Das große Selbstverständnis der kleinen Banker

Finanz. Maximilian Tayenthal, Mitgründer des Start-ups N26, hat keine Angst vor den Banken. Auch sonst ist er sich seiner Sache – fast immer – sicher.

Maximilian Tayenthal von N26.
Schließen
Maximilian Tayenthal von N26.
Maximilian Tayenthal von N26. – Katharina Roßboth

Vor zwei Jahren war Valentin Stalf bei den Alpbacher Finanzmarktgesprächen zugegen. Der österreichische Mitgründer des Banken-Start-ups Number 26 stand nicht im Mittelpunkt, sondern auf mehreren kleinen Podien und erklärte, warum die Finanzbranche vor seinem Berliner Unternehmen mit den 40.000 Kunden und dem Rest der digitalen Newcomer Angst haben sollte.


Zwei Jahre später ist es nicht Stalf, sondern sein Vorstandskollege Maximilian Tayenthal, der Alpbach betritt. Die Bühne ist größer, der Gestus auch. Mit einer guten halben Million Kunden in 17 Ländern, einer eigenen Vollbanklizenz und dem flott verknappten Namen N26 hinter sich, bestritt er am Donnerstag die Hauptabenddiskussion. Das Thema blieb dasselbe. „Banking ohne Banker?“, lautete der fragende Titel.
Tayenthal hat eine klare Meinung dazu. „Es gibt keinen anderen Bereich, wo so superalte, schwerfällige Player dominieren.“ Dass Peter Bosek, Vorstand bei der Erste Bank und federführend bei der Entwicklung des hauseigenem Online-Diensts George, kürzlich sagte, Banken seien zwar von vorvorgestern, aber würden noch überübermorgen da sein, nehme er nicht als Kampfansage wahr. Vor zwei Jahren habe sie noch keiner ernst genommen, heute zitiere in Europa fast jeder N26 als Beispiel eines erfolgreichen Finanz-Start-up. Den alten Banken droht laut Tayenthal dasselbe Schicksal wie den Reisebüros – wenige Filialen bleiben übrig, das meiste Geschäft wandert ins Internet ab. „Es gibt viele Dinge, die mich nachts schlecht schlafen lassen, die Konkurrenz der etablierten Banken gehört nicht dazu.“


Was ist es dann? Recht wenig, möchte man meinen, wenn man Tayenthal zuhört. „Niemand in Europa macht heute etwas Vergleichbares“, sagt er. Technologie-Riesen wie Google oder Facebook, die er noch vor zwei Jahren als die größere Bedrohung als traditionelle Banken genannt hatte, drängten ebenfalls nicht in seinen Markt hinein. „Es ist keine Branche, wo du eine Blaupause machst und sie auf die ganze Welt ausdehnst.“ Die strengen Regularien seien auch der Grund, wieso sich die schwerfälligen Banken lange Zeit gut gehalten hätten.

Alles für das Handy

Nun ändere sich das Kundenverhalten aber dramatisch – und das sei gepaart mit Niedrigzinsen und Basel-Richtlinien schwere Kost für schwere Strukturen. Bei N26 ist man überzeugt, dass der Kunde von morgen sein Handy als Bankfiliale betrachtet und keinen Cent zu viel für versteckte Gebühren ausgeben will. Dem kommt man entgegen – wenn auch mit Grenzen.


Im Vorjahr war die Aufregung groß, als das Start-up mehreren hundert Kunden die Verträge kündigte. Sie hatten rund 40 Mal im Monat Bargeld abgehoben. Für den Geschmack von Stalf und Tayenthal zu oft, schließlich bot man den Service wie das Girokonto gratis an und das kam in Deutschland teuer. Man habe sich von den wenigen Kunden getrennt, die das Konto „missbräuchlich“ verwendet hätten, sagt Tayenthal.
Dem Zustrom an Neukunden habe das aber nicht geschadet. Ebenso nicht die Meldung eines IT-Experten im Vorjahr, dass N26 – mittlerweile geschlossene – Sicherheitslücken aufweist. Eine Million Kunden will man 2018 haben, im Jahr darauf nochmals so viele. Sie sollen vor allem durch das ständig wachsende Zusatzangebot rund ums Sparen, Investieren und Versichern Geld hereinbringen. Das alles kostet auch online sehr wohl etwas. (loan)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Das große Selbstverständnis der kleinen Banker

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.