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Erdkunde: Saurier gingen auf einen Schlag

04.03.2010 | 18:28 |  JÜRGEN LANGENBACH (Die Presse)

Die Ursache des Massensterbens vor 65 Mio. Jahren war der „giant impact“ von Chicxulub, versichert die Forschermehrheit. Aber es gibt ein neues Rätsel.

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Der riesige Brocken, der vor 65 Millionen Jahren bei Yucatan in die Erde bzw. das Meer fuhr – er hatte zwölf Kilometer Durchmesser, kam mit 20 Kilometer pro Sekunde und setzte eine Milliarde Mal so viel Energie frei wie die Bombe von Hiroshima –, muss von Süden gekommen sein. Das ist das jüngste Detail in der unendlichen Geschichte des Massensterbens, das die Kreidezeit beendete und mit ihr die Herrschaft der Saurier.

Lange galten Vulkane als Ursache, dann, vor 30 Jahren, fanden Vater und Sohn Alvarez, ein Physiker und ein Geologe, in Italien etwas, was vor 65 Millionen Jahren in die Erde geraten war, viel Iridium. Das ist auf der Erde selten, in Asteroiden häufig, es musste von einem Einschlag stammen, einem „giant impact“. Die Hypothese fand wenig Gehör, man kannte keinen passenden Krater. Dessen Spur fand sich 1985 in Texas: Vor 65 Millionen Jahren wütete ein Tsunami, er war aus der Karibik gekommen. Und dort, an der Küste Yucatans, fanden Erdöl-Bohrer Anfang der 90er-Jahre den Krater, Chicxulub, 180 Kilometer Durchmesser, 30 Kilometer Tiefe.

 

Gegenhypothese: Vulkane

Nun setzte sich der „giant impact“ durch, fast alle teilen die Hypothese. Aber manche stören den Frieden, vor allem Gerta Keller (Princeton) trägt seit Jahren zusammen, was gegen den „giant impact“ spricht. Das liegt in den Sedimenten beim Einschlagsort, sie zeigen ein anderes Bild: Chicxulub kam 300.000 Jahre vor dem Iridium und dem Massensterben. Keller vermutet einen zweiten Einschlag und, vor allem, wieder Vulkane: 600.000 Jahre vor dem Massensterben öffnete sich in Indien (Deccan) die Erde und spie und spie, neben kochendem Gestein SO2 und CO2. Ersteres brachte sauren Regen und schattete die Erde ab, aber auf Dauer wurde es doch wärmer, die CO2-Wirkung überwog. Diese Vulkane waren noch während des Massensterbens aktiv.

Das wiederholt Keller bei jeder Gelegenheit, nun liegen die Nerven so blank, dass das Imperium zurückschlägt: 41 Experten – unter ihnen Christian Köberl, Uni Wien und bald Direktor des Naturhistorischen Museums – mustern noch einmal alles durch und schließen, „dass der impact von Chicxulub das Massensterben auslöste“ (Science, 327, S.1214). Und die 300.000 Jahre älteren Zeichen in Chicxulub-Sedimenten? „Wenn man die Sequenz der Ereignisse entwirren will, ist der letzte Ort der Erde, auf den man schauen sollte, der beim impact, wo die Sedimente am stärksten durcheinandergebracht wurden“, erklären die Forscher und suchen einen klareren Blick aus der Distanz: Die Iridium-Anomalie gibt es rund um die Erde, und das Auswurfmaterial nimmt mit der Entfernung von Chicxulub stetig ab.

Auch die Aussterbemuster passen dazu, am stärksten litt Nordamerika. Aber es gibt ein neues Rätsel, Timothy Bralower (Penns) hat es bemerkt: Nicht nur die großen Saurier auf dem Land verschwanden, sondern auch das winzige Plankton in den Meeren, 93Prozent der Arten gingen. Aber in den nördlichen Meeren gingen viel mehr als in den südlichen, im Norden brauchten die Überlebenden auch viel länger zur Erholung. Für Bralower gibt es nur eine Erklärung: Schwermetalle. Der impact muss sie nach Norden geschleudert haben, also muss er von Süden gekommen sein (Nature Geoscience, 1.3.).

Das findet nicht nur Anklang: „Die Ozeane sind ein einziger“, kritisiert Steven D'Hondt (Rhodes Island): Nach tausend Jahren hätten sich die Schwermetalle verteilt, auch in den Süden (Naturenews, 28.2.).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2010)

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15 Kommentare
Gast: Deutschmeister
05.03.2010 10:17
1 0

Erdkunde: Saurier gingen auf einen Schlag

Im Gleichschritt?

Murray
05.03.2010 09:59
1 0

Deus ex machina

Cool, immer wenn Paläontologen und Biologen mit ihrem Latein am Ende sind, fällt ein Metorit runter und liefert die fehlende Erklärung. Das ist zwar nichts weiter als das Äquivalent zur Sintfluterzählung, jeder derartige Hinweis zählt aber als Häresie.

Antworten Victor B.
06.03.2010 08:07
0 0

Re: Deus ex machina

Wie schon weiter unten: Belege für Ihre Unterstellungen?

Äquivalent ist das keinesfalls, die Idee eines Einschlages kommt nicht von irgendwoher: Erstens gab es solche Einschläge ( http://de.wikipedia.org/wiki/Einschlagkrater für ein paar Bilder). Zweitens können große Einschläge Verheerende Auswirkungen haben, bis zu Massensterben. Drittens gibt es ensprechende Hinweise auf einen solchen Einschlag.

Alles im Rahmen der Naturwissenschaft.

Antworten Antworten Birgit 68
08.03.2010 15:12
0 1

Re: Re: Deus ex machina

Sie unterstellen also, die biblische Sintflut hätte es nie gegeben, und es gäbe nur neuzeitliche Sintfluten, die man Tsunamie nennt?

Gast: little_brother_is_watching_you_too!
05.03.2010 04:12
0 0

am aussterben der saurier...

... sind sicher die nazis schuld! oder vielleicht doch die ausländer?;-)

0 0

und warum darf nur ein einzelnes Ereignis verantwortlich sein?

fast alle Unfälle und die Auswirkungen vieler Katastrophen sind nur der Gipfelpunkt einer Verkettung von unglücklichen Umständen.

Was mir in diesen Diskussionen auch immer fehlt: jedes Jahr werden wir von einer neuen Pandemie bedroht, gab es die zu Zeiten der Dinosaurier mangels pharmazeutischer Industrie noch nicht?

Die übliche Auswahl Vulkan oder Einschlag ist ein bisserl fad. Warum nicht Einschlag, der beutelt die Erde kräftig durcheinenander, ein paar Vulkane toben sich befreit aus und die gestressten Viecher erliegen dem nächsten Schnupfen

Justin
04.03.2010 22:01
4 1

Ihr Narren!

Dinosaurier lebten vor etwa 5.000 Jahren friedlich im Garten Eden mit den Menschen zusammen.
Der Krater ist eine Versuchung Satans, um euch vom rechten Wege abzubringen und die Seele für Verirrungen zu öffnen.

Wenn der Einschlag aber Gottes Werk gewesen wäre, so hätte er uns in der Bibel davon berichtet.
Hat er aber nicht, genausowenig wie er von der Antibabypille berichtete, weshalb diese ebenfalls ein Werk Satans ist.

Antworten Birgit 68
08.03.2010 15:29
0 0

Re: Ihr Narren!

Blöderweise ist diese geplante Verirrung der Seele aber schief gegangen und bloß die Dinosaurier sind ausgestorben.
Den Menschen gibt es immer noch.
So ein Pech aber auch!

Spaß beiseite.
Das Fehlen eines Berichtes über neuzeitliche Themen wie das der Verhütung, zeigt auf wie modern die Bibel ist.
Die Bibel legt gar keinen Wert auf Vollständigkeit und will ausgelegt werden. Man muss eben abstrahieren.
Da die kath. Kirche ihren Gläubigen das aber offensichtlich nicht zutraut, übernimmt sie das jetzt für uns, und behauptet z. B., es gäbe keine Wiedergeburt.
Aber wie lässt sich das Fegefeuer besser erklären, als mit der Wiedergeburt?

Antworten Gast: Hl. Simplizius
05.03.2010 10:24
0 1

Re: Ihr Narren!

Ja Herr/Frau Justin, Sie tragen schon gute theologische Ansätze in sich! Sie können Ihr theologisches Verständnis aber noch erweitern, wenn Sie z.B. eine Kinderbibel lesen. Da ist mit vielen Bildern und einfachen Texten erklärt wie man die Bibel noch besser verstehen kann.

Antworten Gast: speibender regenbogen
04.03.2010 22:47
0 0

Re: Ihr Narren!

du vergißt kirillipututibalobogedeng, der großvater adams, der hätte davon berichten können. leider kam er beim einschlag selbst ums leben...

demedici
04.03.2010 21:19
0 1

Niemand war dabei

Ich finde es immer ungeschickt, wenn sich jemand so auf eine These versteift, dass er sie praktisch zur Religion erklärt und nur diese als einzige Meinung zulässt.
Faktum ist, niemand weiß wie und warum die Dinos ausgestorben sind. Es gibt Thesen dazu, manche logischer, andere weniger logisch, manche lassen sich besser untermauern, andere wieder weniger, und that's it.

Antworten Victor B.
05.03.2010 01:06
0 0

Re: Niemand war dabei

Beleg für Ihre Unterstellungen? Ich sehe nichts!

PS: "Niemand war dabei" ist ziemlich entlarvender Unsinn. Wenn im Wald ein Baum umfällt, dann liegt er am Boden. Egal ob jemand zugesehen hat.

Antworten Antworten Birgit 68
08.03.2010 15:34
0 0

Re: Re: Niemand war dabei

So ein gescheiter Ausspruch von Ihnen?

Das hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut!

Sind Sie es oder sind Sie es nicht?

Antworten Antworten Gast: Gruener Kakadu
05.03.2010 04:06
0 0

Re: Re: Niemand war dabei

Dass er umgefallen ist, ist schon klar. Die Frage ist nur, was ihn zu Fall gebracht hat.

Antworten Antworten Antworten Victor B.
09.03.2010 09:14
0 0

Metapher nicht verstanden?

Der Felsbrocken ist der Baum. Von denen liegen einige auf der Erde herum. Kann man auch persönlich begutachten, wie den hier: http://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%B6rdlinger_Ries

Ich verstehe echt nicht, wo euer aller Problem ist.


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