirklich schädlich für unsere Ideologie?
* Ordne beide Begriffe nach der Priorität:
-Genderismus -Wirtschaftskrise
* Wo kommt das Geld her, das wir ständig fordern?
* Sind alle Reichen böse?
* Hat Werner immer recht?

0 0

Re: I have a dream...

I have a dream
Burgstaller die Forsche, Laura die Schöne, Heinisch-Hosek die Wehrhafte,
Claudia Schmied die Standhafte, verabschieden sich alle still und leise aus der Politik- beim Aufwachen weiß ich leider --es war nur ein Wunschtraum

Gast: dermitderprawdawedelt
08.09.2012 07:45
0 0

kampfabstimmung bei den sozis:

wer ist der bessere sozi...

benötigte akademiker

für studienrichtungen wo nachfrage des staates und der wirtschaft besteht, soll es keine studiengebühren für österreichische studenten geben. alle anderen können für ihr studium einen beitrag leisten.

1 0

Re: benötigte akademiker

na bitte net, da gehen Studenten in Studien, für die sie eigentlich nicht die Voraussetzungen haben, aber eben keine Gebühren zählen müssen, was das für die Qualität bedeutet, sollte jedem klar sein, denn eine objektive Studienwahl ist dann ad Absurdum geführt.

Re: Re: benötigte akademiker

natürlich nach einem eignungstest.

Gast: doran
08.09.2012 07:14
1 0

spö

Spö bonzen alle fett?


Gast: werbistdu
08.09.2012 00:15
1 0

Die gute Gabi

...hat das Marxisten Mäntelchen abgelegt.
Da poltert die ÖH jetzt gewaltig.
Es gibt ja doch noch Leute in der SPÖ, die sich Gedanken machen.

Falsche Baustelle

Das einzig Positive ist, daß eine klare Rechnung auf den Tisch gelegt wird. Besonders sozialdemokratisch hören sich diese Fantasien allerdings nicht gerade an. Zuerst lockt man mit Stipendien und einer Gebührenbefreiung, aber was, wenn beides mal wegfällt, wie das Leben halt oft spielt. So entsteht wieder eine doppelte Sozialbarriere. Und das für lächerliche 20 Mio, mit denen das Modell die leeren Uni-Kassen schlussendlich auch nicht gerade vollspülen wird. Wesentlich wichtiger ist es, erst einmal die Reformen im vorgelagerten Schulbereich durchzuziehen und abzuwarten, ob diese ihren Anteil an der gewünschten Erhöhung der sozialen Durchlässigkeit erfüllt haben. Und mehr Angebote für vollzeit Berufstätige einzuführen - die sind ohnehin nicht vom Einkommen ihrer Eltern abhängig.

Der Kanzler macht es vor...

...völlig ideologiefrei und vor allem intelligenzfrei kann man für alles und nichts sein - es lebe die Einheitspartei SPÖVP!
Falls man mit Beliebigkeit und Unvermögen doch keine Absolute schafft holt man die Grünen mit an Bord!

Gast: Bitte lächeln! Sucht die Solzburglady selbst die Fotos aus???
07.09.2012 21:50
2 2

ich lach mir ein Rosenasterl.....

.....Selbstdarstellerischer geht es nicht mehr!......Sind das private Urlaubsfotos von der Solzburg-Lady???.....wenn ich im Urlaub Fotos von meiner Frau mache, dann sage ich zu ihr...stell dich zu den Blumenstrauch und nimm ein Asterl in die Hand und tue so, als würdest du dran riechen.....Das kommt dann nämlich sehr gut rüber, ABER aufs lächeln nicht vergessen!
be.es: welche Fotos kommen als nächstes, die Solzburg-Lady räkelnd auf der Yacht???
Bitte, erspart uns das! Ein "amtliches" Foto das zum Beitrag passt, würde genügen!

Faymann soll den Sessel für Burgstaller räumen!

Österreich würde profitieren.

2 2

Re: Faymann soll den Sessel für Burgstaller räumen!

Die Pest durch die Cholera ersetzen? Danke, aber danke nein.

ganz schön unverschämt

die roten Studenten, das alte "her mit der Staatsknete!" (in D) ist auferstanden.

SPÖ ist auf Platz 2

Jahrelang war für mich die Frau Frauenberger von der SPÖ unerreicht in der Kategorie die dümmste Person Österreichs. Nun musste sie den Platz an die Frau Innenministerin abgeben. Aber ich sehe schon, die SPÖ bemüht sich schon wieder den Platz 1 zurückzuerobern - gar nicht so einfach, bei dieser Latte die die ÖVP gelegt hat :)

Was hat dein Kommentar mit dem Artikel zu tun?


Gast: Habakuk R
07.09.2012 21:08
2 0

Hauptsache die Roten kommen zur Vernunft

Und erkennen endlich, dass an Studiengebühren kein Weg vorbeiführt, wenn man das Niveau der Hochschulen, das ohnehin nicht zu den Besten zählt, halten will.

 
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