Israel: Erneut Raketenangriff auf Tel Aviv

Die Hamas gibt sich kämpferisch und lehnt eine Waffenruhe ab. Bei einem Angriff Israels wurde die Zentrale der Hamas Regierung schwer beschädigt.

Palestinians inspect the destroyed office building of Hamas PM Haniyeh in Gaza
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Palestinians inspect the destroyed office building of Hamas PM Haniyeh in Gaza
Israelische Angriffe auf Ziele im Gazastreifen gehen weiter – REUTERS

Tel Aviv ist am Samstag den dritten Tag in Folge mit einer Rakete aus dem Gazastreifen angegriffen worden. Es wurde Luftalarm ausgelöst, und wenige Sekunden später war in Jaffa ein lauter Knall zu hören. Das Geschoss schlug Augenzeugenberichten zufolge vor dem südlichen Vorort Bat Jam ins Meer.

Der israelische Rundfunk berichtete, die Rakete sei zuvor von dem gerade erst installierten Abwehrsystem "Iron Dome" (Eisenkuppel) abgefangen worden. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.

Hamas schwört Rache

Davor hat die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Palästinenser-Organisation Hamas sich am vierten Tag israelischer Luftangriffe auf den Gaza-Streifen kämpferisch gegeben. "Israel wird einen hohen Preis für seine Verbrechen zu zahlen haben. Wir schwören Rache für Tod und Schrecken, die die Besatzer über unsere Menschen bringen", hieß es in einer am Samstag verbreiteten schriftlichen Mitteilung des Hamas-Sprechers Sami Abu Zuhri (Suhri).

Die israelische Luftwaffe hat ihre Angriffe auf Ziele im Gazastreifen am frühen Samstagmorgen fortgesetzt. Der US-Nachrichtensender CNN berichtete, laute Explosionen hätten Gaza-Stadt erschüttert. Auch aus dem Norden des Gazastreifens gab es Berichte über Bombeneinschläge. Von dort seien Raketen Richtung Israel abgeschossen worden. Nach palästinensischen Angaben bombardierte die israelische Luftwaffe auch die Zentrale der Hamas-Regierung im Gazastreifen.

Mindestens acht Palästinenser tot

Am frühen Samstag sind im Gazastreifen nach neuerlichen Luftangriffen der Israelis laut palästinensischen Rettungskräften mindestens acht Palästinenser getötet worden. Drei von ihnen seien Mitglieder des bewaffneten Arms der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas gewesen, teilten palästinensische Sicherheitskräfte mit. Fünf weitere Palästinenser wurde Rettungskräften zufolge bei zwei Angriffen auf den Süden des Gazastreifens getötet.

Israel hat nach eigenen Angaben seit Mittwoch mehr als 800 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Militante Palästinenser feuerten zeitgleich etwa 600 Raketen und Granaten Richtung Israel. 39 Palästinenser und drei Israelis wurden getötet.

Waffenstillstand werde nicht so bald kommen

Die Regierungszentrale in Gaza-Stadt sei insgesamt vier Mal angegriffen worden, teilte die Hamas mit, die seit 2007 die Kontrolle über das Gebiet hat. Dies ändere jedoch nichts an ihrer Haltung: "Die Regierung steht weiter an der Seite der Bevölkerung." Augenzeugen berichteten von schweren Schäden an dem Gebäude.

Die Hamas lehnt eine Waffenruhe ab. Ein hochrangiger Hamas-Vertreter, der in Kairo lebt, sagte der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan, es gebe viele Aufrufe für einen Waffenstillstand, aber der werde nicht so bald kommen. Die Hamas verlange von Israel, die Belagerung des Gazastreifens aufzugeben und das Töten von Hamas-Führern zu stoppen.

Als Reaktion auf anhaltende palästinensische Raketenangriffe auf Südisrael bombardiert die israelische Luftwaffe seit Tagen den Gazastreifen. Doch es ist ihr bisher nicht gelungen, die Hamas zum Einlenken zu zwingen. Nach Tel Aviv zielte eine Rakete am Freitag auch auf Jerusalem.

Israel will bis zu 75.000 Reservisten

Die israelischen Streitkräfte würden Drohnen einsetzen, berichtete eine CNN-Korrespondentin Samstag früh aus Gaza-Stadt. Die Drohnen sollen offenbar Angriffsziele ausspähen. Auch die palästinensische Nachrichtenagentur Maan meldete, dass in den frühen Morgenstunden des Samstags vermehrt der Fluglärm von Drohnen über Gaza-Stadt zu hören gewesen sei.

Israel will unterdessen bis zu 75.000 Reservisten zu den Waffen rufen - 16.000 wurden bereits einberufen, wie der israelische Rundfunk berichtete. Auch Panzer und anderes schweres Gerät seien auf dem Weg zu dem dicht besiedelten Palästinensergebiet am Mittelmeer.

Netanyahu dankt US-Präsident

In einem Telefonat bedankte sich Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu bei US-Präsident Barack Obama für die Hilfe beim Bau des neuen israelischen Raketenabwehrsystems. Das System mit dem Namen "Iron Dome" (Eiserne Kuppel), an dessen Entwicklung die USA beteiligt waren, habe Hunderte Raketen aus dem Gazastreifen unschädlich gemacht und das Leben unzähliger Israelis gerettet, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses in Washington vom Freitag.

Obama seinerseits hat seinen ägyptischen Amtskollegen Mohammed Mursi für seine Bemühungen gelobt, die der US-Präsident Obama in dem Telefonat der beiden Staatsmänner am Freitag seine Hoffnung ausgedrückt, dass Mursis Anstrengungen erfolgreich sein würden, verlautete das Weiße Haus.

Nach weiteren palästinensischen Raketenangriffen auf Tel Aviv war am Freitag erstmals eine Gaza-Rakete bei Jerusalem eingeschlagen. Eine israelische Bodenoffensive im Gazastreifen wird immer wahrscheinlicher. Die USA haben Israel Grünes Licht für einen Angriff auf Gaza gegeben, sagt der israelische Botschafter in Washington, Michael Oren. Großbritannien warnte Israel vor den enormen Risiken einer Invasion. Weltweit mehrten sich Aufrufe zur Mäßigung. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon kündigte an, "in Kürze" in die Region zu reisen.

(APA/dpa/AFP)

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