Der Saurier Erfolg brachte den Tod

18.04.2012 | 06:00 |  Von Jürgen Langenbach (Die Presse)

Die Reproduktionsstrategie mit Eiern war 150 Millionen Jahre erfolgreich und half über kleinere Katastrophen. Aber bei der großen zeigte sie ihre Kehrseite.

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150 Millionen Jahre regierten die Dinosaurier die Erde, sie hatten ein schlichtes Erfolgsrezept: Sie reproduzierten sich mit Eiern, davon können viele auf einen Schlag gelegt werden, und die Jungen brauchen keine Brutpflege. Aber Eier haben ein Problem, sie können nicht unbegrenzt groß werden. Denn dann brauchten sie zum Schutz eine dickere Schale, aber zu dick darf diese nicht werden, weil der Embryo durch die Schale hindurch mit Sauerstoff versorgt werden muss. So kam es, dass die Größe der Eier mit der der Körper nicht mithielt: Ein vier Tonnen schweres Muttertier wog dann 2500 Mal so viel wie ein neugeschlüpftes Dinobaby. Eine gleich schwere Elefantenmutter wiegt nur 22 Mal so viel wie ihr Neugeborenes.

Und das kommt selten: Säugetiere, vor allem große, tragen lange und gebären dann nur ein Jungtier. „Wenn nun irgendetwas passiert, ein Buschbrand etwa, der die Population dezimiert, dauert es sehr lange, bis die Verluste ersetzt sind“, erklärt Marcus Clauss (Uni Zürich): „Wenn hingegen große Dinosaurier bei solchen kurzzeitigen Störungen sterben, reichen die Gelege von einem oder zwei Weibchen, um die Lücken zu füllen.“
Das ging 150 Millionen Jahre lang gut, dann kam der große Schlag vor 65 Millionen Jahren. Und nun zeigte die Reproduktion der Saurier ihre Kehrseite: Bei ihnen dominierten die großen Arten, aber sie alle – alles über 20, 30 Kilo – überlebten den Einschlag nicht. Und Ersatz stand nicht zur Verfügung, dafür hatten die Großen selbst gesorgt: Weil die Eier so klein waren, mussten die heranwachsenden Jungtiere viele Größenstadien durchlaufen – und dabei machten sie den Sauriern, die als Erwachsene nur klein oder mittelgroß waren, Konkurrenz.

Konkurrenz bevorzugt die Großen

Deshalb wichen die ganz Kleinen aus, sie wurden Vögel, und die Mittelgroßen dünnten sich aus, es gab nur mehr wenige Arten. Die ganz Großen hingegen wurden immer größer, weil sie nur dort noch Nischen fanden, in denen sie sich im reproduktionsfähigen Alter ernähren konnten. So zeigt es sich zumindest in Simulationen, die Clauss mit seinen Kollegen durchgeführt hat: „Wir haben in einem Modell getestet, was passiert, wenn ich Populationen mit verschiedenen Körpergrößen aufbaue. Dabei haben wir für Säuger Körpergrößen von zwei Gramm bis 16 Tonnen genommen, und für Dinosaurier zwei Gramm bis 130 Tonnen, das sind die maximal beschriebenen Größen.“
Diese verteilten sich wie erwartet: viele kleine Arten, wenige große. Aber dann brachten die Forscher Wettbewerb zwischen den Arten in die Simulation. Und nun überwogen bei den Dinosauriern die Großen, die Mittelgroßen wurden weniger. Und als nach dem Asteroiden keine Großen mehr da waren, waren auch keine Mittelgroßen zum Besetzen der ökologischen Nischen da. Ganz anders bei den Säugern: Hier frisst kein Elefantenjunges einer gleich großen ausgewachsenen Gazelle etwas weg, hier behalten die mittelgroßen Arten ihre Nischen.

„Wir können natürlich nicht beweisen, dass es so war“, konzediert Clauss: „Aber unser Modell deckt sich mit den fossilen Befunden und erklärt das Fehlen der mittelgroßen Dinosaurierarten gut.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2012)

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