Kim Jong-il: Der Diktator feiert Geburtstag

"Lieber Führer" und "große Sonne der Nation" nennt er sich selbst, das Ausland sieht ihn als gefährlichen Diktator und Witzfigur zugleich: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il wird am Mittwoch 69 Jahre alt.(c) AP

Der letzte stalinistische Diktator der Welt hat zuletzt vor allem mit öffentlichen Auftritten mit seinem Sohn Kim Jong-un für Schlagzeilen gesorgt. Er soll eines Tages sein Erbe übernehmen.(c) REUTERS (KYODO)

Doch wer ist dieser Mann an der Spitze dieses extrem hochgerüsteten und gleichzeitig völlig verarmten Landes?

Nach offizieller Darstellung soll bei Kims Geburt am 16. Februar 1942 in einem anti-japanischen Camp in Korea ein Stern und ein doppelter Regenbogen am Himmel erschienen sein. Nach Ansicht westlicher Experten wurde er dagegen in einem Trainingslager der sowjetischen Armee bei Chabarowsk in Sibirien geboren, wo sein Vater und Vorgänger, der "Ewige Präsident" Kim Il-sung, diente. (c) AP

Lange Jahre stand Kim Jong-il im Schatten seines Vaters, dem gottgleich verehrten Gründer Nordkoreas. In der DDR absolvierte der Sohnemann zunächst eine Ausbildung als "Wirtschaftsexperte", wurde 1964 in das Zentralkomitee in Pjöngjang aufgenommen und 1973 schließlich zum Leiter der Propaganda-Abteilung der Partei bestellt. Zwischen 1977 und 1979 verschwand Kim unter mysteriösen Umständen von der politischen Bühne.

Im Bild: Eine Statue von Staatsgründer Kim Il Sung.(c) AP

1980 wurde Kim von seinem Vater zur "Nummer Zwei" der Partei gemacht und 1984 zum "alleinigen Nachfolger" bestimmt. Ohne je in der Armee gedient zu haben, wurde er 1990 zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt. Der Öffentlichkeit blieb er weitgehend unbekannt.

Kim Jong-il auf einem Archivfoto aus 1966 bei der Inspektion eines Feldes.(c) EPA

Als Kim Jong-il nach dem Tode seines Vaters 1994 an die Staatsspitze trat, wurde der Führerkult auf ihn übertragen. "Große Sonne der Nation" wurde er genannt, um seine Geburt die Regenbogen-Legende gestrickt. (c) AP

Das Privatleben Kims und sein Verhältnis zu Frauen sind nordkoreanischen Medien ein rotes Tuch.

Hinter vorgehaltener Hand schildern seine Landsleute den gestrengen Diktator - er nannte jüngst alle Männer mit mehr als fünf Zentimeter langem Haar "unhygienische, antisoziale Dummköpfe" - freilich als exzentrischen, launenhaften und wankelmütigen Playboy mit einer Vorliebe für schwedische Frauen, französischen Cognac und US-Filme.(c) AP

Kim Jong-nam - Kim Jong-ils erster Sohn - soll angeblich aus einer Affäre mit der bekannten Schauspielerin Sung Hye-rim entstammen.(c) AP

Seit 2005 mehren sich die Zeichen, dass Kim mehr und mehr an Macht verliert. Porträts des Diktators verschwanden von den Wänden öffentlicher Institutionen und Büros. Die Partei dementierte sofort: " Kann die Sonne vom Himmel verschwinden? Natürlich ist das unmöglich."

Was nichtig klingen mag, hat in Nordkorea tiefere Bedeutung. Immerhin stehen Gefängnisstrafen darauf, wenn man den Herrschaftsabbildern - neben dem Porträt Kims prangt jenes seines Vaters - nicht die nötige tiefe Verehrung erweist.(c) AP

Über Kims Gesundheitszustand gibt es viele Spekulationen. Er soll mehrere Schlaganfälle erlitten haben. Südkoreanischen Medien zufolge leidet er an Bauchspeicheldrüsenkrebs. (c) EPA