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03.05.2010 | 17:23 |   (DiePresse.com)

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Ein Rauchverbot mit Löchern
Seit 1. Mai gilt in der Schweiz ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen. Viele Ausnahmen sorgen aber für Verwirrung.
Carola Schneider
Die meisten Schweizer Tabakliebhaber hätten sich wohl einen freundlicheren Empfang in das neue Zeitalter des Rauchverbots gewünscht. Am Zürcher Bellevue, einem von Cafés gesäumten Platz mitten in Zürich, stehen sie an diesem Wochenende missmutig im strömenden Regen, denn seit dem ersten Mai dürfen sie ihrem Laster nur mehr im Freien frönen. Das Rauchverbot sei eine Beschneidung der Freiheit, kritisiert ein junger Mann, und eine ältere Dame schimpft, die neuen Bestimmungen seien schlichtweg eine Schikane. Auch Raucher hätten mehr Toleranz verdient. Im Innern der Lokale hingegen überwiegen die positiven Stimmen. Im Café Odeon etwa, wo bisher dicke Rauchschwaden hingen, meint ein Gast, nun könne er endlich seinen Kaffee ohne lästigen Tabakgeruch geniessen und ein junger Mann betont, er nehme das Verbot zum willkommenen Anlass, mit dem Rauchen aufzuhören. Auf grosse Skepsis stösst das neue Gesetz jedoch bei den Wirten. Steffen Schreiber, der stellvertretende Geschäftsführer des Cafés, rechnet damit, einige rauchende Gäste zu verlieren. Er hoffe nun, dass im Gegenzug jene häufiger vorbei schauten, die das Lokal bisher wegen des Tabaknebels gemieden haben, sagt Schreiber, will jedoch noch keine Prognose wagen.
Weniger vorsichtig mit seinem Urteil ist José Ledesma, der ein spanisches Restaurant in der Zürcher Altstadt führt. Raucher, die sich nach dem Essen eine Zigarette oder Zigarre anzündeten, gehörten in seinem Lokal zu den treusten Stammgästen. Viele von ihnen könnten nun ausbleiben, befürchtet Ledesma grosse Umsatzrückgänge. Die zum Rauchen auf der Strasse zu schicken, sei vor allem in der kalten Jahreszeit eine Zumutung, beklagt sich Ledesma. Deshalb hat sich Ledesma der IG „Freie Schweizer Wirte“ angeschlossen, die das Rauchverbot per Volksabstimmung wieder kippen will.
Dabei ist das Rauchverbot in der Schweiz alles andere als streng. Das Bundesgesetz über den Schutz vor Passiv-Rauchen, das seit 1. Mai gilt, lässt viele Ausnahmen zu. So darf in kleinen Beizen bis zu einer Grösse von 80 Quadratmeter weiter gequalmt werden und auch abgetrennte Raucherräume bleiben erlaubt. Gleichzeitig können die einzelnen Kantone jedoch strengere Bestimmungen erlassen, was viele bereits getan haben. Vor allem in den Kantonen der Westschweiz und im Tessin gelten schon seit längerem sehr strikte Rauchverbote. In der Deutschschweiz hingegen sorgen die Einschränkungen für Raucher für rote Köpfe. In Basel etwa versuchen Dutzende Wirte, mit einem juristischen Trick das Rauchverbot zu umgehen. Sie haben ihre Beizen kurzerhand zu privaten Vereinslokalen umfunktioniert, in denen hemmungslos weitergeraucht wird. Eine Praxis, die früher oder später von der Justiz gekippt werden dürfte.
Auf scharfe Kritik stösst der Fleckerlteppich an unterschiedlichen Regelungen bei Gesundheitsorganisationen. Die Lungenliga Schweiz, die zurzeit mit einer Roadshow die Bevölkerung über die schädlichen Folgen des Rauchens informiert, verlangt ein landesweit einheitliches, striktes Verbot. Das setze den Diskussionen über mögliche Umgehungen ein Ende und sei auch gegenüber den Gastwirten die fairste Lösung. Auch die Lungenliga hat eine Volksinitiative lanciert, in der sie verlangt, dass alle Arbeitsplätze rauchfrei sein müssen. Bediente Raucherräume in Gaststätten wären so nicht mehr erlaubt. Die Schweizer könnten also in absehbarer Zeit gleich zweimal an der Urne über das Qualmen in öffentlichen Räumen abstimmen: über die Initiative der Wirte, die ein lockeres Rauchverbot fordern und über jene der Gesundheitsorganisationen, die für striktere Bestimmungen eintreten. Fest steht nur eins: Der blaue Dunst dürfte bei den Eidgenossen noch lange für rauchende Köpfe sorgen.

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