Foodora-Zusteller in Österreich gründen Betriebsrat

Die Fahrradzusteller des Essenlieferers wollen eine Vereinbarung, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Das Unternehmen könnte sich einen Kollektivvertrag für Radboten vorstellen.

A bicycle and a delivery bag with the logo of Foodora a Berlin-based online food delivery company is seen in Paris
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A bicycle and a delivery bag with the logo of Foodora a Berlin-based online food delivery company is seen in Paris
Betriebsrat gegründet – REUTERS

Das Geschäft mit der Essenszustellung boomt, die Fahrradzusteller müssen dafür oftmals mehr als 50 Kilometer pro Tag abspulen. Nun haben die Fahrer des Essenslieferdienstes Foodora in Wien Ende März einen Betriebsrat gewählt. "Wir wollen bessere Arbeitsbedingungen schaffen, etwa Zuschläge für die besonders anstrengenden Dienste im Winter", sagte die Betriebsratsvorsitzende Adele Siegl.

Die Betriebsratsgründung bei Foodora in Wien könnte auch eine Signalwirkung für andere Länder haben, etwa im Heimatmarkt Deutschland. Im Herbst 2016 streikten die Foodora-Fahrer in Italien, weil dort anstatt eines Stundenlohnes nur mehr pro Auftrag bezahlt wird.

In Österreich lief die Foodora-Betriebsratsgründung ohne Komplikationen ab und wurde von der Gewerkschaft gelobt. "Wir wertschätzen die Haltung der Geschäftsführung von Foodora, die sich kooperativ verhält. Aus Erfahrung wissen wir, dass auch der Arbeitgeber von der Betriebsratsgründung profitieren wird", so Karl Delfs, Bundesfachsekretär des vida-Fachbereichs Straße. "Im ersten Moment gab es Bedenken, die von Unerfahrenheit bezüglich des Zusammenspiels geschürt waren. Nachdem klar wurde, dass die Bewegung voranschreitet und zusätzliche Informationen eingeholt wurden, waren die Erstbedenken überwunden", erklärte Foodora-Standortleiter Nikolas Jonas. Es habe dann "erste produktive Schritte" gegeben.

"Kollektivvertrag für Radboten per se wäre spannend"

Die Gewerkschaft will nun einen Diskussionsprozess zur kollektivvertraglichen Absicherung für die gesamte Branche der Fahrradzusteller in Österreich starten. "Ein Kollektivvertrag für Radboten per se wäre spannend, und aus jetziger Sicht wertungsfrei zu beurteilen da wir punkto Kollektivvertrag bereits proaktiv aufgestellt sind. Eine Übereinkunft zwischen Betriebsrat und Firma sollte die restlichen, noch offenen Punkte, abdecken", hieß es dazu von Foodora.

Aufgrund geringerer Auslastung im Frühjahr - bei schönem Wetter sinken die Bestellungen - hat Foodora kürzlich die Zahl der Fahrer und Fahrerinnen in Wien von 375 auf knapp 300 gesenkt. Der Jobabbau hat zu großem Unmut unter den Zustellern geführt. Foodora beschäftigt nun nach eigenen Angaben knapp unter 100 Fahrer als Voll- und Teilzeitkräfte sowie geringfügig Beschäftigte und hat außerdem rund 200 freie Dienstnehmer. Die Foodora-Zusteller müssen ihr eigenes Fahrrad verwenden und für das bei der Arbeit verbrauchte Smartphone-Datenvolumen selbst aufkommen.

Vier Euro Stundenlohn plus Provision

 

Ein als freier Dienstnehmer beschäftigter Foodora-Fahrradbote erhält vier Euro pro Stunde und zwei Euro pro Essensbestellung. Für Angestellte (geringfügig, Teilzeit, Vollzeit) liegt die Bezahlung bei 7,58 Euro pro Stunde und 0,60 Euro pro Bestellung. Die Bezahlung ist an den Kollektivvertrag der Kleintransporteure angelehnt, es gibt derzeit noch keinen Kollektivvertrag für Fahrradboten.

 

"Da reguläre Dienstverhältnisse an starrere Bedingungen gekoppelt sind, ermöglicht uns die Kategorie der freien Dienstverhältnisse die notwendige Flexibilität. Innerhalb dieses Rahmens werden die regulären Anstellungsverhältnisse gestaltet und sofern möglich ausgebaut", sage Foodora-Standortleiter Nikolas Jonas zur APA. Der Betriebsrat will nun mit der Wiener Foodora-Geschäftsführung eine Betriebsvereinbarung ausverhandeln, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Start-up macht Verluste

 

Über die Foodora-Webseite und Smartphone-App kann man Essen von ausgewählten Restaurants bestellen und derzeit in die Wiener Bezirke 1010 bis 1090, 1150 und 1180 bis 1200 liefern lassen. Die Mindestbestellmenge beträgt 15 Euro plus 3,50 Euro Zustellgebühr. Der Gastronom muss rund 30 Prozent der Bestellsumme an Foodora als Provision abliefern. Zu Beginn einer Schicht sammeln sich die Fahrradboten an vier Standorten in Wien, ein Algorithmus leitet dann laufend die Essensbestellungen an die Smartphone-App der Fahrer weiter. Die Bewegungsdaten der Foodora-Fahrradboten werden minutiös getrackt.

 

Foodora wurde im Herbst 2014 in München gegründet und ist derzeit in 55 Städten in zehn Ländern aktiv. Der Fahrrad-Essenszusteller gehört zur Onlinelieferdienst-Gruppe Delivery Hero, die einen Börsengang anvisiert. Laut "Manager Magazin" lag der Verlust der gesamten Foodora-Gruppe zuletzt zwischen 5 und 6 Mio. Euro im Monat.

 

(APA)

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