Pressestimmen: ''Sorgfältig inszenierte Barbarei''

''Le Figaro'' (Paris):

''Man kann kaum glauben, dass irgendein Ansatz von Logik hinter einem solchen Wahnsinn steckt. Sind diese Taten vielleicht die Auswirkungen von Rache, Terrorismus oder Rassismus? Man kann sich schwer vorstellen, dass etwas anderes als selbstmörderischer Wahn dahinter stecken könnte. Eines ist klar: Der Mörder hat seine Barbarei sorgfältig inszeniert. Die Kandidaten für das Amt des Präsidenten haben ihren Wahlkampf unterbrochen. Die politischen Streitgespräche und die verletzenden Nebensätze hört man nicht mehr. Doch das trauernde, verletzte und entsetzte Frankreich darf nicht niedergeschlagen bleiben. Das Land muss sich bemühen, alle Bürger besser zu schützen, ohne Ansehen von Herkunft, Rasse oder Religion, wie es unsere Verfassung vorschreibt.''



''Sud-Ouest'' (Bordeaux)

''Nicht nur die jüdische Gemeinde trauert seit gestern. Das ganze Land weint um seine Kinder. Nehmen wir uns in Acht! Es gibt Sätze, die vergiftete Ideen zurücklassen. Es ist gut, dass gestern eine Pause im Präsidentschaftswahlkampf eingelegt wurde. Denn der üble Ton und die Argumente dieses Wahlkampfes verhießen nichts Gutes. Wenn auf jemanden mit dem Finger gezeigt wird, kann es passieren, dass eines Tages eine Pistole auf ihn gerichtet wird. Das vergessen wir nur zu gerne. (...) Niemand sollte vergessen, dass alle Worte, die wir aussprechen, sich jederzeit mit Pulver laden und zu Kugeln werden können.''



''El Mundo'' (Madrid):

''Die Hintergründe der Mordserie sind noch nicht geklärt, aber man geht davon aus, dass es sich um rassistisch motivierte Verbrechen eines Einzeltäters oder einer organisierten Gruppe handelt. Nach dem Aufstieg rechtsradikaler Kräfte und der neu erweckten Erinnerung an das Regime der Nazi-Kollaborateure im Zweiten Weltkrieg bedeutet die Mordserie einen weiteren schweren Schlag für all jene Franzosen, die stolz auf ihre egalitären Ideale sind. Aber auch in Frankreich deuten Umfragen darauf hin, dass in bestimmten Schichten der Bevölkerung fremdenfeindliche Einstellungen in besorgniserregender Weise zunehmen.''



''Dernieres Nouvelles d'Alsace'' (Straßburg):

''Innerhalb einer Woche hat der Mörder von Toulouse zwei Symbole angegriffen. Den Soldaten, und vor allem den Fallschirmjäger, der die Nation verkörpert und somit per Definition Patriot ist. Und die Kindheit, die wie nichts anderes die Unschuld symbolisiert. (...) Für den Mörder von Toulouse ist es wohl unerträglich, dass Soldaten in französischer Uniform Muslime sind und dass Kinder jüdisch sind. Denn es kann kein Zufall sein, dass die Opfer Fallschirmspringer aus Nordafrika und jüdische Kinder waren. Die Religion der Opfer ist die einzige erkennbare Verbindung zwischen den Verbrechen. Die Ideologie, die diesen Taten zugrunde liegt, ist Hass, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.''



''Midi-Libre'' (Montpellier):

''Das französische Volk ist verletzt. Sogar terrorisiert. Wer konnte eines schönen Morgens im Monat März Kinder angreifen? Wir stehen diesem Verbrechen, das mitten in dem besonderen Klima des Wahlkampfes begangen wurde, voller Unverständnis gegenüber. Und innerhalb weniger Stunden hat die Einheit der Nation das Bellen der Partisanen und die hässlichen Streitereien der Kandidaten ersetzt. Das ist gut so. Aber wie lange wird das andauern? Vier Wochen vor der ersten Wahlrunde müssen sich die zehn Kandidaten noch profilieren, vielleicht gar ihre Strategie überdenken. (...) Sollte die Schießerei von Toulouse politisch ausgeschlachtet werden, besteht die Gefahr, dass wir mitten im Wahlkampf auf einen politischen Sprengsatz stoßen.''



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