"Aggression": Feuerpause im Gazastreifen hält nicht

Während des Besuchs von Ägyptens Premier im Gazastreifen sollte es eine Waffenruhe geben. Doch radikale Palästinenser feuern weiter Raketen ab, Israels Luftwaffe fliegt neue Angriffe. Die Schuld geben sie der jeweils anderen Seite.

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(c) EPA (MOHAMMED SABER)

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Freitagvormittag eingewilligt, die Angriffe auf den Gazastreifen zu unterbrechen. Grund war ein Besuch des ägyptischen Ministerpräsidenten Hisham Kandil im Palästinensergebiet.

Doch die Waffenruhe hielt nicht an. Wie der arabische Fernsehsender Al-Jazeera am Freitagvormittag berichtete, feuerten radikale Palästinenser auch nach der Ankunft von Kandil zahlreiche Raketen auf den Süden Israels ab. Die israelische Luftwaffe antwortete mit einem Angriff auf das Haus eines Hamas-Kommandanten, wie aus Kreisen der Palästinensergruppe verlautete. "Die Hamas respektiert den Besuch des ägyptischen Premiers im Gazastreifen nicht und hat die Feuerpause gebrochen", verkündete der Sprecher von Israels Premier Netanjahu, Ofir Gendelman, via Twitter.

Die Version der palästinensischen Seite sieht freilich anders aus. Ihren Angaben zufolge habe zuerst Israel einen Angriff geflogen. So sei ein Bombenangriff auf eine Gruppe von Zivilisten in der Region Nasila verübt worden. Dabei seien zwei Palästinenser gestorben, wie "n-tv" berichtete.

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Neuerliche Angriffe in Gaza-Stadt – (c) EPA/MOHAMMED SABER

Der ägyptische Premier brach seinen Besuch vorzeitig ab und sprach von einer "Aggression" Israels. Er betonte: "Diese Tragödie darf nicht in Stillschweigen übergehen, die Welt muss Verantwortung übernehmen und diese Aggression stoppen." Kandils Visite sollte ein Zeichen der Unterstützung für das von der radikal-islamischen Hamas regierte Palästinensergebiet sein. Der Premier sollte ausloten, wie die seit Mittwoch laufenden Angriffe Israels auf den Gazastreifen gestoppt werden können.

Israel verstärkt Angriffe

Die israelische Luftwaffe hatte ihre Angriffe auf den Gazastreifen in der Nacht noch einmal verstärkt. Al-Jazeera und der US-Sender CNN zeigten am frühen Morgen Bilder von Gaza-Stadt und berichteten, die Bombardierung hätte an Intensität gerade jetzt zugenommen.

--> Israel - Palästinenser: Der unendliche Konflikt

Die israelische Luftwaffe flog nach palästinensischen Angaben rund 130 Angriffe auf den Gazastreifen. Seit Beginn des israelischen Militäreinsatzes "Säule der Verteidigung" am Mittwoch wurden demnach 19 Palästinenser getötet und 235 weitere verletzt. Die israelische Armee gab die Zahl der Luftangriffe bis Freitagmorgen indes mit 466 an. In den vergangenen zwei Tagen hätten militante Palästinenser rund 280 Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert, von denen 131 abgefangen worden seien.

Aus israelischen Regierungskreise wurde unterdessen verlautbart, dass ein Einmarsch in den Gazastreifen nicht ausgeschlossen werde. Das Land treibe die Vorbereitungen für eine Bodenoffensive voran. Erste Truppen haben bereits Kurs auf die Grenze genommen, bis zu 16.000 Reservisten stehen vor der Einberufung in die Armee. Verteidigungsminister Ehud Barak hatte der Armee zuvor grünes Licht gegeben, bis zu 30.000 Reservisten einzuberufen.

''Säule der Verteidigung'': Israels Offensive gegen die Hamas

(Red./APA/dpa/Reuters/AFP)

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