Pfarrer: „Man muss den Flüchtlingen helfen“

Aus christlicher Sicht muss man den Flüchtlingen helfen, sagt Franz Bachmaier – und die Hilfsbereitschaft der Menschen fehlt ihm.

Die Presse: In der Flüchtlingsdebatte herrscht vor allem eines vor – Ratlosigkeit. Wie könnte man aus christlicher Sicht an das Problem herangehen?
Franz Bachmaier: Da wird man natürlich schauen, dass man den Armen hilft. Papst Franziskus hat ja ein Rundschreiben herausgegeben, dass ihm die Armen die Liebsten auf der Welt sind. Man muss den Flüchtlingen helfen, aber das Problem liegt auch auf der politischen Ebene. Die Politik muss dazu beitragen, in diesen Ländern Ruhe zu schaffen.

Jetzt sind aber auch schon Menschen hier in Österreich. Was kann die Kirche für sie tun?
Die Macht der Kirche ist da sehr begrenzt. Einen Appell kann man machen, unsere Bischöfe und die Caritas bemühen sich seit Jahren, Aufnahmekapazitäten zu schaffen. Aber da gibt es viel Gegenwind.

Könnte man nicht mehr Liegenschaften der Kirchen öffnen?
Die Flüchtlingskoordinatoren wollen größere Einheiten, damit die Menschen besser versorgt werden können. Die wollen gar nicht, dass in einem Pfarrhof zwei Familien aufgenommen werden. Bei den Klöstern habe ich gehört, dass es bauliche Schwierigkeiten gibt.

Aber sonst wäre eine Verteilung auf kleinere Einheiten sinnvoll?
Das wäre günstig. Man hat das ja bei früheren Flüchtlingswellen gesehen, etwa aus Ungarn. Die wurden auf das ganze Land verteilt. Damals hat das gut funktioniert in kleinen Einheiten.

Damals gab es viel Hilfsbereitschaft von der Bevölkerung. Fehlt Ihnen heute die christliche Nächstenliebe von damals?
Die fehlt mir. Aber das ist von der Bevölkerung her verständlich durch die Arbeitslosigkeit. Das ist ein brennendes Problem, allein in Alpbach wette ich, dass es 50 Arbeitslose gibt. Wenn dann Menschen kommen, die vielleicht sogar sehr gut qualifiziert sind, ist die Angst da, dass die Flüchtlinge noch mehr Arbeitsplätze wegnehmen.

Aber ist es nicht eine christliche Verpflichtung, anderen Menschen in Not zu helfen?
Es ist rein wirtschaftlich gesehen überhaupt kein Problem. Europa ist wirtschaftlich stark, die Landwirtschaft könnte noch viele Flüchtlinge ernähren.

Obwohl es wirtschaftlich möglich wäre, will man es im Hinterkopf trotzdem nicht?
Ja, da spielt die Arbeitslosigkeit sicher mit.

Es gibt ja auch Leute, die Arbeit haben. Die müssten sich nicht fürchten.
Es gibt auch noch andere Ängste. Sozialminister Hundstorfer soll gesagt haben, dass Österreich ohne Weiteres 70.000 Flüchtlinge aufnehmen könnte. Wenn man da auf fünf Jahre hochrechnet und den Familiennachzug mitrechnet, ist das eine Größenordnung, die nicht mehr so leicht zu bewältigen ist.

Thematisieren Sie die Nöte der Flüchtlinge in der Messe?
Es gibt viele Lesungen und Evangelien zur Nächstenliebe. Auch in den Rundschreiben von Papst Franziskus. Und die Caritas ist sowieso allgegenwärtig, die hat sich schon immer beim Flüchtlingsthema engagiert. Da wird von Seiten der Kirche viel positive Information weitergegeben.

Und im persönlichen Gespräch mit den Menschen in Alpbach?
Das ist zur Zeit nicht so aktuell. Bei uns gibt es, glaube ich, ein Haus, das für Flüchtlinge bereitgestellt ist. Ein früheres Gasthaus, das seit zwei, drei Jahren leer steht. Das wird wahrscheinlich eine Flüchtlingsunterkunft für 30, 40 oder 50 Flüchtlinge. Der Besitzer des Gasthauses hat sich bereit erklärt, und ich glaube, der Flüchtlingskoordinator hat sich das angesehen. Da gibt es bei unseren Leuten keine Bedenken. Wir haben im Winter 3000 Gäste, im Sommer 2000, da sind 50 Flüchtlinge überhaupt keine Größenordnung.

Abseits der Flüchtlingsproblematik – was sind denn die größten Probleme in Alpbach?
Wir leben in einem sehr glücklichen Land, einem sehr glücklichen Ort. Die großen Probleme haben wir zur Zeit nicht. Der Tourismus funktioniert gut, das Einkommen passt. Unsere Leute haben keinen Grund zum Klagen.

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