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Steine am Donaugrund

22.05.2010 | 18:06 |  von Martin Kugler (Die Presse)

Ein neues Christian-Doppler-Labor liefert die Grundlagen für die Sanierung der Donau unterhalb von Wien.

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Die Donau unterhalb von Wien hat ein Problem: Die Sohle tieft sich jedes Jahr um zwei bis dreieinhalb Zentimeter ein, in den letzten 50 Jahren war es fast ein Meter. Der Grund: Schutzbauten in alpinen Flüssen halten Sand und Steine („Geschiebe“) zurück, von Kraftwerken wird dieses auch noch zurückgehalten. Zudem wird durch die Donauregulierung das vorhandene Geschiebe verstärkt weiter gespült – jährlich werden rund 350.000Kubikmeter Kies donauabwärts „exportiert“. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel, Auen trocknen aus, Ufersicherungen werden bei Hochwasser unterspült.

Zum Ausgleich werden seit einiger Zeit jährlich rund 200.000 Kubikmeter Geschiebe in die Donau geschüttet. Doch es hat sich herausgestellt, dass das nicht ausreicht, daher droht irgendwann ein „Sohldurchschlag“ – also ein Durchbruch des Wassers zum sandigen Untergrund der Donau, der dann ausgespült würde. Das hätte dramatische Konsequenzen für Ökologie, Wasserhaushalt und Schiffsverkehr.

Damit es nicht so weit kommt, soll die Donau zwischen Wien und Bratislava nun saniert werden. Teil dieses Unterfangens ist das an der Universität für Bodenkultur neu gegründete Christian-Doppler-Labor „Innovative Methoden in Fließgewässermonitoring, Modellierung und Flussbau“. Firmenpartner sind die für Österreichs Wasserstraßen zuständige „via donau“ und „UWITEC“, ein KMU, das Messgeräte entwickelt und weltweit vertreibt.

„Wir liefern die wissenschaftlichen Grundlagen und helfen bei der Optimierung der flussbaulichen Maßnahmen“, sagt Laborleiter Helmut Habersack. Die Grundidee ist es, die Donausohle durch eine Vergröberung zu stabilisieren: von derzeit durchschnittlich 26 Millimeter Kiesdurchmesser auf 45 Millimeter. Dadurch sollte der Geschiebeexport um 90 Prozent sinken.

Ausgangspunkt ist die exakte Messung des Geschiebetransports – bisher wurde dieser meist aus den Fließeigenschaften geschätzt. Künftig sollen etwa radiotelemetrische Methoden eingesetzt werden: Dabei werden in Kunststeine Sender eingebaut und in die Donau geworfen, dann wird verfolgt, wie der Stein weiter transportiert wird, erläutert Habersack. Durch flüssigen Stickstoff, der über Sonden in die Sohle eingeleitet wird, werden Bodenproben gezogen – ähnlich wie Bohrkerne. Neu entwickelt werden Methoden, um die Schubspannungen direkt am Boden zu messen, zusätzlich soll der Schwebstoff-Transport durch eine ultraschallbasierte Messtechnik (Doppler-Effekt) analysiert werden können.

Diese Daten werden im nächsten Schritt in ein im CD-Labor zu entwickelndes Computermodell eingespeist, um die Strömungsverhältnisse inklusive Geschiebetransport dreidimensional zu berechnen. Habersack: „Man muss die Prozesse genau verstehen, bevor man sie modellieren kann.“

Anhand der Ergebnisse sollen die flussbaulichen Maßnahmen optimiert werden. Dazu dient auch eine drei Kilometer lange Naturversuchsstrecke bei Bad Deutsch Altenburg. Dort wird neben der beschriebenen „granulometrischen Sohlverbesserung“ auch ein Rückbau der Uferbefestigung, eine bessere Vernetzung zwischen Donau und Altarmen sowie der Umbau der alten „Buhnen“ getestet. Das sind Querbauwerke, die künftig durch neue Formen und Abstände die Uferdynamik fördern und gleichzeitig die Wassertiefe in der Fahrwasserrinne erhöhen. Das übergeordnete Ziel ist, betont Habersack, dass der Umbau sowohl der Ökologie als auch der Schifffahrt dienen soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2010)

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