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Resident Evil: Milla Jovovich in Musical-Ekstase

25.09.2012 | 17:05 |  Von Christoph Huber (Die Presse)

Paul W. S. Andersons Erfolgsserie von Videospielverfilmungen bietet famose Frauenaction und superbes Genrekino. Ein übersehenes Phänomen. Der fünfte Teil der Reihe „Resident Evil: Retribution“ ist jetzt im Kino.

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Die regelmäßigen Klagen, dass es kaum Actionfilme mit Frauen gebe, führt die „Resident Evil“-Filmserie ad absurdum. Frei nach der gleichnamigen Videospielreihe macht darin seit 2002 Model Milla Jovovich gute Figur als in graziösen Choreografien Zombies metzelnde Einzelkämpferin, umgeben von anderen starken Frauen wie Michelle Rodriguez, die im eben erschienenen fünften Film „Resident Evil: Retribution“ sogar eine ziemlich amüsant konzipierte Doppelrolle hat.

Die mittel budgetierte Action-Reihe ist auch der größte Hit im stets großspurig angestrebten, aber selten zündenden internationalen Koproduktionskino made in Germany: Eingefädelt bei der Constantin Film unter dem verstorbenen, megalomanischen Machertyp Bernd Eichinger, sind die „Resident Evil“-Filme einer der größten Kassenschlager jenseits von Hollywood geworden (gedreht wird in kanadischen Studios, Außenaufnahmen werden digital eingefügt).

Ein subversiver Triumph

Trotzdem wird dieses Phänomen großteils ignoriert: Computerspieladaptionen gelten weiter als geistlose Multiplex-Massenware. Irgendwie ironisch ist, wenn marketingstarke Comicverfilmungen als relevante Zeitgeistkommentare behandelt werden, selbst wenn sie nur mehr widersprüchlichen Wirrwarr bieten wie der Batman-Blockbuster „The Dark Knight Rises“. Notorische Philosophie-Provokateure wie Slavoj ?ižek stört das nicht: Die Diskursmaschine läuft, allerdings nach Studiovorgaben.

So sind die „Resident Evil“-Filme ein subversiver Triumph: als Genrekino alter Schule, wenn auch im postmodernen Gewand. Wie in alten B-Pictures ist die Handlung minimal: Alice (Jovovich) kämpft ums Überleben und den Schlüssel zu ihrer Vergangenheit. Unprätentiös sickern aber im Vorübergehen Themen ein. Der jüngste Teil stellt etwa das Verhältnis zwischen Realität und Virtualität vollends auf den Kopf, spielt eine unheimliche Mutterschaftsmetapher auf Klonbasis durch, unterwandert das oberflächliche Heldentum und liefert ein echt ungemütliches Gesellschaftsbild: „Resident Evil: Retribution“ ist schlüssiger und unterhaltsamer als diesen Sommer der Batman-Film, das Alien-Prequel „Prometheus“ und das „Total Recall“-Remake zusammengenommen.

Das liegt auch am unterschätzten Regisseur: Der Brite Paul W. S. Anderson, überschattet von den Namensvettern Wes und Paul Thomas Anderson, wird oft mit Videospiel-Vielfilmer Uwe Boll verglichen. Aber Boll macht Trash, Anderson hat verblüffendes visuelles Talent, auch wenn seine Vorliebe für bestenfalls funktionale Figuren und ebensolche, eher an 80er-Action-Einzeiler erinnernde Dialoge darüber hinwegtäuscht. Nicht so im grandiosen Vorspann zum neuen Film: Ein Actionspektakel läuft in Superzeitlupe rückwärts. (Dann vorwärts als erste Szene des Films – die ist in Sekunden vorbei: ein Indiz für den Humor der Macher.) Die Handlung der vorigen Teile wird in fast abstrakter Manier zusammengefasst, obwohl deren Details unwichtig sind. Alles Vorwand für Andersons Leitmotive: den paranoiden Kampf des Individuums gegen ein übermächtiges, undurchsichtiges Unternehmen, eine Inszenierung höhlenartiger Räume wie bei Fritz Lang (Anderson erklärt diese Vorliebe mit seiner Herkunft aus einer Minenarbeiterfamilie). Aber vor allem die brillante Choreografie von Jovovich in Kampfszenenvariationen: Dass sie mit Anderson verheiratet ist, ist am faszinierten Kamerablick zu spüren – die „Resident Evil“-Filme sind auch Liebeserklärungen.

Rares Verständnis für 3-D

Trotz manchmal monotoner Actionabfolge geht es aber um Intelligenz: Die Konfrontationen gewinnt, wer weiter denkt – darin unterscheidet sich Anderson von der Konkurrenz, genauso wie im Verständnis für 3-D: Nicht nur erfasst er räumliche Tiefe, sondern arrangiert ausnahmsweise übersichtlich montierte und elegant tänzerische Actionszenen. Deren Big-Beat-Ekstase ist wie die Videospielversion der Musical-Kunst aus Hollywoods Hochblüte inmitten eines Horrorszenarios – schwerelose Lichtblicke im „Land of the Dead“.

Der Filmemacher
Paul W. S. Anderson wurde 1965 in Newcastle on Tyne geboren, sein Debütfilm „Shopping“ (1994) mit Jude Law erregte Aufsehen, mit „Mortal Kombat“ (1995) legte Anderson dann seine erste Videospielverfilmung vor. Mit einer weiteren, „Resident Evil“ (2002), kam der Erfolg – und Anderson lernte dabei seine Muse und Gattin Milla Jovovich kennen. Mit ihr (und Christoph Waltz) drehte er u. a. zuletzt „Die drei Musketiere 3D“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2012)

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7 Kommentare
Gast: klklö
20.10.2012 01:54
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Das kann ja nur ein Scherz sein

Teil 4 war schon erbärmlich zum Abdrehen; wenn's wenigstens purer Trash wäre, aber man hat den Eindruck, niemand von der Produktions-crew weiss so recht, ob der Film eigentlich ernst gemeint ist.

Teil 5 setzt das Debakel unverändert weiter fort. Pflichtgemäß mit Cliffhanger-Schluss. Extrem mutig, aber nachdem man sich auch nur noch verzweifelt Stilelemente von anderen Filmen zusammenstiehlt, würde mich wundern, wie da jemand ein konsistentes Ende in die Story bringen könnte.
Handlung ist sowieso keine mehr erkennbar. Optik zweitklassig, Schnitt grottenschlecht. Man fragt sich, was man da zwei Stunden gesehen hat - einen filmischen Unfall bestenfalls. Fazit: bestenfalls mit geschenkter Kinokarte ansehen - hohes Gehirnzellenverlustrisiko.

Gast: oha
26.09.2012 00:58
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na seas

ich bin jemand der kritiken schlecht verbalisieren kann...

aber trotzdem außerordentlich überrascht das die presse film krititk praktischen jeden blockbuster zerreißt und dann RE5 behandelt wie ein ignoriertes meisterwerk.

wieso ? was glaubt ihr?

Re: na seas

presse filmkritiken sind meistens daneben. der film war handlubgsbefreit. ich möchte trotzdem milla kovovic heiraten :D

Re: na seas

"... überrascht das die presse film krititk ...":
Kennen Sie sich mit Deutsch nicht aus, mit Filmen aber schon?

Gast: verwundert
25.09.2012 20:43
2 3

obwohl ich weiß,

dass dieser kommentar wahrscheinlich schnell gesperrt wird, aber: liebe presse, ihr wollt mir doch nicht ernsthaft resident evil: retribution als guten film verkaufen? oder michelle rodriguez als eine mime, die es versteht, einen starken weiblichen charakter darzustellen? oder paul w. s. anderson als unterschätzten regisseur?
tja, klappt leider nicht...

Re: obwohl ich weiß,

grottenschlechter Film mit noch schlechteren Schauspielern! Aber die Erdäpfelgemeration wird trotzdem fest ins Kino rennen!

Re: Re: obwohl ich weiß,

Immerhin gehts da auch nur um Millas Ar ähhh Hintern.


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