Am Ende des Perm, vor 251Millionen Jahren, erhielt das Leben den härtesten aller Schläge, 96Prozent aller Arten im Wasser verschwanden, 70Prozent derer am Land. Und als sich alles wieder erholte, sah es anders aus: Im Perm wurde die Erde von Synapsiden beherrscht, Reptilien, aus denen sich vermutlich (später) die Säugetiere entwickelten. Zwar überlebten auch Synapsiden, aber breitmachten sich im nächsten Kapitel der Erdgeschichte, dem Trias, andere: Archosaurier – aus ihnen wurden die Dinosaurier und aus denen vermutlich die Vögel – und Krokodile.
Was verschob die Gewichte? Die Ursache des großen Sterbens ist nicht geklärt, manche Forscher deuten auf den „sibirischen Trapp“, eine meterdicke Basaltschicht, die eine Fläche in der Größe der EU (vor der Osterweiterung) bedeckt. Sie quoll um die Perm-Trias-Grenze beim größten aller Vulkanausbrüche aus der Erde. Der füllte auch die Luft, mit CO2, die Temperaturen stiegen in kurzer Zeit um sechs Grad.
Aber das kann es wieder nicht gewesen sein, zumindest nicht direkt: Auch viele Pflanzen verschwanden, obwohl ihnen die höheren Temperaturen nichts ausmachten. Was war es dann? Einen Hinweis geben die Überlebenden: Es waren Arten mit hoch effizienter Atmung. Die brauchten sie schon früher: Etwa zehn Millionen Jahre vor dem Massensterben wurde die Luft dünn. Der Sauerstoffgehalt sank von 30Prozent auf 13 – heute sind es 21 –, es könnte eine Nebenfolge der Erwärmung gewesen sein: Sümpfe trockneten aus, der eingelagerte Kohlenstoff wurde oxidiert, mit Sauerstoff aus der Luft.
Leben in dünner Luft
Dort fehlte er, aber manche kamen gut damit zurecht – so wie heute die Vögel: Sie können in Lüfte steigen, in denen Säugetiere ersticken würden. Schwäne sind in elf Kilometer Höhe gesichtet worden, Menschen können auf Dauer nur unter 5,1Kilometer leben. Das liegt an unserer Lunge. In ihr strömt die Luft durch astförmige Verzweigungen bis in die Spitzen, dort geht der Sauerstoff ins Blut hinein und das CO2 heraus, das strömt auf dem gleichen Weg zurück.
Bei Vögeln hingegen werden die Austauschstellen dauernd in einer Richtung von Luft überströmt, sie verlieren mit dem Ausatmen keine Zeit. Ob es bei den Dino-, gar den Archosauriern auch so war, ist umstritten. Nun spricht etwas stark dafür: Bei Krokodilen ist es so. C.G.Farmer (Utah) hat es in aufwendigen Experimenten – an lebenden Alligatoren (sie gehören zu den Krokodilen) und an toten, denen markiertes Wasser durch die Lungen gepumpt wurde – gezeigt. Krokodile haben sich vor 246Millionen Jahren von den Archosauriern getrennt, vermutlich atmeten also auch die so: „Das Design der Lunge mag die Schlüsselrolle beim Austausch der Synapsiden durch die Archosaurier gespielt haben“ (Science, 327, S.338).