Iran bestätigt: Revolutionsgarden als "Berater" in Syrien

Armeekommandant spricht von "intellektueller Hilfe" für Damaskus. Indes soll Syrien im August Trägersysteme für Giftgasgranaten getestet haben. Eine militärische Verwicklung wurde bisher stets dementiert.

Iran bestaetigt Revolutionsgarden Berater
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Iran bestaetigt Revolutionsgarden Berater
(c) REUTERS (STRINGER)

Wien/Damaskus/Ag./Red. Erstmals hat ein hochrangiger iranischer Armeekommandant eine militärische Präsenz des Iran in Syrien zugegeben: Die Revolutionsgarden des Iran sind nach eigenen Angaben mit Beratern in Syrien tätig. Es handle sich aber nicht um militärische Unterstützung, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Isna gestern den Kommandanten der Elitetruppe, Mohammed Ali Jafari.

Sollte Syrien jedoch militärisch angegriffen werden, würde der Iran dem Land militärisch beistehen. „Aber das hängt komplett von den Umständen ab.“ Die Islamische Republik ist einer der wenigen und zugleich wichtigsten Verbündeten von Präsident Bashar al-Assad, der seit eineinhalb Jahren einen Aufstand gegen seine Herrschaft niederzuschlagen versucht.

Der Westen und syrische Oppositionsgruppen haben dem Iran vorgeworfen, die syrische Armee mit Waffen und Expertise zu versorgen und militärisch im Land präsent zu sein. Der Iran hat dies zurückgewiesen. Regierungsvertreter räumten bisher lediglich ein, dass der Iran der Führung in Damaskus mit medizinischer und humanitärer Hilfe zur Seite stehe. Eine militärische Verwicklung wurde stets dementiert.

 

„Unbefüllte“ Granaten getestet

Jafari sagte, dass die Revolutionsgarden finanzielle Unterstützung und die Al-Quds-Brigade „intellektuelle und beratenden Hilfe“ leisteten. „Aber dies stellt keine militärische Präsenz dar.“ Wie viele Al-Quds-Mitglieder in Syrien seien, sagte er nicht. Die Al-Quds-Brigade ist eine Einheit der Revolutionsgarden, die unter anderem für die Verbreitung der Ideologie der iranischen Führung im Ausland zuständig ist. Sie steht im Verdacht, im Irak nach dem Sturz Saddam Husseins Drahtzieher mehrerer Anschläge gewesen zu sein.

Unterdessen soll die syrische Armee einem Medienbericht zufolge vor wenigen Wochen Trägersysteme für Giftgasgranaten getestet haben. Die Tests hätten in der Nähe des Forschungszentrums für Chemiewaffen bei Safira östlich von Aleppo stattgefunden, so das Magazin „Spiegel“ unter Berufung auf Zeugen. Insgesamt fünf oder sechs der Granaten, die für chemische Kampfstoffe vorgesehen seien, wurden demnach Ende August „unbefüllt“ abgeschossen.

Syrien gibt die Existenz von Giftgas zu, hat aber erklärt, die Massenvernichtungswaffe nicht gegen die eigene Bevölkerung einsetzen zu wollen. Im Juli gab es Berichte, denen zufolge Syrien Bestandteile der Gaswaffen auf Militärstützpunkte verlagert hat, um sie besser vor einem Zugriff angreifender Rebellen schützen zu können. Dem Bericht zufolge sollen zu den Tests iranische Offiziere per Hubschrauber eingeflogen worden sein.

Die Anlage bei Safira gilt als größtes Versuchszentrum für Chemiewaffen in Syrien und wird als Forschungseinrichtung geführt. Iranische und nordkoreanische Experten sollen in dem Komplex tätig sein, in dem westlichen Geheimdiensten zufolge die Gifte Sarin, Tabun und Senfgas hergestellt und an Tieren erprobt würden.

 

Weitere Luftangriffe des Militärs

Am Sonntag flog das Militär Luftangriffe in den Provinzen Damaskus, Deraa, Aleppo, Hama und Homs, teilte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Nach Angaben der oppositionsnahen Organisation wurden in dem Konflikt bisher mehr als 26.000 Menschen getötet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2012)

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