Gerhard Maria Wagner wird doch nicht Weihbischof der Diözese Linz. Der 54-jährige Pfarrer von Windischgarsten verzichtet fast auf den Tag genau zwei Woche nach seiner Ernennung durch Papst Benedikt XVI. auf das Amt. Als Grund nannte er in einer gestern, Sonntagabend, völlig überraschend veröffentlichten knappen Erklärung die heftige Kritik, auf die er gestoßen war. Der Vatikan hat in einem beispiellosen Blitzverfahren auf diesen in der Weltkirche extrem seltenen Akt reagiert und der Bitte Wagners entsprochen.
Wörtlich heißt es in einer gestern, Sonntagabend, verbreiteten Stellungnahme Wagners:
Gerhard Maria Wagner
Die Äußerung wurde nur knapp mehr als zwölf Stunden vor dem Beginn eines Krisen-Treffens der Bischöfe veröffentlicht. Kardinal Christoph Schönborn hat dazu einberufen. Thema: die Situation der Kirche im Allgemeinen und jene der Diözese Linz im Speziellen. Nach dem jüngsten Schritt Wagners hat sich nun die innerkirchliche Situation schlagartig entspannt.
Nach der Ernennung des Pfarrers zum Weihbischof gab es Aufrufe zum Kirchenbeitragsboykott, Austrittswellen und eine Art Volksbegehren von oberösterreichischen Pfarrern, die Unterschriften sammeln wollten, um Wagners Weihe zu verhindern. Er war mit reaktionären bis abstrusen Ideen unter anderem zur Homosexualität („heilbar") auf massive öffentliche Kritik gestoßen - auch und vor allem innerhalb der Kirche. Sein Name steht für einen Richtungsstreit: Soll Linz „romtreuer" werden? Oder soll die Kirche demokratischer, liberaler werden?
Progressive Diözese mit konservativem Kern
Oberösterreichs Kirche ist gekennzeichnet durch einen im Bundesländervergleich besonders progressiven Flügel sowie einen gleichfalls besonders streitbaren konservativen Kern. Sieht man in die Statistik, hat die Diözese jedenfalls brave Kirchgänger: 16,4 Prozent der Katholiken besuchen den Gottesdienst, nur die Diözese Eisenstadt bringt es mit 20 Prozent auf einen höheren Anteil.
In vielen Bereichen ist Oberösterreich sogar katholischer Musterschüler: Nirgendwo sonst gibt es in Österreich mehr Firmlinge, Jungschar-Kinder oder Mitglieder der Katholischen Aktion. Trotzdem hat Linz in Rom nicht den besten Ruf. Deshalb soll die Wahl auch ursprünglich auf Wagner gefallen sein, um Linz wieder auf Linie zu bringen. Der Linzer Priesterkreis, dem Wagner angehört, in dem Kurt Krenn verkehrte und der damalige Kardinal Joseph Ratzinger referierte, ist einflussreiches Zentrum der Kritiker. Etwa 15 bis 20 Priester gehören ihm an. Die Erzkonservativen, so Bischofsvikar und Pastoralamtsdirektor Wilhelm Vieböck, seien nicht viele, „schreien aber am lautesten." Dass in Linz progressiver ist als anderswo, glaubt Vieböck nicht: „Hier wird nur mit offenem Visier gekämpft."
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2009)

Reformfreudig oder konservativ?: Schönborns Team in der Bischofskonferenz
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