Als einige Elefanten vor zwei Millionen Jahren von den Tropen in den Norden wanderten, wurde es dort gerade noch kälter. Die Tiere passten sich an, verkleinerten die Ohren und legten sich ein dickes Fell zu: wurden Mammuts. Das kann man Fossilien mit bloßem Auge ablesen, aber die unwirtliche Umwelt erzwang auch Innovationen, die keine äußerlichen Spuren hinterlassen haben: Die Mammuts änderten ihr Blut, sie bauten mit drei Mutationen das Hämoglobin um, das Protein, das Sauerstoff transportiert.
Das Hämoglobin der Mammuts wurde jetzt von einer Gruppe um Kevin Campbell (University of Manitoba) wiedererweckt, aus den Genen eines Tiers, das vor 43.000 Jahren im sibirischen Permafrost versunken war. Ein Vergleich mit den Hämoglobin-Genen heutiger Elefanten zeigte die Mutationen. Wozu sie dienten, konnte aber nur das Protein zeigen: Dazu haben die Forscher das Mammut-Hämoglobin-Gen erst vervielfältigt und dann in Bakterien eingebracht, die produzierten das Protein. Es hat die Eigenschaft, Sauerstoff bei jeder Temperatur gleich fest zu binden bzw. gleich leicht abzugeben. Hämoglobin heutiger Elefanten (oder Menschen) tut das nicht, es bindet Sauerstoff umso stärker – und gibt umso weniger ab –, je kälter es ist.
Das konnten die Mammuts nicht brauchen, sie stellten sich auf die Kälte vermutlich so ein wie heutige Spezialisten (Rentiere, Moschusochsen): Sie ließen den Körper an der Peripherie stark auskühlen, nahe null Grad. Herkömmliches Hämoglobin hätte dort keinen Sauerstoff abgegeben, aber der Körper braucht ihn auch dort. Die Mammuts lösten das Problem (Nature Genetics, 2.5.). jl
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2010)














