Betriebsrat zwingt AUA-Führung in die Warteschleife

01.04.2012 | 18:40 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Im Machtkampf um das Sparpaket ist eine Lösung nicht in Sicht. Die Pattstellung ist brandgefährlich, schließlich hat die Lufthansa der AUA die Geldspritze von 140 Mio. Euro nur zugesagt, wenn das Paket greift.

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Wien. Die Uhr tickt: Je länger das Tauziehen bei der AUA zwischen Airline-Führung und Betriebsrat dauert, desto mehr kommt die hoch defizitäre Fluglinie in finanzielle Turbulenzen, weil das von AUA-Boss Jaan Albrecht aufgesetzte Sparpaket über 260 Mio. Euro nicht greifen kann. Statt eines Kompromisses stehen die Zeichen jetzt mehr denn je auf Kampf: Zum dritten Mal mussten die Konzernmutter Lufthansa und die AUA-Führung ihr Ultimatum für eine Einigung auf einen kostengünstigeren neuen Kollektivvertrag für das Bordpersonal verschieben. Jetzt wird als nächster Termin der 19. April genannt.

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Der Bordbetriebsrat scheint den Machtkampf damit vorerst für sich entschieden zu haben. Er kontert die Härte der Airline-Spitze mit ebenso großem Widerstand. Aber während sich Frankfurt auf einen Streik einstellte, setzte Bordbetriebsratschef Karl Minhard auf Taktik. „Die Unternehmensführung hat offenbar eingesehen, dass sie ihr Vorhaben rechtlich nur sehr schwer umsetzen kann und grundlegend neu verhandeln muss“, sagte Minhard am Sonntag zur „Presse“.

Das Vorhaben ist der zwangsweise Umstieg des Flugbetriebs auf die Regionaltochter Tyrolean, die einen um rund 25 Prozent günstigeren KV hat. Diesen „Plan B“ hat Albrecht angedroht, als die ersten Verhandlungen über einen neuen AUA-KV stockten. Die Belegschaftsvertretung hat für den Betriebsübergang, der ab 1. Juli möglich wäre, Klagen angedroht.

 

Schluss mit den Privilegien

Zurück in den Herbst: Als die Lufthansa Jaan Albrecht als neuen Chef ihrer hoch defizitären Tochter AUA installierte, war klar, dass die Konzernmutter die Zügel strafft und angesichts der eigenen leeren Kassen die roten Zahlen in Österreich nicht mehr länger dulden werde. Albrecht ließ keine Zweifel daran, wohin die Reise geht: Er kündigte tiefgreifende Strukturänderungen an, mit denen die AUA nachhaltig saniert werden soll.

Als Albrecht die Details lüftete, war abzusehen, dass er diese nicht ohne massiven Widerstand der Belegschaft durchziehen können würde. Der Kern der Maßnahmen ist ein unverdaulicher Brocken für die Belegschaft, vor allem für das Bordpersonal: Albrecht will alle Privilegien – von Annuitäten über die automatische Inflationsabgeltung bis zu den hohen Abfertigungen – kippen. 45 Mio. Euro Einsparungen lautet seine Vorgabe.

Das „Ohne uns“ kam umgehend: Der von Albrecht angepeilte Termin des 29. Februar für die Unterschrift des neuen KV durch Gewerkschaft und Bordbetriebsrat wurde nicht einmal ignoriert. Allerdings hatte Albrecht zuvor einen in der heimischen Wirtschaftsgeschichte einmaligen Akt gesetzt: Mitte Februar kündigte er den Bord-KV auf. Von Verhandlungen war daraufhin keine Rede mehr – vielmehr schlug die für die Luftfahrt zuständige Gewerkschaft Vida zurück und kündigte am 23. März ihrerseits den Tyrolean-KV.

Die Pattstellung ist brandgefährlich, schließlich hat die Lufthansa der AUA die überlebenswichtige Geldspritze von 140 Mio. Euro nur zugesagt, wenn das Sparpaket greift. Dieses Geld braucht die AUA aber auch, um den Tyrolean-Umstieg zu finanzieren. Für diesen Fall haben schon bis zu 300 Piloten mit dem Abflug gedroht – inklusive ihrer Abfertigungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2012)

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49 Kommentare
 
12
Gast: gast4733
09.04.2012 09:38
1

Generelles Luftfahrtproblem.

Das Problem sind in Wahrheit die Versprechen der Fluggesellschaften über automatische Gehaltsvorrückungen. Solange die Fluggesellschaften jung sind, haben sie auch billige Piloten. Die Piloten steigen zu geringen Gehältern ein & freuen sich eines Tages Besserverdiener zu werden. Die Fluggesellschaft ihrerseits freut sich billiges Personal JETZT zu haben. Dann wird die Fluggesellschaft 30Jahre alt & plötzlich sind alle Piloten so böse, dass man ne Billigfluggesellschaft gründen muss. Schliesslich muss man sich ja an ein Versprechen als Unternehmer nicht unbedingt halten. Fazit: Sehr bald werden Piloten an das Märchen "Heute verdienst du nur 2.300€ Brutto, aber in 40Jahren verdienst du 10.000" nicht mehr glauben, sondern sofort 6.000 verlangen & in 40 Jahren geben sie sich mich mit 8.000 zufrieden. Die Glaubwürdigkeit der Lohnversprechen der Flugunternehmen, welche über Jahrzehnte gehen ist eindeutig NICHT MEHR gegeben. Ein gewerkschaftliches Umdenken ist hier von nöten. Am Anfang gleich ein ordentliches Gehalt, von dem man Leben kann (trotz 80.000€ Ausbildungsschulden im Handgepäck) & nach 40 Jahren eben weniger (Dadurch spart man sich die Postings der riesigen Neidgenossenschaft).

Die Glaubwürdigkeit der Lohnversprechen der Flugunternehmen, welche über Jahrzehnte gehen ist eindeutig NICHT MEHR gegeben.

Danke, so ist es und es gibt schon Unternehmen die ihr Personalproblem auf diese Art und Weise angehen. Nicht zu ihrem Nachteil und das Personal kann sich halbwegs darauf verlassen nicht ver... zu werden.

Gast: total crash
02.04.2012 20:55
1

Die letzten Worte des letzten AUA Piloten:

Shit Landebahn,nur 60 Meter lang aber 3 Kilometer breit.

Und das war`s dann mit der AUA.

So wird`s im übertragenen Sinne kommen,Bruchlandung,Totalschaden,keine AUA mehr,aus die Maus.

Gast: Kleiner Doc
02.04.2012 14:22
4

Wie üblich

Wie üblich Vertreterdie mit voller Härte und dafür ohne Hirn agieren. AUA in den Konkurs schicken, dann hat sich das Problem gelöst und funktioniert noch als Lehre für alle anderen unflexiblen Privilegienritter als Warnung!

nur weiter so

dann hat sich das Problem bald von selbst erledigt. Wenn die AUA endlich pleite ist gibts auch keine Abfertigungen für die Privilegienritter, und auch der Betriebsrat wird dann zum Ex-Betriebsrat.

Re: nur weiter so

Keine Sorge, wenn die AUA keine Kohle mehr hat, dann kriegen die "armen" Piloten ihre Abfertigungen halt vom österreichischen Steuerzahler. Wetten wir?
War bei der Hypo auch nicht anders. Die wurde von Haider bei gutem Wind und Wetter an die Deutschen verkauft, und als die Bayern drohten, die Bank wegen Unrentabilität zu schließen, hat sie der österr. Staat wieder zurückgekauft und würgt seither an den Schulden herum. Schuld ist, wie kann es anders sein, der tote Haider.

Gast: Haba Zwo
02.04.2012 11:34
6

Die Gewerkschafter der Reifenwerke von SEMEPRIT

haben auch den Kampf damals auch "vorläufig gewonnen". Ergebnis ist allen bekannt, außer ein paar AUA Piloten.

Antworten Gast: rompitasche
02.04.2012 15:49
6

Re: Die Gewerkschafter der Reifenwerke von SEMEPRIT

der entscheidende "Sieg" der Semperit-Gewerkschafter erfolgte schon Ende der 80er, als sie mit einem Njet zu einer vierten Schicht die Conti dazu brachten, in D statt in Traiskirchen zu investieren.

Gast: Pips
02.04.2012 10:20
7

Ich

würde die sogenannte Firma einmal in den Konkurs schicken. Das haißt zwar, die Angestellten würden vorübergehend von den Steuerzahlern ausgehalten werden. Aber nur Kurz. Dann ist Ruhe im Stadl. Mittlerweile kann die Lufthansa in Ruhe eine neue "AUA" gründen. Falls sie das will. Wenn nicht, die Welt dreht sich wie immer weiter.

Antworten Gast: Hintergrund
02.04.2012 11:59
2

Re: Ich

... die welt dreht sich wie immer weiter !? nur bis zum 21.12.2012,denn vielleicht sahen die maya ja den völligen untergang des sozialismuses voraus ! ich würde zu fuss nach mexico pilgern !!

Gast: pilot 45
02.04.2012 08:55
8

300 Piloten - hahahahahahahahahaha!!!

Es sind derzeit etwa 50 Piloten angemeldet, die einen Termin mit dem Personalchef ausmachen wollen, um ein eventuelles Abfertigungsangebot zu diskutieren.
Es sind nicht 50 die gehen wollen und auch nicht 50 die gehen werden.
Sie haben nur ernsthaft Interesse an einem Gespräch bekundet und wollen schon mal auf einer Liste stehen, um sich den Spielraum für ihre Zukunft zu erhöhen.
300?
Diese Zahl ist doch nur Taktik des Betriebsrates. NIEMALS gehen auch nur 100, wo sollen sie denn hin gehen?
Es gibt derzeit keine Jobs bei seriösen Airlines in Europa. Viele Piloten der AUA sind um die 40. Sie müssten noch 20 Jahre pendeln. Nach China, nach Korea mit Kindern und Haus in Österreich? Außerdem müssen die sehr strengen Auswahlverfahren erst einmal geschafft werden. Die AUA hat gute Piloten, aber nicht jeder wird diese Verfahren bestehen, wie sich schon in der Vergangenheit gezeigt hat

Antworten Gast: br
18.04.2012 15:06
0

Re: 300 Piloten - hahahahahahahahahaha!!!

Jetrzt sind es doch 50. Gscheiterl...

Antworten Gast: Capt
06.04.2012 07:52
0

Re: 300 Piloten - hahahahahahahahahaha!!!

Lieber pilot45 KVneu, Du hast recht, es sind nicht 50 die "gehen wollen" sondern es waren bereits vor zehn Tagen mehr auf der Liste. Und wenn Du wirklich Pilot bist solltest Du wissen dass die Airlinewelt nicht nur aus China, Korea und Innsbruck besteht und dort niemand "DLR" verlangt sondern ein eigenes Screening sowie PiC-Stunden auf >60 Tonnen MTOM. Es gibt durchaus mobile Ehefrauen und Familien, Pendeln ist nicht für Alle Voraussetzung.
Das ist jetzt blöd für Dich, gell? Aber schreib nur weiter so Fundiertes..

Antworten Gast: Cathay
03.04.2012 13:18
0

Re: 300 Piloten - hahahahahahahahahaha!!!

Die heiße Luft des OS-BRB verpufft immer mehr. Der Rückhalt innerhalb der Firma übrigens auch...aber kein Wunder wenn nach dem Übergang die Verträge schlechter als die VO-Verträge sein werden (Dankschreiben bitte an die VIDA!)

Interesse können ja viele haben, aber gehen werden wohl nur die wenigstens.
Das weiß auch der Vorstand.

Die Selektion anderer Airlines ist wohl für Viele eine unüberwindbare Hürde..

DLR hat die betroffene Gruppe nicht, Swiss Selektion nur durch Vitamin B (Familienstammbaum = Sen.Liste),
Gilt natürlich nicht für Alle aber für zu Viele.

Aber wenn man sich die Kommentare dieser Herren hier, oder in anderen Foren ansieht, zeigt sich leider wieder das hohe Naserl vieler Leute dort. International gesehn völlig unverständlich...

Die wenigen Fähigen sind schon lange weg. Die mit guten Connections gehen wohl jetzt. Und die, die Alt genug sind haben sich drüber gerettet und nehmen wohl auch das Geld.
Werden aber nicht viele sein..

Interesse können ja viele haben, aber gehen werden wohl nur die wenigstens. Das weiß auch der Vorstand.

Der Vorstand ist völlig daneben, vom Neuen aus Deutschland mal abgesehen, der ist noch unbeschrieben.
Je nach Esakalation gehen sogar mehr als 300, allerdings kann sich die AUA die Abfertigungen nicht leisten und so wird es heiß hergehen, denn wer will als Verantwortlicher im Management schon zur Verantwortung gezogen werden?
Der Poker ist heftig, wenn das mal nicht schief geht, für die genialen Deutschen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Der Informant
04.04.2012 02:53
0

Re: Interesse können ja viele haben, aber gehen werden wohl nur die wenigstens. Das weiß auch der Vorstand.

Richtig, die AUA muss sich nix leisten ... die Frage lautet eher wieviel ist LH bereit einzubringen bzw. ist die Summe, welche für die Abfertigungen benötigt werden bereits im Rahmen von SCORE einbudgetiert ...

ist die Summe, welche für die Abfertigungen benötigt werden bereits im Rahmen von SCORE einbudgetiert ...

Die Abfertigungen sind allerdings nicht Alles!

Das Bordpersonal


hat offenbar kein Interesse am Überleben der AUA!

Sonst würden sie von sich aus auf jedes 2. Gehalt verzichten, bis die Gesellschaft wieder in der Gewinnzone ist und endlich neue Flugzeuge angeschafft hat!

Aber offenbar haben die betroffenen Dienstnehmer nur Interesse daran, die Eigentümer auszunehmen!

Auf so eine Belegschaft kann ich gut verzichten, da würde ich den Betrieb schließen und mit anderen Leuten neu anfangen!


Antworten Gast: AB
02.04.2012 10:45
7

Re: Das Bordpersonal

was für ein dümmlicher Kommentar.........
ohne jegliches Hintergrundwissen---Hauptsache Geschäftsführung etc. erhöhen sich dann mit diesem eingespartem Geld ihr
Gehalt(boni etc.....)

Nene ,hart bleiben

(Piloten----haltet zusammen)

Re: Re: Das Bordpersonal


Ja genau, stellt Euch gemeinsam beim AMS an!


Re: Re: Re: Das Bordpersonal

wünschen sie sich das wirklich? die fahren dann in bentley und rr vor und sie müssen sie dann bedienen :-)

Re: Das Bordpersonal

Es freut mich, dass Sie es sich leisten können auf jedes 2. Gehalt zu verzichten.

Die meisten Mitarbeiter der AUA können dies nicht.

Ihr Posting ist mehr als grotesk.

Re: Das Bordpersonal

So ein Schwachsinn. Wissen Sie, daß ein Pilot 80.000€ für seine Ausbildung berappen muß?! Warum richten Sie Ihren Vorwurf nicht an das Management, das jahrelang weit überzogene Gehälter und Millionen Boni kassiert hat. Die Gehälter der Piloten liegt im oberen Durchschnitt vergleichbarer Fluglinien.
Neid ist ein schlechter Ratgeber, aber ein typisch österreichisches Charakterbild.

Re: Re: Das Bordpersonal


Warum posten Sie so einen Unsinn?

Den meisten Piloten hat doch auch die AUA die Ausbildung bezahlt!!!


Re: Re: Re: Das Bordpersonal

Was heißt dem MEISTEN? So kann man nicht debattieren!

Antworten Antworten Antworten Gast: Kigeca
02.04.2012 14:28
6

Re: Re: Re: Das Bordpersonal

zwischen vorfinanziert und bezahlt gibt es wohl einen Unterschied. Ich habe meine Ausbildung sehr wohl selbst bezahlt.

 
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