Syrien: Heftige Kämpfe im Herzen der Hauptstadt

Rebellen attackieren eine Polizeidirektion und eine Kaserne in Damaskus. Der UN-Sicherheitsrat verlängert die Beobachtermission.

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Proteste gegen Assad – Die Armee hat das Midan-Viertel in Damaskus am Freitag zurückerobert (c) Reuters/Stringer

Im Zentrum der syrischen Hauptstadt Damaskus haben sich bewaffnete Oppositionsanhänger Gefechte mit Einheiten des Regimes geliefert. Regimegegner berichteten am Freitag von einem Angriff der Rebellen auf die Polizeidirektion in der zentralen Khalid-Ibn-al-Walid-Straße. Nicht weit von dem Gebäude entfernt sollen Angehörige der Sicherheitskräfte zu Mittag auf Männer geschossen haben, die nach dem Gebet aus einer Moschee gekommen waren und Parolen gegen Präsident Bashar al-Assad riefen.

Rebellen brannten nach Angaben von Augenzeugen die Saiqa-Kaserne im Zentrum von Damaskus nieder, die von der Shabbiha-Miliz genützt wird. Die Kaserne sei zuvor zwei Tage lang belagert worden. Rund 80 Milizionäre und Armeesoldaten hätten sich zurückgezogen.

Auch im Damaszener Al-Birse-Viertel sollen Demonstranten mit der Losung auf die Straße gegangen sein, der Sieg über Assad werde während des Ramadan in Damaskus errungen werden. An diesem Freitag hat für die Muslime weltweit der Fastenmonat Ramadan begonnen. Am Freitagvormittag war es Assads Armee noch gelungen, durch das Vorrücken mit Panzern die Rebellen aus dem Midan-Viertel im Zentrum der Hauptstadt zu verdrängen. "Es handelt sich um einen taktischen Rückzug", sagte der Rebellenkommandant Abu Omar.

In der Nacht konnten die Aufständischen nach irakischen Angaben die Kontrolle über die zwischen beiden Ländern verlaufende Grenze übernehmen. "Die Gesamtheit der Grenzposten zwischen dem Irak und Syrien wird fortan von der Freien Syrischen Armee kontrolliert", sagte der irakische Vize-Innenminister Adnan al-Assadi der Nachrichtenagentur AFP in Bagdad. Auch an Grenzübergängen zur Türkei gab es am Freitag Kämpfe, nachdem die Rebellen in der Nacht den wichtigen Handelsübergang Bab al-Hawa unter ihre Kontrolle gebracht haben sollen.

Aufregung um möglichen Assad-Rücktritt

Am Freitag sorgte auch ein russischer Diplomat für Aufregung: Er soll im französischen Radio einen "Rücktritt Assads in zivilisierter Weise" angekündigt haben. Das russische Informationsministerium leugnete den Bericht aber.

Mittlerweile ist auch ein weiterer Verbündeter von Syriens Machthaber tot: Geheimdienschef Hisham Hisham Bekhtyar  erlag seinen Verletzungen. Damit fielen dem Anschlag vom Mittwoch bereits vier Top-Sicherheitsleute Assads zum Opfer.

Wie Ankara am Freitag berichtete, haben sich ein syrischer Brigadegeneral und 20 weitere hochrangige Offiziere in die Türkei abgesetzt. Damit befänden sich nunmehr 22 syrische Generäle in der Türkei im Exil.

Beobachtermission wird verlängert

Der UNO-Sicherheitsrat einigte sich am Freitag darauf, die Beobachtermission in Syrien um 30 Tage zu verlängern. Großbritannien hatte dies vorgeschlagen. Pakistan hingegen hatte sich für eine Verlängerung um 45 Tage ausgesprochen.

Am Donnerstag hatten Russland und China im Sicherheitsrat eine Resolution blockiert, mit der der Druck auf Assad erhöht werden sollte. Es war das dritte Mal seit Beginn des Syrien-Konflikts vor 16 Monaten, dass Moskau und Peking ein entschiedenes Vorgehen gegen Damaskus verhinderten. Die USA reagierten scharf auf das erneute Veto: Das US-Repräsentantenhaus beschloss mit überwältigender Mehrheit einen Stopp von Waffengeschäften mit Russland. Der Entwurf des Demokraten Jim Moran wurde mit 407 gegen fünf Stimmen beschlossen. Der Entwurf muss nun noch den US-Senat passieren.

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(Red./APA/AFP/dpa/Reuters)

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