USA ziehen Diplomaten aus Sudan und Tunesien ab

Die Proteste gegen den Anti-Islam-Film halten an. Das US-Außenministerium hat eine Reisewarnung ausgegeben. Der Macher des die Proteste auslösenden Films wurde vernommen und ist jetzt untergetaucht.

SUDAN US ANTI ISLAM FILM PROTEST
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SUDAN US ANTI ISLAM FILM PROTEST
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Nach den anti-amerikanischen Protesten im Sudan und in Tunesien haben die Vereinigten Staaten reagiert: Washington ordnete den Abzug aller dort nicht benötigten Diplomaten an. Auch die Familienangehörigen der Regierungsbeamten sollen die Länder verlassen, hieß es am Sonntag aus dem Außenministerium. Lediglich eine Notbesetzung soll die Stellung halten. Die US-Regierung reagiert damit auf die gewaltsamen Ausschreitungen in mehreren islamischen Ländern nach der Veröffentlichung des Videos "Innocence of Muslims". Darin wird der Prophet Mohammed als Frauenheld, Kinderschänder und Mörder dargestellt.

Deutschland zieht auch Personal ab

Bei Protesten vor der US-Botschaft in Tunis wurden am Freitag vier Demonstranten getötet und 49 verletzt, es war ein Tag des Zorns in vielen muslimischen Ländern. In der sudanesischen Hauptstadt Khartum stürmte ein Mob die deutsche, britische und US-Vertretung. Die deutsche Bundesregierung zieht als Reaktion einen Teil der Mitarbeiter ab. Die Reisehinweise für das Land wurden verschärft. Es werde zu besonderer Vorsicht geraten und empfohlen, den Bereich um die deutsche Botschaft zu meiden, hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

Kanada hat aus Angst um sein Botschaftspersonal die Vertretungen in Ägypten, Libyen und dem Sudan schließen lassen. Auch Österreich steht mit seinen Botschaftern nach den blutigen Protesten in der Region in engem Kontakt. Zwar werde das Sicherheitspersonal nicht verstärkt, man stimme sich jedoch mit den lokalen Sicherheitseinrichtungen ab, hieß es aus dem Außenministerium.

Obama: "Keine anhaltende Krise"

US-Präsident Barack Obama geht nach einem Bericht der "New York Times" nicht davon aus, dass die Demonstrationen zu einer "anhaltenden Krise mit unvorhersehbaren diplomatischen und politischen Konsequenzen" führen könnten. Eine rasche Beruhigung der Lage wird aber ebenso wenig erwartet. Das US-Außenministerium hat deshalb am Wochenende Reisewarnungen für Tunesien und den Sudan ausgegeben. Weiters wurden alle US-Bürger aufgefordert, Tunesien per Flugzeug zu verlassen.

Daneben setzen die USA seit dem Angriff auf ihre Botschaft in Libyen, wo der Botschafter und mehrere seiner Mitarbeiter getötet wurden, verstärkt auf ihre Marines. Erreichten am Freitag 52 US-Marines den Jemen, wurden weitere Einheiten der Marineinfanterie in den Sudan geschickt - doch die Regierung des Landes will sie nicht einreisen lassen. Die Mission wurde daraufhin ausgesetzt. Das berichtete "Spiegel Online" am Sonntag.

"Wir wissen nicht, wo er ist"

Google stemmt sich unterdessen vehement gegen die Bitte des Weißen Hauses, den umstrittenen Mohammed-Film von der Internetplattform Youtube zu entfernen. Der Zugang werde lediglich in einzelnen Ländern, darunter Libyen, Ägypten, Indien und Indonesien gesperrt, hieß es.

Der mutmaßliche Filmemacher, Nakoula Basseley Nakoula, wurde indes am Samstag von Beamten der US-Behörde für Bewährungsstrafen vernommen. Nach einer halben Stunde habe man ihn wieder gehen lassen. Danach sei Nakoula zunächst nicht in sein Haus zurückgekehrt. "Er ist weg. Wir wissen nicht, wohin er gegangen ist", zitierte "Spiegel Online" einen Sprecher des Bezirks Los Angeles. "Er sagte, dass er nicht wieder nach Hause geht."

Todesopfer in Indien

Auch am Sonntag haben die Proteste gegen den Mohammed-Film ein Todesopfer gefordert. Im indischen Hyderabad starb am Sonntag ein Mensch, als plötzlich während eines Protests geschossen wurde. In der pakistanischen Stadt Karachi skandierten 5000 Menschen anti-amerikanische Slogans. In der türkischen Hauptstadt Ankara verbrannte eine kleine Gruppe Demonstrierender eine amerikanische Flagge vor der US-Botschaft.

(Ag./Red.)

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