22.05.2012 16:18 | Meine Presse Merkliste 0

Massensterben vor 359 Millionen Jahren

17.05.2010 | 19:55 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Nur wenige Fische überlebten die Katastrophe am Ende des Devon – darunter waren unsere Ahnen. "Alles war betroffen, die Ausrottung war global.“

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Die Evolution ist (auch) eine Geschichte der Katastrophen: Zerstörerische Ereignisse, wie sie für die Geologen oft die Grenze zwischen zwei Erdzeitaltern markieren, haben mehrmals einen beträchtlichen Teil der Arten ausgelöscht – und dadurch den wenigen Davongekommenen Chancen eröffnet, die sie sonst nicht gehabt hätten. Man denke nur an die Kreide-Tertiär-Grenze: Der Einschlag eines Meteoriten vor 65Millionen Jahren brachte unmittelbar oder mittelbar das Ende der Dinosaurier. Erst dadurch konnten die bisher von den Riesenechsen klein und lichtscheu gehaltenen Säugetiere sich in neue Nischen ausbreiten und – im Fall des Menschen – die Erde erobern.

Welche Katastrophe vor 359 Millionen Jahren das Devon beendete und das Karbon eröffnete, wissen wir nicht, vielleicht spielte Gletscherbildung eine Rolle, vielleicht die Veränderung der Atmosphäre durch Entstehung der ersten Wälder. Egal welche Katastrophe, sie hat die Evolution gelenkt. „Alles war betroffen, die Ausrottung war global“, sagt Lauren Sallan von der University of Chicago: „Sie hat die Vielfalt der Wirbeltiere in jeder Umwelt, im Süßwasser und im Meer, verringert und eine komplett andere Welt geschaffen.“ „Es ist, als ob die Rollen gleich geblieben, aber die Schauspieler ausgetauscht worden wären“, ergänzt Michael Coates, der mit Sallan die Daten von über 1250Arten ausgewertet hat (Pnas, 17.5.)

 

Vorher Fleisch-, nachher Strahlenflosser

Welche Schauspieler? Fische. Im Devon beherrschten Fleischflosser die Gewässer, von dieser Klasse gibt es heute nur mehr die Lungenfische und die Quastenflosser – als lebende Fossilien berühmt. Im Karbon setzten sich die Strahlenflosser durch, zu denen fast alle heutigen Knochenfische gehören.

Vor zirka 359Millionen Jahren ausgestorben sind auch die Stachelhaie (Acanthodii, mit den Haien nicht näher verwandt) und die riesigen, gepanzerten Plattenhäuter (Placodermi); dafür wurde Platz frei für Knorpelfische, etwa Haie. Und für Tetrapoden, Vierfüßer, die Vorfahren aller Landwirbeltiere. Sie (und damit wir) stammen von Fleischflossern ab.

Schon im Devon hatten einzelne Fischarten sich aufs Land gewagt, etwa der 2006 entdeckte Tiktaalik, vor 375Millionen Jahren. Doch aus der Zeit zwischen 360 und 345Millionen Jahren kennt man keine entsprechenden Fossilien, die Paläontologen sprechen von der Romer-Lücke: Es ist, als ob die Geschichte der Besiedelung des festen Landes eine Pause gemacht hätte.

Sie hat tatsächlich eine Pause gemacht, meinen nun Coates und Sallan: Offenbar sind die frühen Landpioniere alle der Ende-Devon-Katastrophe zum Opfer gefallen, und es dauerte eben Jahrmillionen, bis sich neue Fleischflosser entwickelten, deren Flossen bereit für die Landnahme waren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2010)

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17 Kommentare
Yoko
25.05.2010 12:05
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WiSSENSCHAFTLICHER TROST ZUR ÖLPEST

ZITIERE: "Zerstörerische Ereignisse, wie sie für die Geologen oft die Grenze zwischen zwei Erdzeitaltern markieren, haben mehrmals einen beträchtlichen Teil der Arten ausgelöscht – und dadurch den wenigen Davongekommenen Chancen eröffnet, die sie sonst nicht gehabt hätten".
Dass Wissenschaftler sich damit beschäftigen, welch Gutes doch ein Massensterben mancher Arten haben kann, soll wohl ein Trost dafür sein, dass wir uns aufgrund der Ölpest womöglich auch vor einer Grenze zwischen Erdzeitaltern befinden - was für manche Arten, die möglicherweise überleben, gut sein kann? Schöner Trost.
Warum beschäftigt sich die Wissenschaft hier mit keinem einzigen Artikel damit, wie man der Ölpest entgegentreten, wie man das austretende Öl abschöpfen und die Meere retten könnte? Die Wissenschaftler sind eine sonderbare Gattung: sie beschäftigt sich am liebsten mit schönen Vermutungen statt ungelösten Fragen; und merkt dabei nicht, dass dieser Ansatz sie selbst und ihre "Art" zerstören wird!

Gast: YOKO
25.05.2010 12:02
0 0

WISSENSCHAFTLICHER TROST ZUR ÖLPEST

ZITIERE: "Zerstörerische Ereignisse, wie sie für die Geologen oft die Grenze zwischen zwei Erdzeitaltern markieren, haben mehrmals einen beträchtlichen Teil der Arten ausgelöscht – und dadurch den wenigen Davongekommenen Chancen eröffnet, die sie sonst nicht gehabt hätten".
Dass Wissenschaftler sich damit beschäftigen, welch Gutes doch ein Massensterben mancher Arten haben kann, soll wohl ein Trost dafür sein, dass wir uns aufgrund der Ölpest womöglich auch vor einer Grenze zwischen Erdzeitaltern befinden - was für manche Arten, die möglicherweise überleben, gut sein kann? Schöner Trost.
Warum beschäftigt sich die Wissenschaft hier mit keinem einzigen Artikel damit, wie man der Ölpest entgegentreten, wie man das austretende Öl abschöpfen und die Meere retten könnte? Die Wissenschaftler sind eine sonderbare Gattung: sie beschäftigt sich am liebsten mit Ergebnissen, statt mit Fragen, und merkt dabei nicht, dass dieser Ansatz sie selbst und ihre "Art" bedroht!

Gast: Der Weihnachtsmann
18.05.2010 09:05
0 14

Darwin hatte damals schon Zweifel

Die Evolutionstheorie alleine, hat schon längst ausgedient. Neueste Erkenntnisse über Zellen lassen keinen anderen Schluss zu. Was wären wir denn, wenn Darwin recht hätte? Nur die x-ten Nachkommen von mutierten, also verunstalteten Kreaturen, die merkwürdigerweise, immer gleichzeitig, in grosser Anzahl und am selben Ort auftreten müssen, damit eine stabile Population von diesen Missbildungen nicht gleich wieder an Inzucht ausstirbt. Das eigentliche Problem... es ist keine andere brauchbare Theorie in Sicht, aber das will man nicht akzeptieren. Blöde Wissenschaftler ignorieren unerklärbare Phänomene oder bestehen auf Darwin, dann liegt man immer richtig.

3 0

Re: Darwin hatte damals schon Zweifel

und das was in der bibel und anderen märchenbüchern steht ungefragt übernehmen?

Antworten Antworten Gast: sommerwind
18.05.2010 19:30
3 0

Re: Re: Darwin hatte damals schon Zweifel

Vergesst doch alle mal die Bibel. Manchmal habe ich das Gefühl, die von Darwin formulierten Pfeiler der Evolutionstheorie dürfen nicht angetastet werden, ohne dass man schon in den Bereich der Religion oder gar des Fundamentalismus gerückt wird.

Fakt ist nun mal, dass Darwin sicher ein großes Genie war, aber eben doch nur ein Mensch. Jedes Detail seiner Theorie zu einem unumstößlichen Dogma zu küren, nur um sich gegen bestimmte Religionen abzugrenzen, ist sicher nicht zweckdienlich.

Ich (völlig unqualifizierter Dilettant) halte es für möglich, dass es abseits von Mutation und Selektion noch Faktoren der Evolution gibt, die nicht entdeckt sind. Es gibt nun mal eine Reihe von Fragen (auf die sich im Moment die Fundis stürzen). Und für diese prinzipielle Offenheit muss ich weder einen Gott noch einen religiösen Text bemühen.

Antworten Antworten Antworten Gast: markus trullus
22.05.2010 20:37
0 0

Re: Re: Re: Darwin hatte damals schon Zweifel

Lieber Freund, gibt es, gibt es! Selbstorganisation, Autopoiese und alles, was mit höherer Organisationsenwicklung zu tun hat. Rupert Riedl hat da begonnen zu denken, und andere wie etwa Humberto Maturana haben da weiter gedacht. Da steckt schon was drin, und das ergänzt den Darwinschen Ansatz... oder erweitert ihn.

1 1

Was wollen Sie?

Mit Darwin ist's wie mit Newton: Das Gesamtbild passt schon sehr gut, aber in den Details wurde viel verändert und erneuert. Die Biologie hat sozusagen auch ihre Relativitätstheorie und heißt hier "modern synthesis". Und viele Bereiche sind voll mit Diskussions- und Forschungsstoff: Evo-Devo, Verhaltensbiologie und momentan vor allem Epigenetik und Proteomik.

Der Weihnachtsmann hingegen packt die ältesten Kreationistenkamellen aus. Und Kreationismus ist nun mal forschungs- und fortschrittsfeindlich.

Antworten Antworten Antworten Antworten Justin
19.05.2010 01:21
1 0

Und Kreationismus ist nun mal forschungs- und fortschrittsfeindlich.

Nein, ist er nicht! Er forscht mit Eifer daran, wie man Beweise für das bereits definierte Ziel finden oder konstruieren kann.

0 1

Ja...

wenn "forschen" bedeutet, eine wissenschaftliche Debatte vor Gericht und in Massenmedien entscheiden zu wollen, indem man lügt und betrügt.

Ist vielleicht eher sozialwissenschaftliche Forschung :)

3 1

Belege her oder Klappe zu!

"Neueste Erkenntnisse über Zellen lassen keinen anderen Schluss zu."

Diese phantastischen (wohl im wahrsten Sinne des Wortes) Belege "über Zellen" möchte ich sehen.

Ansonsten können Sie ruhig weiter Ihren Fieberträumen nachhängen.

Dass Darwin "Zweifel" hatte dürfen Sie natürlich auch gerne zu belegen versuchen.

Antworten Antworten Gast: Der Weihnachtsmann
18.05.2010 18:43
3 2

Re: Belege her oder Klappe zu!

Wer lesen kann, macht sich bei Darwin selbst schlau. Hier das allgemein verfügbare Werk von ihm, zum Selbststudium ;)

http://www.zeno.org/Philosophie/M/Darwin,+Charles/%C3%9Cber+die+Entstehung+der+Arten/6.+Schwierigkeiten+der+Theorie

Antrieb von Einzellern für Herrn Meer und Herrn Schlatzinger. Weitergehende Erkenntnisse können sie als ausgewiesene "Fachmänner" sicherlich selbst leicht finden.
Google ist dein Freund.

http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=10092937

0 1

Re: Re: Belege her oder Klappe zu!

Sehr schön. Jetzt müsste man nur noch das entsprechende Kapitel lesen. Darwin macht's wie jeder gute Wissenschafter: Er sieht mögliche Schwachpunkte im voraus und entkräftet sie. Allein von der Überschrift "Schwierigkeiten der Theorie" zu schließen, die Theorie sei tatsächlich in Schwierigkeiten ist schon eine bemerkenswerte intellektuelle Fehlleistung.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Der Weihnachtsmann
19.05.2010 23:55
0 4

Re: Re: Re: Belege her oder Klappe zu!

...Ein Molekularbiologe erinnert uns daran, dass die Evolutionstheorie noch immer eine bloße Theorie ist.

http://www.visionjournal.de/visionmedia/article.aspx?id=969&rdr=true&LangType=1031

0 1

Nur eine Theorie

... Ein Physiker erinnert uns daran, dass die Gravitation noch immer eine bloße Theorie ist.

http://www.pm-magazin.de/de/heftartikel/artikel_id330.htm

PM ist da in etwa genauso glaubwürdig wie ihr Journal, das daneben so tolle Beiträge führt wie eine bis jetzt 17-Teilige Reihe über die Aposteln und "Gott zuhören".

PS: Die Verwendung des schmutzigen "Just a theory"-Tricks disqualifiziert Sie für jede weitere Diskussion, nur damit das gleich festgehalten ist. Wenn jemand seine Leser verar***t kann man nicht davon ausgehen, dass derjenige an rationalen Argumenten interessiert ist.

Nix für ungut, aber Sie sind ein Kreationist. Bitte verschwinden Sie.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: markus trullus
22.05.2010 21:07
3 0

Re: Nur eine Theorie

tut leid, dass ich da reinfunke: aber als altgesottener Naturwissenschafter kann ich nur sagen: Alles sind Modelle. Der Kreationismus war das immer, un die "kritische Naturwissenschaft lernt gerade, dass auch alle sogenannten "absolut sicheren Erkenntnisse" auch nur Modelle sind, Sehr gute zwar, aber doch... Modelle!

0 0

Re: Re: Nur eine Theorie

Vielen Dank, aber es ist mir völlig neu, dass die "kritische Naturwissenschaft" (meinten sie: Rationalismus?) das "gerade lernt".

An diesem Punkt sind wir spätestens seit Popper eigentlich längst vorbei.

Aber das ist gar nicht der Punkt. Das Problem sind Leute, die bewusst ausnutzen, dass das Wort "Theorie" in der Wissenschaft eine andere Bedeutung (die eines gesicherten Modells, das bestimmte Fakten erklärt und Vorhersagen macht) hat als im allgemeinen Sprachgebrauch (die einer leicht dahergesagten Vermutung).

Beim flüchtigen Drüberlesen soll so der Eindruck entstehen, dass wissenschaftliche Theorien eben nur wolkige Träume seien und nicht die in der Realität fundierten und feuer-erprobten Erklärungsrahmen die sie sind.

Und das ist schlicht Betrug am Leser.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Der Weihnachtsmann
21.05.2010 15:39
2 0

Re: Nur eine Theorie

Nein...


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