Die Telekom will brav werden

03.04.2012 | 18:19 |   (Die Presse)

Gutes Benehmen, keine Geschenke und Einladungen mehr an Politiker, keine Spenden an Parteien. Die Telekom verordnet sich Benimmregeln. Verhindert hätten sie die Skandale nicht.

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Wien/Auer. „Wir werden sicher keine Politiker mehr zum Hahnenkammrennen nach Kitzbühel oder zu Beachvolleyball-Spielen nach Kärnten einladen“, sagt Martin Walter selbstbewusst. Seit November ist der Deutsche dafür verantwortlich, den 9700 Mitarbeitern der Telekom Austria gutes Benehmen beizubringen. Doch ganz so einfach ist es mit der „Corporate Governance“, wie der Verhaltenskodex auf Neudeutsch heißt, hierzulande nicht. So hat die Telekom seit Herbst zwar neue Richtlinien beschlossen, in Stein gemeißelt sind sie aber nicht.

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So heißt es etwa: „Einladungen an Amtsträger zu Veranstaltungen ohne jeglichen geschäftlichen Charakter sind nicht zulässig.“ Ob künftig aber wirklich kein Politiker mehr mit einem Telekom-Ticket neben der Streif stehen wird, darf bezweifelt werden. Ausnahmen seien immer möglich, ruderte auch Walter am Montagabend letztlich zurück: „Wenn es der Vorstand so will.“

„Ich blicke nicht zurück“

Dass sich der Konzern gerade jetzt Benimmregeln verpasst, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Schließlich beschäftigt sich der Untersuchungsausschuss im Parlament seit Mitte Jänner vor allem mit der Spenden- und Einladungspolitik des staatsnahen Konzerns. Beleuchtet werden etwa mutmaßliche Kursmanipulationen, Jagdausflüge mit dem ÖVP-nahen Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly und Spenden an Politiker und Parteien. Die Rechnungen bezahlt hat die Telekom – meist über den Umweg Peter Hochegger. Alle Betroffenen bestreiten die Schmiergeldvorwürfe; es gilt die Unschuldsvermutung.

Der neue Aufpasser will davon am liebsten gar nichts hören. „Ich blicke nicht zurück“, sagt Walter. Mit der internen Aufarbeitung der Skandale sei BDO Deutschland beauftragt, er kümmere sich lieber um die Zukunft. Nur so viel: Es seien „die falschen Leute“ am Ruder gewesen. Solche nämlich, die „die Regeln nicht geachtet“ hätten. Ganz erspart blieb dem früheren Controller der T-Mobile Deutschland der Blick zurück freilich nicht. Wie anders ließe sich erklären, dass die ersten drei neuen Konzernrichtlinien sich just mit den Themen „Sponsoring, Spenden und Werbung“, „Geschenke und Einladungen“ sowie „Beratung und Lobbying“ beschäftigen?

„Auch künftig alles möglich“

Walter ist harte Zeiten gewöhnt: So kümmerte sich der Manager nach dem Spionageskandal bei der Deutschen Telekom um neue Verhaltensregeln. Jetzt soll er die Sitten – und das Image – bei der Telekom Austria verbessern. Die neuen Regeln fallen auf den ersten Blick strenger aus als bisher. So sollen Geschenke an Amtsträger grundsätzlich verboten sein. Einladungen gibt es nur noch gegen die schriftliche Bestätigung, dass kein Gesetz und keine internen Regeln verletzt werden. Lobbyisten und Berater sollen sorgfältiger ausgewählt werden. Geschenke an Geschäftspartner sollen nicht mehr als hundert Euro im Quartal kosten.

Dennoch dürfte vieles, was die Justiz heute beschäftigt, auch in Zukunft möglich sein. So können Lobbyingaufträge unter 100.000 Euro auch weiterhin ohne Vorstandsbeschluss vergeben werden. Wenn es der Vorstand will, darf die Telekom auch künftig Politiker einladen oder Parteiveranstaltungen sponsern. Will er das nicht machen, bleibt noch der Umweg über einen Lobbyisten. Denn der neue Verhaltenskodex gilt zwar für Telekom-Mitarbeiter, nicht aber für Lobbyisten im Auftrag des Konzerns. Interpretationsspielraum gebe es immer, räumte auch Walter ein. Etwa im Fall von Markus Beyrer. Um zumindest 13.000 Euro durfte der damalige Generalsekretär der Industriellenvereinigung einst auf Rechnung der Telekom jagen. „Heutzutage würde man das nicht mehr machen“, sagte Walter. Allerdings sei Beyrer damals kein Amtsträger, sondern nur Führungsmitglied eines privaten Vereins gewesen. Heute ist Beyrer ÖIAG-Vorstand und als Aufsichtsratschef der Telekom für die Aufarbeitung der Skandale zuständig.

In den nächsten Wochen soll jeder der 9700 Telekom-Mitarbeiter einen halbstündigen Test über das neue Regelwerk absolvieren. Die Erfolgsaussichten sieht selbst dessen Urheber nüchtern. „Mit genügend krimineller Energie ist auch in Zukunft alles möglich“, sagte Walter. „Niemand kann garantieren, dass es kein Fehlverhalten geben wird.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2012)

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42 Kommentare
 
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Gast: DER BÜRGER
05.04.2012 06:57
0

9700 Mitarbeitern der Telekom Austria

MITARBEITER sollen helfen, die Weste des Unternehmens wieder weiss zu waschen.
Mitarbeiter die SICH NICHT BEREICHERT HABEN!

Aber hat sich diese Unternehmensführung in den letzten Jahren gegenüber den Rest (9700 Mitarbeiter) ehrlich verhalten?

Und nun sucht diese Unternehmensführung Hilfe bei den Mitarbeitern.........

WIE MAN IN DEN WALD RUFT, SO HALLT ES AUCH HERAUS.

Viele der (9700) Mitarbeiter hoffen nun, das im Mai bei der Generalhauptversammlung diese Unternehmensführung & Aufsichtsrat "ENDLICH" ihren Arbeitsplatz räumen muss.

Nur so kann sich alles zum besseren Wenden.

Gast: DER BÜRGER
04.04.2012 09:30
0

„Ich blicke nicht zurück“

Traurig Herr Walter.
Doch in der Vergangenheit liegt die Wahrheit.
Dort finden sie die Verursacher, die nun mit den Benimmregeln natürlich wieder alles von sich abputzen wollen.

Zuerst sollte "OBEN" ausgemistet werden. Nur wenn dort der "SUMPF TOCKENGELEGT IST", wäre das Unternehmen einmal frei von einigen Plagen.

Auch fehlt mir noch immer Ihr Kommentar zur Sache: .....Edith Hlawati stellvertretende Telekom-Aufsichtsratschefin ist, während gleichzeitig ihre Partneragentur "Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati" Auftragnehmer der Telekom ist.....

Auf ihre Antwort wird gewartet, oder hat der Vorstand ihnen einen Maulkorb umgehängt?

Wir warten auf ihre Antwort

Brave, brave Telekom

„Wir werden sicher keine Politiker mehr zum Hahnenkammrennen nach Kitzbühel oder zu Beachvolleyball-Spielen nach Kärnten einladen“

Dann halt zum Pferderennen oder zu Sektparties.

brav

bin auch brav zur telekom und habe keine produkte mehr von der telekom.

Re: brav

gut so, denn nicht wie im Artikel fälschlich erwähnt zahlt die Telekom, sondern der Kunde!

Falsch: Politik muss brav werden

Der absolut falsche unsinnige Ansatz bringt nichts.

Dann stehlen die Politiker halt bei tausend anderen Firmen, die nicht brav sind.

Kontrolle der Politiker und saftige Strafen und natürlich muss die ganze Parteienfinanzierung transparent sein.

Wenn man bedenkt, dass die ÖVP mit Spindelegger einen Mann hat, der damals in den Fall um Minister Lichal involviert war, dann muss es heißen - nur mehr ÖVP ler ohne Vergangenheit oder öffentlich schwören, nie wieder böses zu machen.

Re: Falsch: Politik muss brav werden

na dann bin ich ja beruhigt, dass es wenigstes noch EINE ehrliche Partei in Österreich gibt.

Re: Falsch: Politik muss brav werden

aso, und die SPÖ ist heilig?

Gast: Einer aus dem inneren Kreis schreibt selbst:
03.04.2012 21:16
1

Die grössten Gewinne wurden durch Insider-Handel gemacht

Die Kursmanipulation mit Scheinrückzahlungen irgendwelcher Boni soll davon nur ablenken.

Gast: Lecko Mio
03.04.2012 19:27
1

sagt ehrlich ihr kreativen da draussen (hier im forum)...

.... regisseure,kabarettisten,schriftsteller(krimi,thriller) u. schauspieler ,so etwas (was hier abgeht) könntet ihr euch gar nicht ausdenken um auf die bühne,auf die leinwand oder auf papier zu bringen ?! falls doch, jeder zuseher bzw. leser würde meinen: gibts net wirklich,alles fiktion aber trotzdem witzig wie kaisermühlenblues oder kottan ......

Wers glaubt

stirbt selig!

Import aus Deutschland

Während wir Führungskräfte nach Deutschland exportieren (Lufthansa, Siemens etc.) bekommen wir vom "Exportweltmeister" einen "Compliance-Director", der das "Wohlverhalten" unserer Bad-boys wiederherstellen soll. Er wird an unserer Freundlichkeit und Wurschtigkeit zerschellen, wie schon andere auch (Ex-ÖIAG-Boss!). Mehr Effizienz kann man vom Investor Pecik erwarten, der sowieso den gesamten Vorstand austauschen will. Dann wird auch der Kundendienst besser und man wird auch Geld für ein besseres Netz haben. Letztlich hat "3" ja A1 in dieser Hinsicht überholt!

Gast: Hans Mobilkom
03.04.2012 18:06
3

Benimm Regel für GD Ametsreiter

Nun hat GD Ametsreiter endlich eine Vorwärtsstrategie gefunden. Bisher hat sich ja die Telekom/A1 nicht richtig benommen. Jetzt wurde ein "Compliance-Director" installiert. Ein aufrechter Deutscher (mein Gott Walter…) soll es den Ösis richten. Österreicher gibt es offensichtlich keinen. GD Ametsreiter hat bekanntlich mit seinen Kollegen Sundt, Fischer, Nemsic, Nigl usw. kräftig beim Aktiensprung abkassiert. Reumütig hat er angeblich seinen Anteil zurückbezahlt. Damit hat er sich reingewaschen und hat aufgeräumt, in dem er dem U-Ausschuss seine Hilfe anbot. Trotz der Vorgänge bleibt er A1 Generaldirektor. Im Jahr 2011 war A1 erstklassig, zumindest was den 253 Mio € Verlust angeht. Dennoch cashten die Vorstände Ametsreiter und Tschuden jeweils über 1 Mio € inkl. „zielerreichungsabhängige Vergütung“! Dies ist auch für österreichische Verhältnisse einmalig. Seine Rückzahlung zahlt GD Ametsreiter aus seiner Portokassa. Gegenüber der Nettoverschuldung des Konzerns von 3,3 Milliarden € ist das marginal. Warum wird der erfolgreiche GD Ametsreiter nicht abgelöst? Weil sein Aufsichtsratschef Beurer ebenfalls in die Telekom-Affäre verwickelt ist. Wenn man als Manager so erfolgreich war, sollte man den Charakter haben, selbst zurückzutreten. Es trifft keinen Armen. Die Compliance gilt offensichtlich nur für die normalen Mitarbeiter, oder?

Gast: from another point of view
03.04.2012 17:55
1

Unseres ist Meines?

Solange honorige Führungskräfte, die allseits bekannt sind und prominent, es nötig haben sich mit allen Alltagskleinigkeiten "an die Firma" zu wenden (Schreibgeräte, Mal-Utensilien für die Ehefrau etc.), solange helfen auch Verhaltensmassregeln nichts. Die sind max. im unteren und mittleren Bereich wirksam. Das weiss jeder Chief Compliance Officer und ganz klar jeder CCM. Hier versucht man nur alibimässige öffentliche Aufregungsberuhigung zu betreiben.

Re: Unseres ist Meines?

die Verhaltensregel gelten sowieso nur fürs Untertan.

Gast: Telefonjohnny
03.04.2012 17:46
1

Benimmregeln aus für einfachere A1-Mitarbeiter

Gelten die Regeln auch für "normale" A1-Mitarbeiter wo während der Arbeitszeit den ganzen Nachmittag beim Heurigen gesoffen wird und man den Tag mit einem gemeinsamen Puffbesuch abrundet?

Gast: Eleonora K.
03.04.2012 17:23
1

Regeln für Saubere Telekom

Armutszeugnis

Gast: b754
03.04.2012 16:58
3

die oberste regel ist

laß dich nicht erwischen

Wiso

wird eigentlich immer ein Foto genommen mit einem Vertreter der wohl fleißigsten Gemeindebediensteten Österreichs am Bild?
Wenn manche andere Magistrate und Gemeindedienststellen in Österreich nur halb so gut arbeiten würden wäre einem auch schon viel geholfen.

Antworten Gast: DER BÜRGER
03.04.2012 17:14
0

Re: Wiso

AUSMISTEN?
SUMPF TROCKENLEGEN?

oder

BANANENSCHALEN WEGKEHREN?

ES LEBE DIE BANANENREPUBLIK DIE DIE VERURSACHER SCHÜTZT, UND DEN MOB STÄNDIG VERDÄCHTIGEN.

Prinz Metternich lebt......


Gast: total crash
03.04.2012 16:38
1

Benimm-Regeln?

Soweit mir bekannt ist,war in der Vergangenheit Loyalität gegenüber des Betriebes selbstverständlich.
Da brauchtet`s keine extra Benimm-Regeln (wie jetzt neu),jeder wusste was ist mein was ist dein und mit dieser Mentalität wurde aus Trümmern ein funktionierender Staat aufgebaut,alle hatten etwas und waren Zufrieden,aber die heutigen Wappler?

Nur blöd reden,schön und reich sein, in den Seitenblicken,Hochglanzillustrierte usw usf (auf Kosten von anderen)Sprechgack und Gedankengack,Belug und Betrug wos`t nur hinschaust.

Und kan Scheniera.

Wenn`s ah ausgleichende Gerechtigkeit gibt,soll`n alle Korruptler übel stinkenden Dauerdurchfall mit Krämpfen bekommen und niergend`s soi ah Heil frei sein,alle besetzt und wann`s frei wird soi kah Heislpapier do sei :) Bruahahah;o)

zum lachen

vor jahren noch bekam zb eine kleine beamtin/er welche bunstifte und blöcke für ihre kinder mitgenommen hatten noch ein disziplinarverfahren, welches ohne weiteres bis zur gehaltkürzung gehen konnte, wohlgemerkt eine kleine beamtin mit vielleicht 1400 euro. spitzenkräfte der oberen führungsebenen lavieren sich aus allem in schleimigster manier heraus und stellen sich selbst auch noch als herrren über personalabbau und effizienzkontrolle dar. das alte sprichwort stimmte schon immer: der fisch stinkt vom kopf her, auch wenn die sogenannten führungskräfte lautstark anderes behaupten.

Gast: Blankenstein Husar
03.04.2012 16:16
2

Ein, von echten Persönlichkeiten geführtes Unternehmen braucht keinen "Verhaltenskodex",

Den brauchen nur linke Falotten, korrupte Politiker, Emporkömmlinge und Neureiche...

Dieser ganze Mist

hängt einem schon ganz stark beim Hals heraus.
Sind die alle total verblödet. Ich würde denen so richtig gerne mit dem Hammer auf die Finger hauen. Aber schon so richtig fest, diesem Gesindel.

Gast: nußknacker
03.04.2012 16:06
1

nachdem man sich überall durchgeschummelt hat,

muß man jetzt schnell via türschildchentausch (nona!) zu den braven wohltätigen.
kapital hat man ja inzwischen lukriert.

in wien gibts sogar schon gratis speibsackerl für menschen ohne hunde.

praktisch!

Der Wahnsinn ist das nicht von Haus aus die Herren u. Damen

Politiker Anstand gezeigt haben von derart unseriösen Geldleuten Abstand zu nehmen. Aber halt, von Politikern Anstand und Moral zu verlangen ist wie von einem Alkoholiker zu verlangen einmal eine Woche nichts zu trinken.

 
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