"Germanozentrische Politik": Berlusconi greift Monti an

Sein Nachfolger habe die Krise noch verschärft, kritisiert Italiens Ex-Premier. Und den Märkten richtet Berlusconi aus: "Was kümmern uns Risikoaufschläge?"

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Germanozentrische Politik Berlusconi greift
(c) Reuters

Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi hat am Dienstag eine scharfe Attacke gegen seinen Nachfolger Mario Monti gerichtet. "Monti hat eine zu germanozentrische Politik betrieben. Dies hat zu einer Verschärfung der Krise geführt. Alle Wirtschaftsdaten haben sich in einem Jahr verschlechtert", kommentierte Berlusconi in einem Interview mit seinem TV-Sender "Canale 5" am Dienstag. Unter Montis Regierung sei Italiens Bruttoinlandprodukt um zwei Prozent geschrumpft.

"Italiens Staatsschuld ist nicht so hoch, wie man uns glauben lassen will. Italien ist in Europa die zweitstärkste Wirtschaft nach Deutschland", sagte Berlusconi. Die Tatsache, dass die Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen wegen der politischen Turbulenzen in Rom deutlich zugelegt haben, spielte der Medienzar herunter. "Was kümmern uns die Risikoaufschläge! Sie sind ein Betrug und eine Erfindung, mit der man meine Regierung gestürzt hat, die von den Italienern frei gewählt worden war. Zuvor hatten wir noch nie von Risikoaufschlägen gehört. Man spricht erst seit einem Jahr davon", so Berlusconi.

Monti wies die Kritik an seiner Sorge wegen steigender Risikoaufschläge unterdessen zurück und warnte vor "Populismus und übertriebener Vereinfachung der Probleme im Wahlkampf". Seine Spar-und Steuerpolitik habe Italien jedenfalls nicht in die Rezession getrieben, so Monti, stattdessen seien riesige Fortschritte in einem Jahr erreicht worden.

"Kein Grund für Sorgen der Märkte"

Berlusconi sagte am Dienstag, seine Kandidatur für das Premieramt dürfe die Märkte nicht in Alarm versetzen. "Die Parlamentswahlen in Italien werden durch Montis Rücktritt um nur vier Wochen vorverlegt. Es gibt absolut keinen Grund, weshalb sich die Märkte sorgen machen sollten."

Der Ex-Premier bestätigte Pläne zur Umbenennung seiner Mitte-Rechts-Partei "Volk der Freiheit" (Popolo della Libertá/PdL). Er plane die Rückkehr zum alten Parteinamen Forza Italia, mit dem er 1993 erfolgreich in die italienische Politik eingestiegen war, kündigte Berlusconi an. Lediglich zehn Prozent der heutigen Parlamentarier seiner Partei sollen bei den Parlamentswahlen neu antreten. Bei den neuen Kandidaten wolle er vor allem auf Unternehmer, sowie aus Persönlichkeiten der Kultur zurückgreifen.

"Reaktionen beleidigend"

Die "aufgeregten und unangebrachten Reaktionen einiger europäischer Politiker und ausländischer Zeitungen" auf seine Comeback-Ankündigung nannte Berlusconi übrigens in einer Presseaussendung "beleidigend". In Italien gebe es Wahlfreiheit.

(APA)

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