Österreicher in Syrien festgenommen

Helfer Jamal O. wurde beim Besuch seiner Familie in Aleppo offenbar vom syrischen Militärgeheimdienst verschleppt. Das Außenamt in Wien verlangt Aufklärung.

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Symbolbild – (c) REUTERS (STRINGER)

Wien/Damaskus/W.s./Apa. Ahmed Elmatbouly ist besorgt: „Wir wissen nicht, wie es unserem Mitarbeiter geht“, sagte der Pressesprecher der Hilfsorganisation „Humanic Relief“, die in Wien ihren Sitz hat, zur „Presse“. Jamal O. war – wie schon mehrmals zuvor – für „Humanic Relief“ nach Syrien aufgebrochen, um Hilfsgüter zu liefern. Er brachte einen Krankenwagen mit Medikamenten und medizinischen Geräten über die türkisch-syrische Grenze, erzählt Elmatbouly. Dann fuhr er weiter nach Aleppo.

Die Stadt unweit der türkischen Grenze ist seit Wochen heftig zwischen Aufständischen und den Regierungstruppen von Präsident Bashar al-Assad umkämpft. „Jamal O. hat in Aleppo seine Familie besucht. Am Sonntagmittag wurde er vom Militärgeheimdienst festgenommen.“

Seither gab es keine Nachricht mehr von Jamal O. Er ist österreichischer Staatsbürger. Seine Familie hat das Außenministerium in Wien eingeschaltet. „Wir haben vom syrischen Außenministerium verlangt, den Fall aufzuklären“, sagte ein Sprecher des österreichischen Außenamts am Montag zur „Presse“. Bisher habe man aber noch keine Informationen erhalten. In Syriens Hauptstadt Damaskus ist die österreichische Botschaft nicht mehr besetzt. Deshalb laufen die Bemühungen zur Freilassung von Jamal O. über die österreichische Vertretung in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Dort sind nun auch die Diplomaten stationiert, die zuletzt in Damaskus tätig waren.

In den vergangenen Tagen haben sich die Gefechte in der syrischen Hauptstadt verschärft. Auch in Aleppo toben schwere Kämpfe. Die Rebellen erzielten dort Erfolge. Der syrische Vizepräsident Faruk al-Shaara zeigte sich unterdessen wenig optimistisch über die Möglichkeiten des Regimes, den Bürgerkrieg noch für sich zu entscheiden: Weder Assads Truppen noch die Rebellen seien in der Lage, sich entscheidend durchzusetzen, sagte er in einem Interview mit der libanesischen Zeitung „al-Akhbar“. Er schlug die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit vor.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2012)

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