Vor 230 Millionen Jahren übernahmen nach bisheriger Sicht die „schrecklichen Echsen“ („Dinosaurier“) das Regiment, sie sahen aus wie Miniaturen des späteren T.rex, waren Jäger auf zwei Beinen. Deshalb stellte man sich auch ihre engsten Verwandten lange so vor, die Silesaurier, die ihren Namen vom ersten Fundort haben – Schlesien – und mit den Dinosauriern in etwa so eng verbunden waren, wie wir es mit den Schimpansen sind.
Aber sie gingen auf allen vieren, und sie waren Vegetarier oder zumindest Allesfressser, das zeigt der erste Silesaurierfund in Afrika, in Tansania. Dort lagen 14 Individuen nebeneinander (und neben Krokodilen), jedes einen halben bis einen Meter hoch, einen bis drei Meter lang, zehn bis 30 Kilo schwer. Die Ausgräber um Sterling Nesbitt (Columbia University) gaben ihnen den Namen Asillisaurus kongwe, „kongwe“ steht im regionalen Swahili für „alt“.
Das sind sie, sie lebten vor 240 Millionen Jahren, sind damit zehn Millionen Jahre älter als die ältesten (bisher gefundenen) Dinosaurier. Sie können aber nicht älter als die Dinosaurier sein, da sie ihre engsten Verwandten sind und beide von einem noch unbekannten gemeinsamen Ahnen abstammen. Vermutlich kam die Trennung vor 245 Millionen Jahren, ganz früh im Trias.
Die zweite Überraschung zeigte sich eben im „bauplan“ (so heißt er auch auf Englisch), dem vierfüßigen Gang und den Mäulern und Zähnen, die auf Vegetarismus deuten: Die Asillisaurier hatten sich vermutlich in kurzer Zeit – zehn Millionen Jahre – vom Jagen auf Weiden umgestellt. Zwei Dinosaurierlinien taten das auch. Warum? Ein Ökosystem kann mehr Pflanzen- als Fleischfresser ernähren, vermuten die Forscher, und: Wer viele Nischen nutzen kann, lebt lange. Die Dinosaurier brachten es auf (mindestens) 180 Millionen Jahre. (Nature, 464, S.95) jl