Intern: "Einfach Nein sagen"

17.11.2012 | 17:59 |   (DiePresse.com)

Frank Stronach will nicht nur Interviews autorisieren, sondern auch Titel. Die Aufregung ist groß. Man kann übrigens auch Nein sagen.

Drucken Versenden
 
A A A
Schriftgröße
Kommentieren

Auf Facebook und Twitter gehen die Wogen hoch, Anlass ist eine Kolumne von „Datum"-Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner, der die Autorisierungspraktiken von Frank Stronach anprangert. Der Neopolitiker, der sich so gern für Transparenz und Werte starkmacht, verlangt vor jedem Interview von Journalisten, eine Erklärung zu unterzeichnen, das gesamte Interview autorisieren zu lassen. Detailliert hält Stronach fest, dass auch Titel und Einleitung freigegeben werden müssen. Das findet Kaltenbrunner zu Recht empörend.


Leider ist die Autorisierung längst die Regel in Österreich. Da manche Politiker nicht immer druckreif sprechen, gibt es auch Spielraum für Interpretation, daher ist mitunter verständlich, dass der Betroffene das redigierte Werk noch einmal sehen will. Andererseits versuchen Politikersprecher gern, harte oder peinliche Passagen abzumildern oder zu „verbessern" - in diesem Fall kann (und muss) ein Journalist aber auch einfach Nein sagen.


Das haben wir bei Frank Stronach schon zweimal getan: Thomas Prior - einer unserer besten Interviewer - lehnte die Unterschrift vor Monaten ab, verzichtete auf ein Gespräch und schrieb knapp über die sonderbare Praxis. Im August sagten Karl Ettinger und ich Nein zu diesem Knebelpapier. Nach langem Hin und Her einigten wir uns mit Stronach-Sprecherin Kathrin Nachbaur auf folgendes - etwas kindisches - Verfahren: Wir unterschreiben nicht, ich sage ihr kurz vor Andruck am Telefon, was thematisch im Titel steht. Wenn Stronach damit ein Problem hätte, würden wir eben streiten müssen . . . (und notfalls wäre das Interview eben unautorisiert erschienen). Das alles passierte dann gar nicht.


Prinzipiell gehen Freigabewünsche immer weiter; bei Erfüllung würden Journalisten bald zu Pressesprechern. Damit es nicht so weit kommt, sollten wir, statt uns gleich in demokratiepolitische Pose zu werfen, einfach nur höflich Nein sagen. no

 
Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
63 Kommentare
 
12
charles james fox
24.11.2012 12:19
0

braaaaaver nowak



wer so lieb und nett zum onkel frank ist und seine versuche der zensur schönredet kriegt ein paar leckerlis in gestalt von inseraten. vergelt's gott!

nisemodkod
18.11.2012 10:16
1

Greise an die Macht!


fefe
18.11.2012 09:20
5

In Deutschland normal

In Deutschland ist das leider der Normalfall. Die Deutschen lassen alle Interview autorisieren, die halten das für seriösen Journalismus. Richtig: Man muss solche Leute ja nicht interviewen.

Allerdings ist es halt auch nicht ganz unüblich, die nicht Linientreuen mit einer Schlagzeile zu diskreditieren, die nur eine aus dem Zusammenhang gerissene verzerrende Darstellung ist.

Insofern ist es aus Warte des Interviewten auch zu verstehen. Dass das jemand lesen will bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass er etwas zurechtgebogen haben will, sondern vielleicht einfach, dass es nicht verbogen wird, was er gesagt hat. Es kommt also schon auch darauf an, welche Korrekturen dann gewollt werden.

Antworten doc steel
18.11.2012 10:01
6

Re: In Deutschland normal

gäbe es in österreich seriösen journalismus, müsste man sich über solche dinge keine gedanken machen.
aber seriosität ist mittlerweile anscheinend zu einer seltenen vokabel verkommen.

Albert Keinstein
18.11.2012 09:06
4

wer nicht unterschreibt, der fliegt hinaus.

das hatten wir doch schon im reich des stronach:

wer einen betriebsrat wählen will, der fliegt hinaus.

Antworten doc steel
18.11.2012 09:58
1

Re: wer nicht unterschreibt, der fliegt hinaus.

davon lassen sich aber auch nur die sozialpolitisch komplett ungebildeten schrecken, denn sowie ich-und da reichts bereits mündlich - verkundet habe, dass ich als BR kandidieren werde, bin ich unkündbar.
da streit ich auf biegen und brechen und bekomm sofort vom arbeitsgericht recht!
da kann sichnder strohsack franzi mit seiner wildwest-manier gepflegt brausen gehen!

Antworten Antworten Albert Keinstein
18.11.2012 10:37
1

Re: Re: wer nicht unterschreibt, der fliegt hinaus.

das gilt für beide beispiele.

auch ein nowak könnte locker das stronach papierl unterschreiben, es auf einen prozess ankommen lassen und evtl eine geldstrafe von ein paar tausendern zahlen (oder sogar freigesprochen werden wegen widerspruchs zur pressefreiheit, sittenwidrigkeit, o.ä). dafür hätte er wochenlang ein thema, mit dem er seine spalten füllen kann.

doch wie man sieht: er zieht brav den schwanz ein.

Elefantenhirn
18.11.2012 08:50
2

Kein Wunder...

wenn der Hüter der Werte die Aussagen seiner Wert(e)losen lesen möchte, bevor die an's Volk gehen. Er weiß ja, aus welchem Loch die gekrochen kamen!

Parteienzirkus wie gehabt. Die Klubförderung hätten wir uns sparen können...

feee
18.11.2012 08:14
2

unglaublich

was ich zu diesem Thema hier und anderswo lese. Medien und Medienkonsument sollte zu einem Unterrichtsfach im Rahmen der Pflichtschulen werden. die Diskussion ist so undifferenziert und, mit Verlaub, dumm, dass es einem schon die Schuhe auszieht!

roger
18.11.2012 08:09
9

Man muss unterscheiden

zwischen Berichterstattung, Meinung und Interview.

Auf die Berichterstattung sollte es keinen Einfluss geben. Leider merkt man auch hier, dass oft tendenziell bzw. PC berichtet wird. Und wieviel Wohlwollen mit begleitender Werbeeinschaltung "erkauft" wird, sei mal dahingestellt.

"Meinung" sollte klar als solche gekennzeichnet sein. Leider werden oft Meinung und Berichterstattung unzulässigerweise vermischt. Heraus kommt - siehe oben - ein deutlich tendenzieller Artikel.

Das Interview stellt die einzige Möglichkeit des Betroffenen dar, sich einer allfälligen tendenziellen Berichterstattung zu entziehen. Der Interviewte hat daher ein Recht darauf, dass seine Aussagen ungekürzt und ohne Veränderungen wiedergegeben werden. Dass ein Interview "autorisiert" wird, sollte selbstverständlich sein; auch hat es der Interviewte nicht nötig, sich in Überschrift und Einleitung heruntermachen zu lassen.

Bei seriösen Medien wird dieses Theater auch gar nicht nötig sein. Aber wir kennen ja heute unsere Pappenheimer in Österreich.

Antworten Albert Keinstein
18.11.2012 09:00
2

Re: Man muss unterscheiden

"Der Interviewte hat daher ein Recht darauf, dass seine Aussagen ungekürzt und ohne Veränderungen wiedergegeben werden."

sie sollten aufmerksamer lesen und versuchen, den sinn zu erfassen!

GENAU DAS (aussagen ohne veränderung wiedergeben) versuchen politiker wie stronach ja zu verhindern!

Antworten Antworten welt_der_spiegel
18.11.2012 17:48
1

Re: Re: Man muss unterscheiden

Bin selber Journalistisch tätig und ich weiss wieviel Macht man beim Gestalten eines Textes hat. Man kann Sätze leicht aus dem Zusammenhang reissen und seine eigenes Meinung bestätigen lassen. Stronach sollte aber nicht so ängstlich sein - er macht sie nur noch angreifbarer - schade, bald wird er genau vorsichtig reden (versuchen) wie die meisten Politiker- wollen wir wirklich diese aalglatten Politiker - denen man die auswendig gelernt Phrasen sofort anmerkt - für Journalisten sind die fad. die reden von vornherein so kontrolliert, dass sie nachher nicht viel korrigieren lassen müssen

Antworten Antworten fefe
18.11.2012 10:50
5

Re: Re: Man muss unterscheiden

Das ist ja nicht wahr, das unterstellen Sie lediglich. Vielleicht will er einfach nicht falsch zitiert werden, weil es halt nicht so unüblich ist, etwas falsch zu verstehen und daraus eine Schlagzeile zu machen.

Journalisten sollten generell seriös genug sein, das von vornherein nicht zu machen. Wie man sieht, trifft das aber nicht generell zu, wenn es sich um Leute außerhalb der zwei oder drei "erlaubten" Parteien handelt.

nightlife30
18.11.2012 06:42
0

...

autorisieren, oder einfach Medien mit Werbung spnsern?
was ist besser?

Antworten Albert Keinstein
18.11.2012 09:04
1

Re: ...

das beste ist noch allemal:
medien BESITZEN !

Amoigo
18.11.2012 06:10
1

Eigentor

die Journalisten sollen fair und objektiv berichten und Stronach soll aufhören mit dem Blödsinn, dass die allgemeine Presse gegen den Stronach berichtet ist klar, aber das war wohl ein Eigentor von ihm, wenn er das jetzt macht, was wird später passieren, wenn er in einer Regierung sitzt. Sorry Team Stronach so gewinnt man in Österreich keine stimmen.

Antworten welt_der_spiegel
18.11.2012 18:13
0

Re: Eigentor

vielleicht haben Sie diesen Satz überlesen:
"Leider ist die Autorisierung längst die Regel in Österreich."

Er geht nur weiter, was den Titel betrifft.

Josef Bund
18.11.2012 03:39
4

Bitte

um tägliche Photographien des Haargewaltigen. Im Gegenzug wären wir bereit auf begleitend sinnentleertes 'Geschreibsel' zu verzichten.

Es gibt größere Zwerge.


starfish
18.11.2012 00:14
6

unkritischen Journalismus

wie die meisten Poster hier die alles toll finden,was der Mann mit Geld so von sich gibt
so Wähler braucht Stronach

Antworten welt_der_spiegel
18.11.2012 18:20
1

Re: unkritischen Journalismus

Glauben Sie wirklich Journalisten schreiben immer die OBJEKTIVE Wahrheit. Allein dieser Artikel ist schon ein Hinweis. Etwas was die meisten Politiker machen, wird nur bei Stronach zu einem Artikel.
Hab selber für Zeitungen geschrieben und weiss, wie schwer es ist offen und objektiv zu bleiben. Natürlich versucht man seine Meining zu bestätigen. Wieviel Menschen schreiben freiwillig etwas, das Ihre Meinung widerlegt. Und wer eine andere Meinung hat als seien Kollegen, wird den Job auch nicht lange behalten. Allein weil es unangenehm ist

makaberich
17.11.2012 22:40
19

Man muss nur den heutigen Leitartikel lesen ...

.... um die rücksichtslose Manipulation durch Journalisten zu erkennen.
Bravo Stronach! Wenigstens einer mit cojones!

Polis Tyrol
17.11.2012 22:07
22

Traurigerweise

kann ich die Politiker teilweise verstehen. Nirgendwo wird einem das Wort so umgedreht wie in der Zeitung.

Antworten raubritter
18.11.2012 14:19
0

Re: Traurigerweise

Es kommt auf die Wahl der Zeitung/Zeitschrift an und auf die Leser an.
Wer nichts weiß, muß alles glauben.

Antworten Kronland
18.11.2012 12:39
2

Re: Traurigerweise

Die meisten Schreiberlinge wollen Politik machen, ohne einen Funken Verantwortung zu tragen. Bravo Frank Strohnach!

Antworten iggi
18.11.2012 00:19
2

Re: Traurigerweise

schon, nur weiss das der buerger ohnehin. europaweite umfrage reihte die glaubwuerdigkeit von journalisten zwischen politiker und gebrauchtwarenhaendler. als wirklich liberaler sollte strohnach das nicht verlangen. er kann sich ja mit gegenveroeffentlichungen zur wehr setzen.

en garde
17.11.2012 21:42
3

Das ist doch wohl selbstverständlich!

Es ist weithin bekannt, wie Interviews in den Medien zerstückelt und verstümmelt, und Aussagen dem Zusammenhang entrissen, zum Nachteil des Interviewten wiedergegeben werden. Vor allem der ORF ist für seine Manipulationen verrufen. Dass sich Politiker hier absichern, liegt doch wohl auf der Hand. Alles andere (vor allem Oppositioneller) wäre politischer Selbstmord!

 
12

Hiroshima-Gedenken

Umfrage

  • Sind Sie für eine Obergrenze für Barzahlungen?
  • Ja, es verhindert Kriminalität
  • Nein, es ist eine Einschränkung meiner wirtschaftlichen Freiheit
  • Weiß nicht












  • Witze für die Wissenschaft

    Wissenschaftsvermittlung. Internationale Forscher präsentieren politische Witze und erklären die Hintergründe des Phänomens. Das Kabarett Vindobona wird damit erstmals als Bühne für Politikwissenschaft und Soziologie genutzt.

  • Die ersten Wiener jagten Mammuts

    Forscher untersuchten erstmals alle eiszeitlichen Knochenfunde Wiens. Nun wissen sie genauer, wo einst Mammuts lebten. Zugleich gelang ein Nachweis der ältesten Wiener.

  • Improvisation beginnt mit einer Berührung

    Die Dancing Stars folgen einer einstudierten Choreografie. Im Improvisationstanz kommunizieren die Partner über minimale Körpersignale.

  • Besonderer literarischer Aktionsraum

    Slawistik. Die neue Literatur der Kärntner Slowenen ist vielschichtig und wird erstmals in einer Datenbank erfasst. Sie bedient große wie kleine Sprachräume. Herkunft, Identität und Minderheiten sind Themen, aber nicht ausschließlich.

  • Gleich und gleich gesellt sich gern

    Die Zoologin Tanja Kleinhappel untersuchte das soziale Netzwerk von Fischen in England. Ihr Fazit: Wer sich gut riechen kann, verbringt mehr Zeit miteinander.



Jobsuche




>> zur Detailsuche




AnmeldenAnmelden