Das Mantra vom „Wasser auf dem Mars“, mit dem die Nasa immer neue Missionen zum Nachbarn akquiriert, bekommt Konkurrenz: „Methan auf dem Mars“ ist der neue Schlachtruf. Er zielt in die gleiche Richtung: So wie (flüssiges) Wasser eine Bedingung des Lebens ist, ist Methan ein Produkt des Lebens; viele Bakterien erzeugen es, in Rindermägen etwa und in Böden.
Aus denen steigt es auch auf dem Mars. Das muss nicht Leben bedeuten, Methan kann auch geologisch gebildet werden. Aber die Aufregung war groß, als 2003 die europäische Sonde „Mars Explorer“ in der Atmosphäre Spuren des Gases entdeckte. Sie wurde noch größer, als sich 2006 in den gleichen Regionen kein Methan mehr fand; irgendetwas musste es zerstört haben. Immerhin konnte man errechnen, dass Methan (im Bild rot) in der Marsatmosphäre 200 Tage „lebt“, hunderte Male kürzer, als alle Modelle der Marsatmosphäre prognostizieren. Raina Gough (University of Colorado) vermutete die Ursache im Marsboden. Sie baute ihn im Labor nach, aber das Methan verschwand nicht. Noch geheimnisvoller ist der Ursprung des Gases. Methan kann geogen sein, bei der Reaktion von Olivin mit Wasser entstehen. Es kann aber auch biogen sein, selbst in extremen Habitaten: Man hat in salzigen Wassereinschlüssen im Permafrost der Arktis Bakterien gefunden, die Methan produzieren. Frei wird es beim Schmelzen. Auf einen ähnlichen Prozess deuten Beobachtungen des Mars Express am Nordpol und im Frühjahr des Mars. Aber mit dem Keck-Teleskop auf Hawaii konnte man nichts sichten. Klären könnte man es nur auf dem Mars: Die nächste Nasa-Mission, das Mars Science Laboratory, das kommendes Jahr startet, hat ein Laser-Spektrometer, das Isotope unterscheiden kann, etwa die des Kohlenstoffs im Methan. Fände es das leichteste stabile Isotop, 12C, würde das stark für eine biologische Quelle sprechen (Nature, 463, S.420). jl[Nasa]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2010)













