EZB: Zinsen bleiben sehr tief, Teuerung weiter zu hoch

04.04.2012 | 18:19 |   (Die Presse)

EZB wird ihr eigenes Inflationsziel auch 2012 verfehlen. EZB-Chef Draghi warnte bei einer Pressekonferenz vor weiteren „Abwärtsrisken“ für die Weltwirtschaft.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien/Jil. Und sie bewegt sich nicht: Die Europäische Zentralbank hat am Mittwoch beschlossen, den Leitzins weiterhin auf dem Rekordtief von einem Prozent zu belassen. EZB-Chef Mario Draghi warnte bei der Pressekonferenz vor weiteren „Abwärtsrisken“ für die Weltwirtschaft und gestand ein, dass die Inflationsrate im Euroraum auch 2012 über dem offiziellen EZB-Ziel von zwei Prozent liegen werde: „Die Teuerungsrate wird wahrscheinlich 2012 über zwei Prozent liegen, wobei Aufwärtsrisken bleiben.“

 

Inflation: 2,1 bis 2,7Prozent

Laut Mandat der Europäischen Zentralbank ist es ihre zentrale Aufgabe, die Inflation nahe, aber unter zwei Prozent zu halten. Draghi sieht in einer leicht erhöhten Inflation aber kein allzu großes Problem. „Über den für die Geldpolitik relevanten Zeithorizont erwarten wir, dass die Preisentwicklung im Einklang mit Preisstabilität bleibt“, sagte er am Mittwoch. Die Teuerungsrate werde sich 2012 in einer Spanne von 2,1 bis 2,7Prozent bewegen, so die EZB.

Die EZB hatte die europäischen Geschäftsbanken im Dezember 2011 sowie im Jänner 2012 mit extrem billigem Geld geflutet. Diese zusätzlichen 1,1 Billionen Euro haben die Bilanzsumme der Notenbank auf fast drei Billionen Euro anwachsen lassen. Netto sind allerdings nur rund 500 Millionen Euro im Bankensystem angekommen, weil die Banken zum Teil Geld aus anderen Geschäften mit der EZB umschichteten.

Trotz dieser Geldflut und der nach oben revidierten Inflationserwartungen ist Mario Draghi weiterhin überzeugt, die Situation fest im Griff zu haben: „Wir müssen die weitere Entwicklung sorgfältig beobachten. Es ist wichtig, dabei im Hinterkopf zu behalten, dass alle unkonventionellen Maßnahmen vorübergehender Natur sind. Es stehen alle nötigen Instrumente bereit, um Aufwärtsrisken für die mittelfristige Preisstabilität entschieden und zeitnah anzugehen.“

Mit „unkonventionellen Maßnahmen“ meint Draghi die Staatsanleihenkäufe der EZB und die Geldspritzen für Banken. Die hat die Lage zwar vorübergehend stabilisiert, die Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone wachsen aber weiter an. So haben die Beamten in Deutschland erst kürzlich eine der größten Lohnerhöhungen der letzten 20 Jahre erhalten, während die Arbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland weiter ansteigt.

 

Griechenland „druckt“ auch Geld

Ein weitere Inflationsgefahr kommt von den nationalen Notenbanken des Eurosystems, die via der „Emergency Liquidity Assistance“ (ELA) auch frisches Geld „drucken“. So hat die griechische Zentralbank nach Berechnungen des Branchenblogs „querschuesse.de“ alleine im Februar 2012 mehr als 50 Mrd. Euro in den griechischen Bankensektor gepumpt. Die ELA war eigentlich als Notfallinstrument gedacht. Inzwischen dürfte sie aber zumindest in Griechenland zur direkten Bankenfinanzierung eingesetzt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

5 Kommentare
Gast: cdo
05.04.2012 08:27
0

kleine lektion

"...die Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone wachsen aber weiter an. So haben die Beamten in Deutschland erst kürzlich eine der größten Lohnerhöhungen der letzten 20 Jahre erhalten, während die Arbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland weiter ansteigt."

hat das der draghi oder der werte redakteur von sich gegeben?

kleine lektion: wenn der wettbewerbsfähige stärkeren lohnerhöhungen ausgesetzt ist und der, welcher nicht so wettbewerbsfähig ist eine immer höhere arbeitslosenquote verzeichnet (preisfrage: werden da die löhne tendenziell steigen oder sinken?), dann ist das kein "anwachsendes Ungleichgewicht" sondern eine Angleichung

das anwachsen der ungleichgewichte findet immer im BOOM statt, in der rezession finden die anpassungprozesse statt, aber natürlich suchen menschen nie am ursprung sondern zuerst an den sympthomen der probleme

zum glueck kann gold & silber nicht gedruckt werden

und man kann es "noch" ganz regulaer kaufen

Antworten Gast: cdo
05.04.2012 08:03
1

Re: zum glueck kann gold & silber nicht gedruckt werden

die frage ist, wo und zu welchem preis verkaufen, wenn (wie schon früher) der privatbesitz verboten wird und die nationalbank alle bestände zu 200€ die unze einzieht?

Gast: mysterium
04.04.2012 22:36
0

Draghi ist eine TAUBE, kein Falke. Tauben infizieren uns mit Inflation.


Gast: b754
04.04.2012 22:03
0

wir alle wissen dass die schulden weg inflationiert werden sollen

also warum so überrascht die abzocke geht weiter und wird noch stark zunehmen

Umfrage

  • Was halten Sie vom Rauchverbot in der Gastronomie?
  • Das Verbot ist gut.
  • Das Verbot kommt zu spät.
  • Es ist schlecht.
  • Weiß nicht; egal.

Umfrage



Jetzt Breaking-News-Newsletter abonnieren

Die aktuellsten und wichtigsten Nachrichten sofort und kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

„Die Presse“ GESCHICHTE – 150 Jahre Ringstraße

Bitte Javascript aktivieren!
Bitte Javascript aktivieren!

  • Casinos werden voll verstaatlicht

    Casinos werden voll verstaatlicht / Bild: REUTERS"Die Presse" exklusiv. Die Staatsholding ÖBIB hat den Anteilseignern der Casinos Austria erklärt, alle Anteile übernehmen zu wollen.

  • VW: Die Niederlage des mächtigen Patriarchen

    Eigentlich wollte er die Karriere von Vorstandschef Martin Winterkorn beenden. Doch nach dem Machtkampf an der Konzernspitze steht VW-Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch als Verlierer da.

  • Im Namen der Republik

    Urteilsveröffentlichung in der Sache Dr. Herbert Stepic gegen diepresse.com wegen eines Kredits bei der Hypo Alpe Adria.

  • Meinl-Anklage: Zurück an den Start

    Die Staatsanwaltschaft muss auf Anweisung des Oberlandesgerichts die Klage gegen fünf Meinl-Banker nachbearbeiten.

  • Das Chlorhuhn und die Info-Holschuld

    Jeder ist gegen TTIP, aber niemand interessiert sich wirklich für die Fakten.

  • „Bitte nicht verwundert sein“

    Da die Mandate der Vorstände im September 2016 auslaufen, hat der Aufsichtsrat das gesetzlich vorgeschriebene Prozedere zur Ausschreibung der Vorstandsfunktion eingeleitet.





  • „Amerika hat wirklich wehgetan“

    Hubert von Goisern erklärt, wieso er ungern Rückschau hält, Angst vor der Bühne hat – und warum die Arbeit am neuen Album schmerzhaft war.

  • Einstiegsdroge Südisland

    Island. Newbies auf der Insel von Feuer und Eis wählen am besten den Golden Circle in Südisland, eine Route, an der die größten Attraktionen liegen – unter anderem Tankstellen, in denen man bei jedem Wetter Softeis genießt.

  • Hola-di-hi, hola-di-ho

    Nach der Biene Maja und Wickie ist jetzt also auch die Heidi 3-D-technisch aufgemotzt worden.

  • Winzige wilde Kerle in Himmelblau

    Leberblümchen stehen unter Naturschutz, doch kommendes Wochenende kann man nebst vielem anderen auch Wildblumen wie diese auf der Raritätenbörse des Botanischen Gartens der Uni Wien kaufen, heimtragen und im Garten einbuddeln.

  • „Darf ich einmal Ihre Stradivari halten?“

    Konzertkreuzfahrt. Mit den Wiener Philharmonikern und Zubin Mehta im Mittelmeer.

  • Königliche Erdbeeren statt bäuerlichen Opiums

    Thailand. König Bhumibol verwandelte einstige Schlafmohnkulturen in Obst- und Gemüseplantagen. Auf dem Pfad der Königstreuen in der thailändischen Schweiz.



  • "Gerechtfertigt": Schelling will über Lehrerarbeit diskutieren

    Der Finanzminister bekräftigt, dass bei den Beamten gespart wird. Und: Er geht davon aus, dass 2014 das Nulldefizit erreicht wurde.

  • Von Schnitt, Säure und Schauraum

    Weinbau. Die Boku Wien baut ihre Kompetenz durch Kooperationen aus und bietet neben einem Universitätslehrgang das zweite Masterstudium zum Thema Wein in Österreich an. Aber auch andere Programme vermitteln Know-how.

  • „Irgendwas mit Medien“

    Kommunikation. Von Journalismus über Mediaforschung und Medienmanagement bis zu Marketing- und PR-Abteilungen: Zu wissen, wie man mit wem wann, wo und auf welche Art in Kontakt tritt, wird überall zum Erfolgsfaktor.






Jobsuche




>> zur Detailsuche



AnmeldenAnmelden