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Knalleffekt: Wagner verzichtet auf Bischofsweihe

16.02.2009 | 10:27 |  VON DIETMAR NEUWIRTH UND GEORGIA MEINHART (DiePresse.com)

Nach massiver Kritik verzichtet Pfarrer Gerhard Maria Wagner überraschend auf die Bischofsweihe. Der Vatikan nimmt zwei Wochen nach der Ernennung den Rücktritt vor dem Amtsantritt prompt an.

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Gerhard Maria Wagner wird doch nicht Weihbischof der Diözese Linz. Der 54-jährige Pfarrer von Windischgarsten verzichtet fast auf den Tag genau zwei Woche nach seiner Ernennung durch Papst Benedikt XVI. auf das Amt. Als Grund nannte er in einer gestern, Sonntagabend, völlig überraschend veröffentlichten knappen Erklärung die heftige Kritik, auf die er gestoßen war. Der Vatikan hat in einem beispiellosen Blitzverfahren auf diesen in der Weltkirche extrem seltenen Akt reagiert und der Bitte Wagners entsprochen.

Wörtlich heißt es in einer gestern, Sonntagabend, verbreiteten Stellungnahme Wagners:

"Angesichts der heftigen Kritik bin ich im Gebet und nach Rücksprache mit dem Diözesanbischof zu dem Entschluss gekommen, den Heiligen Vater in Rom um Rücknahme meiner Ernennung zum Weihbischof von Linz zu bitten."
Gerhard Maria Wagner

Die Äußerung wurde nur knapp mehr als zwölf Stunden vor dem Beginn eines Krisen-Treffens der Bischöfe veröffentlicht. Kardinal Christoph Schönborn hat dazu einberufen. Thema: die Situation der Kirche im Allgemeinen und jene der Diözese Linz im Speziellen. Nach dem jüngsten Schritt Wagners hat sich nun die innerkirchliche Situation schlagartig entspannt.

Nach der Ernennung des Pfarrers zum Weihbischof gab es Aufrufe zum Kirchenbeitragsboykott, Austrittswellen und eine Art Volksbegehren von oberösterreichischen Pfarrern, die Unterschriften sammeln wollten, um Wagners Weihe zu verhindern. Er war mit reaktionären bis abstrusen Ideen unter anderem zur Homosexualität („heilbar") auf massive öffentliche Kritik gestoßen - auch und vor allem innerhalb der Kirche. Sein Name steht für einen Richtungsstreit: Soll Linz „romtreuer" werden? Oder soll die Kirche demokratischer, liberaler werden?

Progressive Diözese mit konservativem Kern

Oberösterreichs Kirche ist gekennzeichnet durch einen im Bundesländervergleich besonders progressiven Flügel sowie einen gleichfalls besonders streitbaren konservativen Kern. Sieht man in die Statistik, hat die Diözese jedenfalls brave Kirchgänger: 16,4 Prozent der Katholiken besuchen den Gottesdienst, nur die Diözese Eisenstadt bringt es mit 20 Prozent auf einen höheren Anteil.

In vielen Bereichen ist Oberösterreich sogar katholischer Musterschüler: Nirgendwo sonst gibt es in Österreich mehr Firmlinge, Jungschar-Kinder oder Mitglieder der Katholischen Aktion. Trotzdem hat Linz in Rom nicht den besten Ruf. Deshalb soll die Wahl auch ursprünglich auf Wagner gefallen sein, um Linz wieder auf Linie zu bringen. Der Linzer Priesterkreis, dem Wagner angehört, in dem Kurt Krenn verkehrte und der damalige Kardinal Joseph Ratzinger referierte, ist einflussreiches Zentrum der Kritiker. Etwa 15 bis 20 Priester gehören ihm an. Die Erzkonservativen, so Bischofsvikar und Pastoralamtsdirektor Wilhelm Vieböck, seien nicht viele, „schreien aber am lautesten." Dass in Linz progressiver ist als anderswo, glaubt Vieböck nicht: „Hier wird nur mit offenem Visier gekämpft."

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2009)

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834 Kommentare
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Gast: Stefan L.
10.03.2009 17:46
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zum besseren Verstehen

Dem besseren Verstehen ist es dienlich, wenn man nicht in den österreichischen Medien steckenbleibt - lesenswert und empfehlenswert ist dafür www.zenit.org


Gast: Gastx
24.02.2009 00:47
0 0

Intellektuelle

Mag schon ehrenhaft sein, wenn Fleischhacker der Kirche Intellektuelle, Wissenschaftler und Philosophen wünscht. Ihr Gründer hatte immer so seine Auseinandersetzungen mit der Kaste, kurzum er mochte sie nicht so.

Satori
20.02.2009 16:11
0 0

wenn die kirche konservativer

wird dann hat die pius bruderschaft vl mehr chancen!

Antworten Gast: Leser
10.03.2009 17:47
0 0

Re: wenn die kirche konservativer

das was hier gesagt wurde ist grob fahrlässiger (oder boshafter?) Blödsinn

Gast: Zaungast
19.02.2009 19:55
0 0

..im übrigen bin ich der Meinung, dass

Christentum eine Religion der Freude ist!

porter
19.02.2009 12:36
0 0

Wird so in erzkonservativen Kreisen diskutiert?

Wo bekommt man so eine Gesprächskultur beigebracht?

Von franzglaser am 17.02.2009 um 23:03
Merkst du denn gar nichts mehr!

franzglaser am 17.02.2009 um 23:54
Das ist ja erbärmlich! Sind sie überhaupt fähig zu einer Konfrontation?

franzglaser am 17.02.2009 um 23:16
Ihre Beiträge sind mir unsympathisch

Von franzglaser am 18.02.2009 um 09:55
du erkennst IRONie offenbar auch nur, wenn sie dir in Form eines Bügeleisens auf den Kopf fällt

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Infame Lüge

Der Rücktritt des Hw. Herrn Dr. Wagner ist seine Sache.

Aber die Behauptung, dies sei aus "freien Stücken" geschehen, halte ich für eine infame Lüge, die sowohl durch die österreichische Amtskirche wie auch Herrn Dr. Wagner wissentlich verbreitet wird.
Wer seine Ernennung mit dem Spruch „Ich bin einer, der die Konfrontation geradezu sucht“ begrüsst, verzichtet nicht innerhalb von zwei Wochen ''aus freien Stücken'' auf dieses Amt. Wenn ich einem Mitarbeiter eine Aufgabe gebe, akzeptiere ich nicht diskussionslos, das dieser Mitarbeiter mir diese Aufgabe unbearbeitet zurück gibt.

Mit diesem Lügengebäude richten die Herren bei Ihren "Schäfchen" grössren Schaden an, als mit dem Rücktritt oder dem möglichen Amtsantritt.

Antworten Gast: Andreas
16.10.2009 16:52
0 0

Bestellung ist kein Wunschkonzert

Doch, das ist wenn man das Innere der röm.-kath. Kirche kennt durchaus plausibel.

Und rechtlich war seine Bestellung korrekt. Hätte Pfarrer Wagner auf seinen Dispens-Antrag keine Bewilligung erhalten hätte er jetzt den Bischofsdienst zu leisten.

LIFE DABEI
18.02.2009 23:47
0 0

Re: Infame Lüge

Jeder weiss dass der Rücktritt nicht aus freien Stücken erfolgte aber notwendig war er trotzdem. Mit ihrer Ansicht reden Sie sich da in etwas hinein.
Ein 'Lügengebäude' sieht anders aus die Begründung halte ich in solchen Fällen für üblich um dem Betroffenen nicht öffentlich bloss zu stellen.

Ich finde dass Kardinal Schönborn sehr verantwortungsvoll handelte und mit Ausnahme einiger Choleriker das Verständnis der Gläubigen hinter sich hat.

Antworten Antworten Gast: Harry
19.02.2009 23:54
0 0

Re: Re: Infame Lüge

Kardinal Schönborn hat sich in erster Linie vor der Presse verantwortet (und dem ORF) - den Richtern der öffentlichen Meinung. Den Herrn Wagner - so Schönborn - kenne er gar nicht persönlich und hat auch mit ihm noch nie geredet. Dasselbe mit den Dechanten, die Herrn Dr. Wagner in der Konferenz öffentlich ablehnten (Pressemitteilung, gross ausgeschlachtet!) - keiner fand es der Mühe Wert, sich persönlich miteinander oder auseinander zu setzen. Sieht so der Dialog aus, von dem man immer redet? Sich über die Presse gegenseitig was ausrichten? Oder einfach nur versuchen, die Medien zu befriedigen?

raeter
19.02.2009 09:44
0 0

Re: Re: Infame Lüge

Aha, traditionelle Katholiken sind Choleriker. Die Norm sind unsere toleranten, aufgeschlossenen, weltoffenen Mitbrüder/schwestern die nicht einmal einen Weihbischof Wagner aushalten würden. Und wie nett sie ihn gemobbt haben, richtig schwesterlich liebevoll.
Die Pharisäer könnten noch lernen.

LIFE DABEI
19.02.2009 14:50
0 0

Re: Re: Re: Infame Lüge

Wenn Sie sich angesprochen fühlen ist das ihr Problem. Der befreffende Rowdie hier im Forum wird schon wissen dass er gemeint ist. Wer so penetrant wie er argumentiert betreibt Selbstbefriedigung, denn er kann niemand überzeugen aber begeilt sich an der Zustimmung einer kleinen reaktionären Gruppe zu der offensichtlich auch Sie gehören.
Seit wann ist ein Papst sakrosankt ? Hier geht es nicht nur um ihre Kirche sondern auch die meine.

Und zu Wagner: wenn er andere Menschen in den Schmutz zieht ohne im eigenen Saustall auszumisten verdient er nichts anderes. Er könnte sich aber verdient machen und sich um seine pädophilen Brüder kümmern. Liebevoll und tolerant. Da wäre er für die nächsten Jahre voll ausgelastet. So gesehen sind Sie der Oberpharisäer. Wenn solches Tun zu ihrer 'Tradition' gehört dann sind Sie bitte weniger wehleidig denn ihre Ignoranz werden Sie wohl kaum ablegen.


Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Zynicus
22.02.2009 16:26
0 0

Sehen Sie, gerade dieser Geist der "christlichen Liebe",

mit der sie einander hier begegnen, hat mich diesem Verein entfremdet, bis mir schließlich das Kirchensteueramt gar keine andere Wahl, als den Austritt gelassen hat! Katholik ist wirklich nur ein Synonym für Pharisäer!!!

Und das II. Vatikanum war wirklich ein einziger großer Irrweg, denn es hat die Mystik aus der Kirche verbannt und durch die Banalität der "Volkskirche" ersetzt.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Kritiker
02.03.2009 20:18
0 0

Re: Sehen Sie, gerade dieser Geist der

Dem letzten Absatz will ich ausdrücklich zustimmen.
Und hinzufügen: und die Beliebigkeit als Dogma in die Kirche eingeschleust!

Gast: kath
18.02.2009 18:46
0 0

Unchristlich im Zeitgeist?

Erst wenn der letzte Katholik und der letzte Konservative in diesem Lande verschwunden sind, wird man erkennen, wie wertvoll Kirche und Papst für die gesamte Gesellschaft waren.
Die islamistischen und atheistisch-kommunistischen Länder sind anscheinend kein abschreckendes Beispiel solange man sie nicht am eigenen Leib erfährt.

Antworten Gast: Manfred
10.03.2009 17:49
0 0

Zeitgeist versus Heiliger Geist

hier besteht ja ein wesentlicher und
ganz grundsätzlicher Widerspruch

Antworten Gast: Gast
19.02.2009 08:28
0 0

Re: Unchristlich im Zeitgeist?

Aber der letzte Katholik wird nicht so schnell verschwinden, die Altherrenrige der pensionierten Politiker, die sich das Menschenheil auf ihre Fahnen geschrieben hat greift ein. Khol und Busek und andere Opis wollen den Papst christlich machen und den Zölibat abschaffen, dazu gründeten sie eine Bewegung zur Förderung der heiratsfreudigen Pfarrer.Dann gibts genügend Kirchennachwuchs und ein lustiges Leben im Pfarrhof, denn die Kirchensteuer wird nicht abgeschafft. Die Pastoralassistenten kommen auch nicht zu kurz, die verdienen teils besser als die Pfarrer, noch dazu wenn beide Pastis sind. Diese Leute brauchen keinen Papst, der gerade von Schönborn grügt wurde, weil er sein Recht auf Bischofsernennung ohne herumfackeln wahrnahm. Der Papst sieht Korrekturbedarf, was die Kirchenfunktionäre ganz hysterisch machte, denn man ist ja katholisch autonom.

LIFE DABEI
19.02.2009 14:56
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Re: Re: Unchristlich im Zeitgeist?


Also ihre soziale Kompetenz lässt schon zu wünschen übrig. Jetzt wollen Sie den heiratsfreudigen Pfarrern auch noch das Brot wegnehmen.

Und wenn ein Papst einmal einen Fehler macht, lässt das doch nicht den Schluss zu dass wir kein Papsttum brauchen. Ansonsten wären Politiker schon in grauer Vorzeit ihrer Notwendigkeit enthoben worden.


Gast: Gast09
18.02.2009 18:27
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die Stunde

Die Stunde des Kardinals steht noch bevor wenn zur Kenntnis genommen wird wie ér ohne Rückbindung nach Rom die Causa Wagner abgehandelt hat. Mie werdn kan Papst net brauchen, etwas abgewandelter Wienerspruch, der im Vatikan nicht gut ankommt.

raeter
18.02.2009 17:28
0 0

Gelten historische Leistungen der Kirche nichts?

In den letzten Tagen war immer wieder von den Untaten der Kirche(n) zu lesen und was sie sich alles zu schulden kommen haben lassen.

Warum fragt man nicht, wieviel Trost, Hilfe und Heilung arme und verfolgte Menschen in der Vergangenheit durch Kirchen erfahren haben? Ist es nicht logisch, dass es mit einer 2000 Jahre alten Geschichte und weiltweiter Verbreitung teuflische Phasen und Aktionen gegeben hat? Ist das nicht menschlich? Heute wird das Gute der Kirchen/Religion ausgeblendet. Wäre es besser in einer areligiösen Welt zu leben? Der Kommunismus hat es versucht.

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Re: Gelten historische Leistungen der Kirche nichts?

Trost, Hilfe und Heilung ist zwar recht lieb gemeint aber zu wenig, Europa ist durch das Christentum erst kultiviert worden.

Vorher haben da die wildesten Horden geherrscht, bei denen ein Menschenleben überhaupt nichts gegolten hat. Auch das ius romanum (hat zwar tolle Grundsätze aber mehr nicht) ist weit weg von den heute gültigen Menschenrechten.

Philosophisch (wenn schon nicht religiös absichtlich) hat das Christentum als Huckepack die Stoa nach Europa gebracht - und das ist dann auch schon mal was!

Daß die Menschen Sünder sind und nichts geradlinig verläuft - "ich(tm)" hätte "sicher()" auch Murx gebaut.

raeter
18.02.2009 19:36
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Re: Re: Gelten historische Leistungen der Kirche nichts?

Schön, daß Sie meine Ausführungen ergänzen. Ich wollte in meinem Beitrag die persönliche Ebene - z .B. einer österr. Bergbauernfamilie in schlimmen Zeiten - ansprechen.

Daß Kirche und Christentum kulturell Maßgebliches für Europa bewegt haben, wird gerne ignoriert. Mit Vergnügen werden alle dunklen Stellen gesucht und dauerbehandelt.

PS: im übrigen gehen mir die ständigen Entschuldigungen für historische Fehlleistungen ganz schön auf den Wecker.
Klarstellungen sollten reichen.


Antworten Antworten Gast: franz-fan
18.02.2009 19:35
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Re: Re: Gelten historische Leistungen der Kirche nichts?

Mehr Informationen hier.

http://www.dioezese-linz.or.at/kirchenzeitung/index.htm

raeter
18.02.2009 21:01
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Hochachtung!

Was stört Sie daran? Wenn das Franz Glaser ist, dann hat er Respekt verdient, weil er im Gegensatz zu anderen hier - auch im Vergleich mit mir - mit offenem Visier kämpft.


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obwohl ich auch gern mit einer Fachkamera

fotografiere, dieser franz glaser bin ich nicht. Damit da kein Irrtum aufkommt, bitte.

Wenn ich mit der Diezöse Linz zu tun hätte, dann könnte ich mir meine Beiträge auch gar nicht erlauben, bei dem dortigen Filz.

Ich empfehle ein Buch aus der 68-er Ära:
"Die Arbeit tun die anderen" Über die Priesterherrschaft der Intellektuellen, von Helmut Schelsky. Das Buch ist nur mehr antiquarisch erhältlich aber es ist erhältlich (Amazon weiß weiter). Und es ist aufklärend.

Satori
18.02.2009 16:56
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Das Wissen - 3. Vijjā Sutta



Die schlimmen Wege dieser Welt,
die schlimmen Wege jener Welt
Nichtwissen ihre Wurzel ist,
Verlangen, Sucht, wird angehäuft.


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