Breivik: "Ich erkenne die Taten an, aber nicht die Schuld"

16.04.2012 | 16:03 |   (DiePresse.com)

In Oslo hat der Prozess gegen den Attentäter Anders Breivik wegen 77-fachen Mordes begonnen. Er nutzt den Gerichtssaal als Bühne für seine Inszenierung.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

In Oslo hat Montagfrüh der Prozess gegen den Attentäter Anders Behring Breivik begonnen. Der 33-Jährige nutzte bereits sein Eintreffen vor Gericht für seine Inszenierung: Beim Betreten des Verhandlungssaales schlug er seine rechte Faust vor die Brust und streckte sie dann in Richtung Publikum - ein selbst erfundener "rechtsradikaler Gruß", wie er dies früher bezeichnete.

Mehr zum Thema:

Erstmals das Wort verlangte Breivik, als Richterin Wenche Arntzen fragte, ob jemand die Unbefangenheit des Gerichts in Frage stellte. Da erklärte er, dass er die Legitimität norwegischer Gerichte nicht anerkenne, da diese von "Parteien ernannt" seien, die "den Multikulturalismus unterstützen".

Nach der Verlesung der Anklage plädierte Breivik auf nicht schuldig, da er in Notwehr gehandelt habe: "Ich erkenne die Taten an, aber nicht die Schuld". Breivik sieht sich als Kämpfer gegen die Islamisierung Europas. Er habe die norwegische Regierung für die seiner Meinung nach laxe Einwanderungspolitik bestrafen wollen, hatte er im Vorfeld des Prozesses erklärt.

VIDEO: Prozessstart in Oslo: Breivik vor dem Richter

Breivik beim Prozessstart in Oslo / Bild: (c) RCA

Norwegen ist in Aufruhr als der Massenmörder Anders Breivik erstmals den Richtern vorgeführt wird. Es ist der größte Prozess der Nachkriegsgeschichte.

Schockierende Tonaufnahme

Die Anklage spielte am ersten Tag unter anderem ein Video von Breivik sowie eine Tonaufnahme vor. Auf dem Band, das die Anklage vorbrachte, ist zu hören, wie ein Mädchen während des Amoklaufes im vergangenen Sommer minutenlang die Polizei um Hilfe bat. "Kommt schnell, kommt schnell", sagt das Mädchen - im Hintergrund Schüsse und Schreie.

Breivik zeigte keine Gefühle, atmete allerdings tief durch. Staatsanwalt Svein Holden hatte die Angehörigen im Gerichtssaal zuvor vor "kräftigem Tonmaterial" gewarnt und ihnen Gelegenheit gegeben, den Raum zu verlassen.

Ankläger wollen Breivik in Psychiatrie verwahren

Staatsanwältin Inga Bejer Engh forderte, dass Breivik wegen Unzurechnungsfähigkeit in psychiatrische Verwahrung kommen soll. Die Staatsanwälte haben jedoch im Vorfeld des Prozesses betont, dass sie sich vorbehalten, eine langjährige Gefängnisstrafe zu beantragen, wenn sich im Laufe des Verfahrens herausstellt, dass Breivik als zurechnungsfähig bezeichnet werden kann. Es gibt zu dieser Frage zwei einander widersprechende psychiatrische Gutachten.

Breiviks Anwalt Geir Lippestad erklärte, sein Mandant wolle als zurechnungsfähig gelten. Er kündigte an, eventuell eine Verschiebung des Prozesses zu beantragen, weil viele Fakten erst am Montag vorgelegt worden seien.

Damit endete der erste Prozesstag. Am Dienstag beginnt Breivik mit seiner Aussage. Sein Mandant müsse angehört werden, seine Worte seien "das wichtigste Beweismittel", sagte Lippestad.

Breivik ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt. Er hatte im Juli 2011 in Oslo mit einer Autobombe acht Menschen getötet. Anschließend erschoss er auf der Insel Utøya in einem Feriencamp gezielt 69 junge Sozialdemokraten.

Prozess gegen Breivik: Der Attentäter ohne Reue

Alle 23 Bilder der Galerie »

Breivik ist im Gerichtssaal durch eine schusssichere Glaswand von den rund 90 Überlebenden und Hinterbliebenen getrennt, die dem Verfahren in Oslo folgen. Durch einen Videolink können Hunderte andere den Prozess in 17 Gerichtssälen in ganz Norwegen verfolgen.

Das Urteil wird im Juli erwartet. Das Gericht will rund 150 Zeugen hören. Als Nebenkläger treten rund 770 Überlebende und Hinterbliebene auf.

Doppel-Anschlag: Norwegens Tragödie in Bildern

Alle 12 Bilder der Galerie »

(Hannes Gammilscheg/Ag./Red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

242 Kommentare
 
12 3 4 5 6

Bei dem Prozess wird die Demokratie am Nasenring durch den Gerichtssaal gezogen!


Ein sehr, sehr krankes Hirn,

das zeigen die Aussagen, die ermachen darf, überdeutlich. Es wird lebenslange Verwahrung in einer Anstalt für geistog abnorme rechtsbrecher werden, alles andere wäre für diesen Psychopathen eine Belohnung!

Gast: Geri46
17.04.2012 19:54
3

Aufgestaute Wut

Ein Wunder, dass bei Fischer, Faymann und Häupl bei uns noch keiner rot gesehen hat.

Gast: Gerd
17.04.2012 18:44
8

Erinnern wir uns: Quelle: Die Presse

Vater reicher Sozialist
Mutter Emanze
Patchwork Familie
Israel und Churchill Fan
Freimaurer

Für alle im Forum die immer "Rechter" schreien...

Re: Erinnern wir uns: Quelle: Die Presse

Verdrängung?

?

Und welcher dieser Punkte soll mit rechtem Gedankengut unvereinbar sein?
Zu bestreiten, dass Breivik ein Rechtsextremist ist, ist angesichts seiner Aussagen einfach nur lächerlich.

er muß sich bei

den Medien bedanken, die ihm die Bühne bieten!

Re: er muß sich bei

richtig; es zeigt das die Qualität der nachrichtlichen Berichterstattung an sich. Aber die Bühne hat er jetzt noch knapp zehn Wochen; dann wird er vermutlich den Rest seines Lebens in einem Gefängnis verschwinden. Hoffentlich lässt man ihn dort schwer arbeiten, das täte ihm sehr gut.

Re: er muß sich bei

Für die Medien ist es problematisch, die stehen ja gegeneinander im Wettbewerb. Wenn es einer bringt müssen es alle bringen, weil die Leute sind interessiert.

Hauptschuldiger ist der Richter, der das zulässt. Dieser allein. Der gehört hinter Gitter.

Re: Re: er muß sich bei

Der Richter gehört zur Judikative und ist weder einfacher noch verfassungsrechtlicher Gesetzgeber. Er KANN an der Medienbeteiligung nichts ändern, selbst wenn er es wollte.

Gefordert ist der Gesetzgeber, der für derartig prekäre Fälle Normen erlassen sollte, um nur ausgesuchten Medienvertretern Zugang zu gewähren. Das würde auch den Wettbewerb zwischen den einzelnen Zeitungen unterbinden.

Re: Re: Re: er muß sich bei

Ich weiß freilich nicht, wie das in Norwegen ist, aber bei uns kann Publikum und Presse ausgeschlossen werden. Zumindest teilweise. Es hätte ja gereicht, wenn es ein Fotografierverbot gegeben hätte und die Öffentlichkeit von der Brandrede ausgeschlossen worden wäre. Das ist doch wirklich entbehrlich.

Re: Re: Re: Re: er muß sich bei

Es gibt in Strafverfahren bei mündlichen Verhandlungen den Öffentlichkeitsgrundsatz. Das heißt, Verfahren müssen öffentlich sein, das schreibt schon die Europäische Menschenrechtskonvention vor. Ausschluss der Öffentlichkeit gibt es nur in absoluten Ausnahmefällen, beispielsweise in Fällen, wo es um Vergewaltigung (also um sehr persönliche Details) geht.

Re: Re: er muß sich bei

Wahrscheinlich wird diese Vorgangsweise von der norwegischen Strafprozessordnung so vorgesehen sein!
Jedem Richter sind dadurch Grenzen gesetzt!

TV Spektakel

ich verstehe nicht warum er sich so präsentieren darf. - meiner Meinung nach gehört der Prozess ausgeschlossen von den Medien geführt..

Re: TV Spektakel

Auch Ihnen möchte ich Art. 6 EMRK ans Herz legen, wo die Öffentlichkeitsmaxime normiert ist.

Re: TV Spektakel

Ja, es ist mir auch unverständlich. Die klare Botschaft lautet damit ja: Richte ein Massaker an, dann geben wir Dir eine Bühne. Norwegen sucht den Superstar.

Das Interesse ist selbstverständlich da und es muss berichtet werden. Es ist aber wirklich entbehrlich, dass schon vor Monaten sein Traktat herunterladbar war und er jetzt eine großartige Weltbühne bekommt. Man muss leider sagen, dass er aus seiner Warte tatsächlich das Richtige getan hat.

Gast: 4545
17.04.2012 16:29
5

Al-Qaida,

Breivik bekundet Hochachtung für Al-Qaida.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,828103,00.html

ja, liebe Rechte so vermischen sich die Ideologien.

eigentlich sind alle militanten entweder rechts oder links.


Antworten Gast: zensor
20.04.2012 20:09
21

Breivik bekundet Hochachtung für Al-Qaida

Viellecht zu viel?

http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/146038#.T5GmDVRuGsB


Gast: werbistdu
17.04.2012 16:27
1

Dieser Prozess dient nur

Breivik zur Vorführung seiner Show.
Was soll das ganze Theater, alles pure Zeit, und Geldverschwendung.
In einem solchen Fall gehört die Todesstrafe vollzogen, da gehören einfach Ausnahmen gemacht, wegen der Schwere seines Verbrechens.
Alles andere als die Todesstrafe wäre ein Fehlurteil und eine Verhöhnung der Opfer.
Statt desen bekommt dieser Wahnsinnige die volle Möglichkeit, seine kranken Hirngespinste bis ins Detail vortragen zu können.
Vielleicht fühlen sich dann noch Nachahmungstäter animiert dadurch.

Re: Dieser Prozess dient nur

Und bei wievielen Hingerichteten hat sich nachträglich deren Unschuld herausgestellt. Im Fall Breivik nicht zu erwarten, aber wie soll eine klare Grenze gezogen werden, ab welchem Verbrechensausmaß di Todesstrafe verhängt werden dürfte., womöglich ohne Prozess.

Re: Dieser Prozess dient nur

Mit dem angesprochenen Wahnsinn und kranken Hirngespinsten haben Sie völlig Recht.

Aber absoluter Schwachsinn wäre, "Ausnahmen" zu machen. Das würde geltendes Recht aushebeln und den Staat Norwegen unglaubwürdig machen!

Gast: Karl Huber
17.04.2012 16:12
3

Das allerschlimmste meiner Meinung isch...

Dieses unmenschliche Verbrechen wird nicht genutzt um eine kritische Diskussion zu führen sondern als Schauprozess.
Die Politik tanzt eine Klientelpolitik auf dem Grab von jungen Menschen....
Und wie immer und überall sind die Opfer die Bürger und nicht die Verantwortlichen.
Wie wenig ein Menschenleben Politikern bedeutet ist einfach zu messen. Krieg...

Re: Das allerschlimmste meiner Meinung isch...

Unter einem Schauprozess stelle ich mir eher etwas vor, wo der Angklagte niedergemacht wird. Dem geht es aber prächtig. Der bekommt ja alles, was er will.

Gast: pour le mérite
17.04.2012 15:18
11

Breivik hat diesen Prozess in seinem Sinne schon gewonnen.

Denn seine "Bühne" ist nicht der Gerichtssaal, sondern die Weltöffentlichkeit und es trat genau das ein, was er wollte.

Daß sich nämlich auf Grund der enormen Medienpräsenz inklusive Presse live ticker die halbe Welt auch mit den Hintergründen dieser von langer Hand generalstabsmäßig geplanten Wahnsinnstat auseinandersetzen wird.

Und noch eines scheint er ganz genau zu wissen.
Daß es der Presse in seinem Fall nicht gelingen wird, ihn ins inflationäre rechtsradikale Nazi-Eck zu verdammen oder als durchgeknallten Psychopathen abzutun.

Die Medien wollten diesen öffentlichen Prozess. Jetzt haben sie ihn und werden ihn verlieren.


Re: Breivik hat diesen Prozess in seinem Sinne schon gewonnen.

er muss auch so auftreten, denn wenn er in Schuldgefühle versinkt, dann hat er vor sich verloren.
Aber er hat ja Jahrzehnte Zeit, mit seiner Tat entsprechend unseren Moralvorstellungen klar zu kommen.

Antworten Gast: Bunte Katze
17.04.2012 16:10
5

Re: Breivik hat diesen Prozess in seinem Sinne schon gewonnen.

Das sehe ich nicht so. Dieser Mann IST ein durchgeknallter Psychopath und im rechtsradikalen Eck steht er sowieso.

Ein paar Wochen wird über ihn berichtet, danach wird er im Gefängnis verrotten und kein Hahn wird mehr nach ihm krähen. DAFÜR hat er sein Leben "geopfert".

 
12 3 4 5 6

Umfrage



Jetzt Breaking-News-Newsletter abonnieren

Die aktuellsten und wichtigsten Nachrichten sofort und kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    18:00
    Wien
    19°
    Steiermark
    16°
    Oberösterreich
    16°
    Tirol
    18°
    Salzburg
    16°
    Burgenland
    19°
    Kärnten
    16°
    Vorarlberg
    16°
    Niederösterreich
    18°
Bitte Javascript aktivieren!












  • Westwood sagt ''Yes''

    Die britische Punk-Ikone Vivienne Westwood setzt bei der London Fashion Week ein politisches Signal für die Unabhängigkeit Schottlands.

  • Kayaköy: Ein türkisches Geisterdorf

    Morbider Charme im Gebirge. Die Stadt Kayaköy steht seit den 20er Jahren leer. 3500 Hausruinen erinnern an griechische Zeiten.

  • Jean Paul Gaultier streicht Pret-a-porter

    Der 62-jährige Star-Designer will sich fortan nur noch der hohen Schneiderei und den schönen Düften widmen.

  • Miss America ist ''happy''

    Kira Kazantsev hat die Wahl zur "Miss America" gewonnen. Die 22-Jährige gab Pharrell Williams "Happy" zum Besten - und begleitete sich selbst mit einem Plastikbecher.


AnmeldenAnmelden