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»Nicht das Gehirn in der Garderobe abgeben«

William Broad ist gar kein Yoga-Gegner. Im Gegenteil, er will dazu beitragen, die Praxis sicherer zu machen. Dafür ist es allerdings notwendig, meint er im Interview, dass Lehrer und Gurus nicht auf ein Podest gestellt werden und die Schüler mehr auf ihren eigenen Körper hören.

 (Die Presse)

Hat Sie die Kontroverse rund um Ihren Yoga-Artikel überrascht?

William Broad: Ja, das hat niemand vorausgesehen. Es ist, als wäre eine Bombe hochgegangen. Wir haben unwissentlich die Lunte angezündet. Das zeigt das Ausmaß der Debatte. Offenbar war das Thema reif. Auch ich habe mich beim Yoga verletzt, und ich kenne viele Menschen, denen es ebenso ging. Aber über Yoga wird nur im „Happy Talk“ gesprochen, weil es aufbauend sein soll. Und das ist es auch, es bringt viele Vorteile. Insgesamt ist Yoga eine sehr gute Sache. Aber es gibt auch eine dunkle Seite, Leute tun sich weh.

 

Was ist bei Yoga schiefgelaufen? Sind wir die falsche Gesellschaft? Zu kompetitiv?

Die Wissenschaft zeigt, dass einige Stellungen schlicht gefährlich sind. Andere sind riskant. Wieder andere sind sehr gut. Also ist ein Teil des Problems vielleicht inhärent und hat gar nichts mit der Art zu tun, wie Yoga praktiziert wird. Das Wettbewerbselement gibt es aber ohne Zweifel. Die Leute sollen sich zwar im Yoga-Kurs auf sich selbst konzentrieren, gleichzeitig gibt es aber in vielen Studios Spiegel. Wenn einen das nicht dazu verführt, sich umzuschauen und Vergleiche anzustellen! Da wird viel zu viel nach außen gerichtet und nicht genug nach innen. Ich zum Beispiel bin nicht sehr flexibel. Ich betreibe Yoga seit 1970. Wenn ich dann ungelenkig auf meiner Matte sitze, umgeben von schlanken, beweglichen 20-jährigen Frauen, vergleiche ich auch.

 

Was empfinden Sie als größten Nutzen?

Yoga wirkt wie eine Antizivilisations-Pille. Es reduziert Stress. Wenn es richtig gemacht wird, dann kann es das. Für mich ist das eine Riesensache. Vor allem heutzutage, wo wir ohnedies alle überstimuliert sind.

 

Obwohl Sie sich auch schon verletzt haben?

Das war 2007. Es waren wieder vor allem Frauen im Kurs, die sich da alle etwas leichter taten. Also fühlte ich mich ein wenig unter Druck. Und ich habe mich bei der Übung wirklich bemüht. „Sehr gut“, dachte ich, „das geht ja toll. Ich schaue sicher super aus.“ Dann wurde ich auch noch übermütig und fing an, mit meiner hübschen Nachbarin zu plaudern. Dabei habe ich leider nicht auf meinen Körper geachtet. Und, bumm, das war dann mein Rücken. Das war wirklich sehr schmerzhaft und außerdem auch noch peinlich. Aber alles in allem wiegen für mich dennoch die Vorteile von Yoga die Nachteile auf. Und dann gibt es ja auch noch das eine Kapitel in meinem Buch namens „Göttlicher Sex“.

 

Das ist ziemlich selbsterklärend.

Genau. Es gibt genug wissenschaftliche Beweise, die zeigen, dass Yoga gut für das Sexualleben ist. Es fördert aber auch die Kreativität. Es gibt außerdem Anzeichen, dass es dem Alterungsprozess entgegenwirken kann.

 

Was wollen Sie erreichen? Dass Leute genauer schauen, wo und bei wem sie Yoga lernen?

Dass sie „smart yoga“ betreiben, ein bisschen mehr darüber nachdenken, selbst ihr bester Lehrer werden. Nicht das Gehirn in der Garderobe abgeben. Lernen, was gut und was schlecht ist. Meine große Hoffnung ist, dass die Menschen nicht so sehr auf den Lehrer oder den Guru hören, sondern auf ihren eigenen Körper. Lehrer sollten nicht auf ein Podest gehoben werden.

 

Ist das nicht schwierig, bei dem sehr hierarchischen Lehrer-Schüler-Verhältnis?

Die Guru-Anhimmelung bringt ein Problem. Mehr als eines. Es gibt ja ziemlich lüsterne Gurus, die die Situation, dass sie wie Götter angebetet werden, schamlos ausnutzen. Eine Frau nach der anderen. So etwas geht gar nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2012)

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