Pflegekräfte: Bund fühlt sich unzuständig

04.04.2012 | 18:17 |   (Die Presse)

Das Sozialministerium sieht die Länder am Zug. Bevor Geld aus Pflegefonds fließt, muss Mitteleinsatz gemeldet sein. Die Aufteilung erfolgt nach der Einwohnerzahl der Länder. Grüne fordern höhere Entlohnung.

Drucken Versenden
 
A A A
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien/Ett. Anders als im Sommer 2006 steht keine Nationalratswahl unmittelbar bevor, Warnungen vor einem neuen Pflegenotstand wegen eines wachsenden Personalmangels werden auch deswegen auf Bundesebene prompt an die Länder weitergespielt. Nach dem Alarm des Vorsitzenden der Vereinigung der Pflegedirektoren, Karl Schwaiger („Presse“-Mittwochsausgabe), sah sich das Sozialministerium, das auf Bundesebene für die Pflege zuständig ist, nicht als erste Ansprechadresse. Dafür seien die Bundesländer zuständig, lautete die höfliche Erstreaktion in dem von Rudolf Hundstorfer (SPÖ) geführten Sozialressort.

Mehr zum Thema:

Die Bundesregierung betrachtet ihre Aufgabe vorerst als erfüllt, nachdem im April des Vorjahres unter der Federführung von Hundstorfer und Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) mit den Ländern paktiert wurde, dass von 2011 bis 2014 zusätzlich in Summe 680 Millionen Euro für einen Pflegefonds bereitgestellt werden. Die Aufteilung erfolgt nach der Einwohnerzahl der Länder.

Der Bund lässt sich zur Kontrolle von den Ländern Bericht erstatten, was diese konkret mit den zusätzlichen Mitteln für die Pflege machen. Dazu waren die Länder erstmals im Herbst 2011 verpflichtet, bevor das Geld aus den Bundesmitteln freigegeben wurde. Insgesamt wendet der Bund schon bisher rund zwei Milliarden Euro pro Jahr für die Pflege auf, großteils für das Pflegegeld an rund 430.000 Bezieher bundesweit. Für heuer geht es um 150 Millionen Euro extra, damit Länder und Gemeinden Pflegedienste ausbauen können.

 

Erste Bilanz über Mittelvergabe

Das Sozialministerium gibt jetzt auf Anfrage der „Presse“ Einblick, was mit den Zusatzmillionen passiert. Das variiert stark:
•Bei den mobilen Diensten werden die jährlichen Leistungsstunden zwischen 1,5Prozent (Burgenland) und 48Prozent (Oberösterreich) erhöht. Die durchschnittlich erwartete Steigerung liegt bei zehn Prozent. Insgesamt wird heuer mit 1,16 Millionen an zusätzlichen Leistungsstunden für die Pflege gerechnet.
•Im stationären Bereich ist eine Erhöhung der jährlichen Verrechnungstage von 3,5Prozent (Niederösterreich) bis 36,7Prozent (Tirol) vorgesehen. Der Durchschnitt liegt bei 11,9Prozent.
•Bei den teilstationären Diensten werden die Besuchstage um 10,2Prozent (Wien) bis 39,1Prozent (Burgenland) ausgeweitet. Im Schnitt gibt es ein Plus von 13,6 Prozent, in absoluten Zahlen wird mit 42.117 Besuchstagen mehr durch Pflegekräfte gerechnet.

Volle Unterstützung für Pflegedirektoren-Chef Schwaiger bekundet der grüne Sozialsprecher Karl Öllinger: „Wir waren immer für eine Aufwertung der Pflegeberufe. Für uns heißt das Investieren in die Qualifizierung der Pflegekräfte.“ Der „springende Punkt“ sei eine bessere Entlohnung des Pflegepersonals, stellt Öllinger fest.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2012)

 
Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

1 Kommentare
Gast: Fischer Maria
05.04.2012 11:30
0

Pflegenotstand

Da wird wieder einmal gejammert, dass ein Pflegenotstand ansteht. Eigentlich ist in den letzten 10 Jahren nichts passiert, das strukturelle Mängel in der Pflegearbeit verbessert hätte. Als in der Pflege tätige Person bin ich wütend und ohnmächtig, da sich keine politische Partei dazu durchringen kann, die Strukturen der Pflegeaus- und Weiterbildungen zu verbessern.

Beispiel:
Seit vielen Jahren ist die Finanzierung von Weiterbildungen und der Berufsschutz von PflegehelferInnen nicht zufriedenstellend geklärt.
Wenn PflegehelferInnen, die absolut geeignet sind, sich zur diplomierten Gesundheit- und Krankenpflegeperson aufschulen lassen wollen, gibt es keine gesetzliche Möglichkeit diese Ausbildung, finanziell abgesichert, zu absolvieren. Es hängt vom gutem Willen eines Arbeitgebers ab, ob eine Aufschulung bezahlt wird. Meistens ist es nicht das primäre Interesse eines Arbeitgebers, den Interessen eines Angestellten nachzukommen, zumal Pflegehelfer einen Gutteil der Pflege abdecken.
Für die einzelnen Personen ist diese Sackgasse aber absolut unzufriedenstellend.

Warum keine Gewerkschaft und keine Berufsvertretung sich um den Berufsschutz der PflegehelferInnen kümmert, ist mir schleierhaft. Jeder Maler und Anstreicher, jeder Kellner und Maurer hat den Berufsschutz bei Krankheit, nur die Pflegehilfe hat dies nicht. Dies ist eine krasse Benachteiligung einer Berufsgruppe die für die Gesellschaft viel leistet.

mfg Fischer Maria

Umfrage






  • Der Mann hinter Netrebkos Kleid

    Wie in einem Meer aus Sternen soll Anna Netrebko bei den Festspielen als Manon Lescaut auf der Bühne stehen. Jan Meier hat das Kleid entworfen.

  • Cocktailglas und Bügeleisen: Schlaflos durch die Nacht

    Javier Mancilla, der Organisator des ersten Wiener Gardening Cocktail Festival, hat ein Konzept für die perfekte Partyatmosphäre entwickelt.

  • Wo sich Fuchs und Mensch Gute Nacht sagen

    Unterhalb des Plattenbaus, in dem ich lebe, hat sich vor einiger Zeit eine Fuchsfamilie einquartiert.

  • Eine Balletteuse im Halbschatten

    China-Wiesenraute. An Zierlichkeit kaum zu überbieten ist diese hochgewachsene Pflanze aus der südlichen Provinz Chinas, von dem die Pflanzenjäger des 19. Jahrhunderts andächtig als der "Mutter aller Gärten" sprachen.

  • Wenn der Nachbar zum Freund wird

    Sie können die unangenehmsten Zeitgenossen sein oder zu Freunden werden. Nachbarn rücken längst nicht mehr nur auf dem Land näher.

  • Chilis aus dem Mostviertel

    Richard Fohringer hat vor neun Jahren mit sechs Chilipflanzen begonnen. Heute kultiviert er 400 verschiedene, darunter den schärfsten Chili der Welt.








  • Das Leben entstand in Tiefseevulkanen

    Ahnherr Luca war gerüstet für die unwirtliche Umwelt.

  • Rubens und Brueghel unter dem Mikroskop

    Am Naturwissenschaftlichen Labor des Kunsthistorischen Museums in Wien untersuchen die Forscher Werke großer Berühmtheiten: neben Gemälden auch Münzen.

  • Wer führt? Wer folgt?

    Auch Tiere haben unterschiedliche Persönlichkeiten, das sichert das Überleben in launischen Umwelten. Und es schlägt auf das Soziale durch.

  • Glasherstellung

    Die Herstellung von Glas zählt zu den ältesten Kulturtechniken. Das ändert nichts daran, dass die Geheimnisse dieses Materials noch lang nicht restlos erkundet sind.

  • Sauerstoff fehlte gleich mehrmals

    Forscher finden Ursache für historische Klimakatastrophe.



Jobsuche




>> zur Detailsuche




AnmeldenAnmelden