Porträt: Die größte Partei der Welt

Sie zählt rund 82 Millionen Parteimitglieder und herrscht seit 1949 uneingeschränkt über das Reich der Mitte: die Kommunistische Partei Chinas (KPCh). Seit Donnerstag besetzt die größte Partei des Planeten ihre Spitze neu. Doch Korruption und Vetternwirtschaft überschatten den 18. Parteitag. Wer sie lenkt und wie sie organisiert ist: Die KPCh im Porträt. (c) EPA (DIEGO AZUBEL)

Die Anfänge

Die kommunistische Partei wird 1921 aus der Taufe gehoben. Unter den Gründungsmitgliedern: Mao Zedong. 28 Jahre später, nach dem Zweiten Weltkrieg und mehreren Bürgerkriegen, proklamiert Mao die Volksrepublik China.(c) EPA (HOW HWEE YOUNG)

Gigantismus

Bis zu 20 Millionen Chinesen sollen sich jährlich um ein Parteibuch bemühen. Doch nur ein Bruchteil von ihnen – in der Regel maximal zehn Prozent – sind in ihren Bemühungen auch erfolgreich. Bewerbungen müssen übrigens Empfehlungen von mindestens einem Parteimitglied und der Arbeitsstelle enthalten.(c) EPA (DIEGO AZUBEL)

Die vier Grundprinzipien

Heute hat jeder dritte Privatunternehmer Chinas ein Parteibuch. Das ist einigermaßen kurios. Denn in den vier Grundprinzipien verschreibt sich die Volksrepublik Marxismus-Lenismus und Maos Denken, dem sozialistischen Weg, der Diktatur des Proletariats und natürlich der Führung der KPCh, die aber eine Partei der Widersprüche bleibt.(c) REUTERS (© David Gray / Reuters)

Anspruch und Wirklichkeit

Den Kommunismus trägt die KP zwar im Namen, der Marktwirtschaft hat man sich aber längst geöffnet – bekanntlich mit Erfolg: Obwohl das Wachstum nachlässt, wird der Rote Drache einer aktuellen Studie zufolge bereits im Jahr 2025 zur größten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen. Kommunistisch ist aber die straffe Organisation der Partei. Und noch immer herrschen Repressalien gegen Regimegegner. Das von Noch-Staatschef Hu Jintao abgenutzte Stichwort der „Stabilität“ wirkt in diesem Zusammenhang zynisch.(c) REUTERS (CARLOS BARRIA)

Der Filz der Korruption

Die größte Partei des Planeten ist vom Filz der Korruption befallen. Rund 660.0000 KP-Kader sollen in den vergangenen fünf Jahren dieses Delikts überführt worden sein. Prominentester Vertreter: Bo Xilai. Vor einem Jahr hätte noch alles mit dem Aufstieg des Politstars des linken Parteiflügels in den engsten KP-Führungszirkel gerechnet. Heute steht Bo ein Prozess wegen Korruption und Amtsmissbrauchs bevor, seine Frau ist wegen Mordes verurteilt.

Der Fall Bo ist aber nur die Spitze des Korruptions-Eisbergs: Eisenbahnminister Liu Zhijun ist seit Februar 2011 sein Amt los. Er und leitende Mitarbeiter schnitten am Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes mit, dann prallten auch noch zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammen.

Und ein Unfall mit einem Ferrari in einer Märznacht hat dem Direktor der Allgemeinen Abteilung des Zentralkomitees, Liu Zhijun, den Job gekostet. Der Unfalllenker war nämlich sein Sohn - wie konnte er sich einen Luxuswagen im Wert von einer halben Million Euro leisten?

Auch die Familie von Noch-Premier Wen Jiabao (im Bild mit Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer) soll sich hemmungslos bereichert haben. 2,1 Milliarden Euro hätte sie und ihr Umfeld im Ausland angesammelt, berichtete die „New York Times“.(c) EPA (VINECENT THIAN / POOL)

Der Parteitag

Die Nervosität ist groß, angeblich hat Peking 800.000 Bürger als zusätzliche Ordnungskräfte angeheuert: Denn der 18. Parteitag ist das wichtigste Polit-Ereignis der vergangenen zehn Jahre. Parteitage finden zwar alle fünf Jahre statt, doch nur alle zehn kommt es zu einer Runderneuerung an der Spitze. Mehr als 2268 Delegierte haben sich seit Donnerstag in der Großen Halle des Volkes (Bild) versammelt.(c) REUTERS (JASON LEE)

Hus Abgang

Er hat den Parteitag zum zweiten und letzten Mal mit einer Rede eröffnet: Partei- und Staatschef Hu Jintao. In der Ära des 69-jährigen Technokraten stieg China zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht auf, doch die erwähnten Korruptionsaffären in der KP und das Ausbleiben einer gesellschaftlichen Öffnung belasten seine Bilanz.

Das Zentralkomitee der KP

Die Weichen für den Generationenwechsel wurden freilich schon vor dem Parteitag gelegt - und zwar auf einer viertägigen Sitzung des Zentralkomitees der KP und seiner rund 200 Mitglieder. Dabei wurde auch Bos Parteirauswurf besiegelt - viel mehr drang aber nicht an die Öffentlichkeit.

Das wichtigste Gremium der Volksrepublik

Hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf um die Neubesetzung des Ständigen Ausschusses des Politbüros - der politischen Schalt- und Machtzentrale des 1,3 Milliarden Einwohner starken Landes. Dabei dürften sich die sogenannten "Prinzlinge", also Sprösslinge von KP-Funktionären der ersten Stunde und Aufsteiger aus der Parteijugend gegenüberstehen.(c) EPA (DIEGO AZUBEL)

Der neue starke Mann

Fest steht: Mit Xi Jinping (Bild) wird ein "Prinzling" nicht nur im Ständigen Ausschuss sitzen, sondern auch Staatschef Hu als mächtigsten Mann Chinas beerben. Der Vater des 59-jährigen Noch-Vizepräsidenten war einer der Revolutionshelden. Kritiker halten Xi aber für "zu glatt", allzu große Reformen seien von ihm nicht zu erwarten.(c) REUTERS (POOL)

Auch Li Keqiang (Bild) bleibt im Ausschuss, er wird neuer Premier, bisher war er der Stellvertreter von Amtsinhaber Wen. Die restlichen Plätze im Ständigen Ausschuss werden neu vergeben, wobei auch eine Reduktion von neun auf sieben Sitze kolportiert wird. Egal wer es letztlich in den engsten Machtzirkel schafft: Er wird maßgeblich über den Lauf Chinas und damit auch zu einem guten Teil über den Lauf der Welt entscheiden.
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Chinas KP: Die mächtigste Partei des Planeten

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