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Was passiert, wenn die Erde bebt

23.01.2010 | 18:33 |  von Martin Kugler (Die Presse)

Eine Wanderausstellung vermittelt auf exzellente Weise allerlei Wissenswertes über Erdbeben.

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„...den 27ten February früh vor 3 Uhr haben mir alhier und in gantz österreich ein Erschröckliches Erdbidem gehabt...“ Dieses Zitat aus dem „Gemein Buch der Herrschaft Guettenbrunn“ aus dem Jahr 1700 zeigt eindrucksvoll, dass keine Region der Welt vor schweren Erdbeben sicher ist. Selbst Niederösterreich, das als geologisch ziemlich ruhige Region gilt, erlebte in der Geschichte schon Schlimmes – vor allem im Jahr 1590, als Neulengbach und Umgebung von heftigen Erdstößen erschüttert wurden. Diese waren auch in Wien deutlich zu spüren, die Türme der Michaeler- und der Schottenkirche stürzten damals zum Teil ein.

Dieses Ereignisses wird an einer markanten Stelle in der Ausstellung „Wenn die Erde bebt“ gedacht, die derzeit im Naturhistorischen Museum in Wien zu sehen ist. Dass die Schau fast gleichzeitig mit dem katastrophalen Erdbeben in Haiti eröffnet wurde, ist schlicht Zufall: Die Schau wurde schon vor Längerem als Beitrag Österreichs zum „Internationalen Jahr des Planeten Erde“ konzipiert. Es spricht für das Pietätsgefühl des Museumsmanagements, dass man die Schau – die aktueller nicht sein könnte – nicht offensiv bewirbt. Man erfährt eher zufällig von ihr. Was aber sehr schade ist, denn „Wenn die Erde bebt“ ist wirklich sehenswert.


Erdbebenmaschine. In sechs Abteilungen wird allerlei Wissenswertes über das Phänomen Erdbeben geboten. Am Beginn stehen die Zerstörungen und die Schrecken – inklusive Video von den Tsunami-Wellen 2004 im indischen Ozean. In der Folge wird Grundwissen über die Seismologie vermittelt. Spannend ist etwa ein Seismograph, mit dem live die Schritte der Ausstellungsbesucher gemessen und auf Computer-Displays sichtbar gemacht werden.

Was kaum jemand weiß: Österreich spielt in der Seismologie ein wichtige Rolle. So ist Wien beispielsweise das Datenzentrum des internationalen Netzwerkes CTBTO, das zur Überwachung von Atombombenversuchen eingerichtet wurde.

Das Messen der verschiedenen Arten von Erdbebenwellen ermöglicht ein Verständnis der Vorgänge im Erdinneren. Ein wichtiger Mechanismus wird in einer „Erdbebenmaschine“ gezeigt: Dort reiben zwei Steinplatten aneinander, eine davon rutscht hin und wieder und löst ein kleines Beben aus. Hier wird deutlich, warum es in manchen Regionen der Erde Erdbebenzyklen gibt, warum es also dort immer wieder zu Erdstößen kommt.

Verlässliche Warnungen vor Erdbeben sind kaum möglich, man muss daher mit den Erschütterungen leben. Und man muss sich gut auf sie vorbereiten. Etwa durch wohlüberlegte Architektur: In Modellen wird gezeigt, wie mit innovativen Methoden – etwa einem Pendel oder mit Wasser in kommunizierenden Röhren – Wolkenkratzer stabilisiert werden können.

Und auch wie man Gebäude für das Leben nach der Katastrophe planen kann – damit rasch Unterkünfte für obdachlos gewordene Menschen zur Verfügung stehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2010)

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