Fliegender Dino hatte ein schwarzes, irisierendes Gefieder

08.03.2012 | 20:00 |  Von Jürgen Langenbach (DiePresse.com)

Der räuberische Mikroraptor war mit vier Flügeln in den Lüften. Die Farbe der Federn konnte nun bestimmt werden.

Drucken Versenden
 
A A A
Schriftgröße
Kommentieren

Vor 120 Millionen Jahren flatterte ein taubengroßer Raubsaurier in China herum, Mikroraptor. Der gehörte zu den Dromaeosauriern, auch Velociraptor gehörte dazu, aus ihnen entstanden die Vögel. Aber dieser war schon wunderlich, er hatte vier Flügel, und lange war umstritten, ob es ihn überhaupt gab und ob er fliegen konnte. Denn zunächst fand man nur Fragmente, chinesische Fälscher kombinierten sie mit anderen Fossilien zu einem Wundertier und brachten es in den USA auf den Markt. 2002 kam das erste unstrittige Exemplar ans Licht, Vorder- und Hinterfüße waren gefiedert, der Schwanz auch. Das entzündete eine Debatte darüber, wie man mit vier Flügeln fliegen kann, sie dürfen ja nicht ineinandergeraten, müssen versetzt sein, vielleicht so wie bei einem Doppeldecker-Flugzeug? Man versucht, es mit Mikroraptor-Modellen im Windkanal zu klären.

Wie auch immer, Federn hatte er. Und nun kennt man auch ihre Farbe: Sie waren irisierend schwarz (Science, 335, S. 1215). Zu diesem Befund kommt eine Gruppe um Jakob Vinther (University of Texas), er ist der Pionier des Farbenlesens an längst ausgeblichenen und versteinerten Lebewesen, er fand 2006 an fossilen Tintenfischen den Schlüssel: Melanosome. Das sind winzige Zell-Kompartimente, die Farbpigmente herstellen und die Umgebung färben.

Natürlich haben auch sie selbst längst keine Farbe mehr, aber ihre Form haben sie noch. Und die unterscheidet sich je nach hergestelltem Pigment, man weiß es von den Federn heutiger Vögel. Mit deren Melanosomen gleicht man dann die fossilen ab, das hat man schon beim Urvogel Archaeopteryx getan: Er war schwarz. Das war auch eine nun analysierte Schwanzfeder von Mikroraptor, aber sie war noch etwas: irisierend. Das Wort kommt vom altgriechischen „Regenbogen“, und den Effekt bringt nicht die Farbe selbst, sondern die geometrische Anordnung der Melanosomen. Auch das weiß man u. a. von heutigen Vögeln, und sie lehren noch etwas über den Ahnen: Glanz dient nicht dem Fliegen, er ist ein Signal, für potenzielle Sexualpartner. Dafür wurden Federn offenbar früh genutzt. Aber Licht braucht es schon, so lernt man noch etwas über Mikroraptor: Bisher hielt man ihn für einen nächtlichen Jäger. jl

 
Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
5 Kommentare
Bester Mensch
11.03.2012 16:50
0

Das "ein" in der Überschrift...

gehört weg. Es gibt eine Feder, aber nicht ein Gefieder.

civil liberties
09.03.2012 04:04
0

lieber mitbuerger

fuer so einen schwachsinn wird ihr steuergeld ausgegeben - im sinne der forschung und aufklaerung

liebe gruesse,

ihr finanzminister

Antworten MuhGnu
09.03.2012 12:14
6

Re: lieber mitbuerger

Forschung mit der man sich Wissen aneignet ist also Verschwendung?

Sagen Sie das mal den Leuten die der Forschung ihr Leben verdanken.

Antworten pck0
09.03.2012 05:54
5

Re: lieber mitbuerger

Ja wirklich, das war genau die Geldmenge, die den Welthunger beendet hätte!

Antworten Aaron Fishhof
09.03.2012 05:19
4

Re: lieber mitbuerger

Diese Forschungen sind sinnvoll!

Schwachsinn ist die Steuergeldverschwendung für das Kioto-Protokoll!

Umfrage

  • Sind Sie für eine Obergrenze für Barzahlungen?
  • Ja, es verhindert Kriminalität
  • Nein, es ist eine Einschränkung meiner wirtschaftlichen Freiheit
  • Weiß nicht












  • Unsterbliches Gelee

    Sie werden so gefürchtet wie bewundert, die Quallen. Viele Biologen halten sie für den Fluch der Meere, andere suchen in ihnen den Jungbrunnen.

  • Worte gegen Bomben

    800 Archäologen tauschten in Wien ihre Neuigkeiten über den Nahen Osten aus und beschlossen eine "Wiener Deklaration" zum Erhalt des Erbes

  • Der Prediger als Online-Therapeut

    In Indonesien gewinnen Frauen aus dem Mittelstand durch soziale Medien nun Handlungsmacht im religiösen Leben. Ihr Engagement öffnet den Dialog mit islamischen Autoritäten.

  • Das Licht heilt alle Wunden

    Die Kunststofftechnikerin Simone Radl gestaltet neuartige Materialien so, dass sie sich durch Licht selbst reparieren. Oder dass sie mit UV-Bestrahlung leicht zu recyceln sind.

  • Die Erde aus Burgen und Bunkern beobachten

    Als am Montag in Österreich der Boden bebte, war das zugleich ein erster Test für ein neues Netz an Erdbebenmessgeräten, das Forscher über den ganzen Alpenraum spannen.



Jobsuche




>> zur Detailsuche




AnmeldenAnmelden