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Diktatur oder Demokratie?

17.06.2009 | 18:08 |  THOMAS SCHMIDINGER (Die Presse)

Die Iraner haben den Kampf aufgenommen.

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Während in Österreich nach der jüngsten Wertewandelstudie von Christian Friesl, Ursula Hamachers-Zuber und Regina Polak ein Fünftel der Bevölkerung nichts dagegen hätte, die Demokratie abzuschaffen, und sich 21 Prozent „sehr gut“ oder „ziemlich gut“ vorstellen können, einen „starken Führer zu haben, der sich nicht um ein Parlament und Wahlen kümmern muss“, kämpft die iranische Bevölkerung genau um jene Freiheiten, die erst zu schätzen weiß, wer sie vermisst.

Wer den Iran kennt, konnte schon seit Jahren eine Diskrepanz zwischen einer im Vergleich zu anderen Staaten des Mittleren Ostens extrem hoch gebildeten, weltoffenen, freiheitsliebenden Bevölkerung und einem Regime feststellen, das seine mangelnde Basis in der Bevölkerung zunehmend mit aggressiver Rhetorik nach außen und stärkerer Repression nach innen wettzumachen versuchte. Trotz dieser autoritären Führung war der Iran eines der wenigen Regimes in der Region, die echte Wahlen zwischen verschiedenen Strömungen der politischen Eliten (im Fall des Iran innerhalb eines vom Wächterrat vorselektierten Spektrums) zuließen. Bislang standen die Resultate bei iranischen Präsidentschaftswahlen im Gegensatz zu fast allen arabischen Staaten keineswegs von vornherein fest. Dass dies bei den jüngsten Wahlen anders war und das Regime mit Unterstützung von Revolutionsführer Khamenei offenbar mit Wahlfälschungen Amtsinhaber Ahmadinejad an der Macht zu halten versucht, wird deshalb von einer breiten Opposition nicht bloß als Wahlfälschung, sondern als „Coup d'état“ betrachtet.

Der dadurch um seinen Wahlsieg gebrachte Mir Hossein Moussavi ist als ehemaliger Ministerpräsident der „Islamischen Republik“ zwar durchaus ein Vertreter des politischen Establishments und sicher kein Fundamentaloppositioneller. Trotzdem hatten ihm viele Iranerinnen und Iraner – auch solche, denen seine Reformvorschläge keineswegs weit genug gingen – einen Wandel zugetraut. Dass es nicht egal ist, welche Regimefraktion die Oberhand behält, wurde vielen Oppositionellen erst nach dem Wandel vom Reformer Khatami zu Ahmadinejad schmerzhaft bewusst. So gingen diesmal auch jene wählen, die bei den letzten Wahlen von Khatami enttäuscht die Wahl boykottiert hatten. Nach der ersten Amtszeit Ahmadinejads wollten sie nun den amtierenden Präsidenten loswerden. Dass diese Votum vom Regime einfach durch massiven Wahlbetrug ausgehebelt wurde, erzürnt seit Tagen nicht nur in Teheran, sondern auch in den anderen Städten des Landes die Massen.


Lebenszeichen der Opposition

Zu welchem Resultat die Demonstrationen führen werden, lässt sich noch nicht sagen. Fest steht, dass es seit der Revolution vor 30 Jahren keine vergleichbaren Lebenszeichen einer demokratischen Opposition mehr gegeben hat. Zugleich verfügt Ahmadinejad jedoch nicht nur über die bewaffnete Staatsmacht, sondern durchaus auch über Anhänger, die er gegen die Opposition aufmarschieren lässt. Für den Erfolg der Demokratiebewegung – die längst über die Anhängerschaft Moussavis hinausgeht – wird damit entscheidend sein, ob sie es schafft, auch unter den ärmeren und ländlichen Bevölkerungsschichten Unterstützung zu finden. Genau dort, wo Ahmadinejad durchaus noch über Anhängerschaft verfügt.

Die mutigen Proteste im Iran führen jedenfalls zwei in Europa kursierende Positionen ad absurdum: einerseits die „antiimperialistische“ Unterstützung für Ahmadinejad, andererseits jene Kulturkrieger, die von vornherein nur von einem „pseudo-oppositionellen Kandidaten“ sprachen. Beide werden nun von der iranischen Bevölkerung eines Besseren belehrt. Die heterogene Protestbewegung demonstriert und kämpft nämlich keineswegs primär für Moussavi, sondern für ihre „verschwundenen Stimmen“, das heißt für Demokratie!

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2009)

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5 Kommentare
Gast: Dietmar
21.06.2009 15:12
0 0

Demokratie ist in....

Wenn 21% der Österreicher nichts
gegen einen Führer haben,der ja auch
unserer einmal war und halb Europa
darunter gelitten hatte,haben die
meisten nichts verstanden,was Freiheit
bedeutet.
Die Iraner haben verstanden,was
Demokratie ist und sich lohnt
dafür zu kämpfen.
Hut ab vor dieser jungen Generation.
Sie weiß was Freiheit bedeutet.
Deshalb unterstütze ich Ihren Freiheitskampf.
Kirche und Staat sollten getrennt bleiben.
Wenn man die Geschichte des Altertums
verfolgt bis in die Neuzeit sind die
meisten Kriege durch Andersartigkeit der
Religionen entstanden,weil angeblich der eine die gerechtere Religion hatte.
Deshalb wünsche ich den iranischen Volk,
das die Mullahs abdanken und eine
wirkliche Demokratie installiert wird.


Gast: Demokratin
18.06.2009 09:06
0 0

Diktatur versus Demokratie

Die Österreicher wollen Diktatur,
die Iraner wollen Demokratie.

Ein pragmatischer Vorschlag für den Weltfrieden: jenes 1/5 der Österreicher, welches die Demokratie verabscheut, soll in den Iran auswandern,

und die iranischen Demokraten kommen hier her.

Österreich wäre dann ein lebenswerteres Land, mit besserem Essen und überhaupt irgendwie weniger provinziell und öd, und das iranische Mullah-Regime bekommt die Wahnsinnigen, die es verdient. Und alle sind glücklich.

Könnte man das einfädeln?


Antworten Gast: gast
18.06.2009 11:03
0 0

Re: Diktatur versus Demokratie

Die Österreicher haben Demokratur ..

Beispiele gefällig ?

Gast: Franzose
17.06.2009 22:54
0 0

Es war Wahlfälschung ....

Es war Wahlfälschung: die ersten Verlautbarungen der iranischen Innenministeriums sprachen von einem eindeutigen Sieg von Moussavi, auch in einer zweiten Verlaufbarung wurde diese bestätigt.
Zudem deuteten Umfragen unter den Leuten, die gewählt hatten, auf einen eindeutigen Sieg von Moussavi hin.
Erst dann in der Nacht wurden die Ergebnisse plötzlich umgedreht. Auf Anweisung des Herrn Geistlichen Führers Khameini, der noch ein größer Faschist ist als Ahmadinejad.
In den österreichischen Medien wurde da leider nicht so klar und verspätet über die Wahlfälschung berichtet. In den französischen Medien aber sehr klar und sofort.

diogenes
17.06.2009 19:09
0 0

offenbar mit Wahlfälschungen?

Woher nimmt Herr Schmidinger diese Feststellung.
Nur weil sie ihm so in den Kram passt, oder eine grössere Zahl von Krakehlern es behauptet?

Natürlich schreit der Unterlegene wenn er nicht gesiegt hat, aber gleich einzustimmen ist doch etwas gewagt.


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